Parlez-vous Deutsch?

Der Kanton Bern ist stolz auf seine Zweisprachigkeit: Amtsträger aus der Bundesstadt sollten auch Französisch beherrschen. MomentWahl, das gilt doch auch umgekehrt...

Mit seinem Effort zum Bilinguisme sammelt Roberto Bernasconi fleissig Sympathien.

Mit seinem Effort zum Bilinguisme sammelt Roberto Bernasconi fleissig Sympathien.

(Bild: Urs Baumann)

Sandra Rutschi

Der Wahlkampf im Kanton Bern hat seine Tücken. Die Regierungsratskandidaten müssen sich mit einer Fremdsprache her­umschlagen. Vor allem die drei Bernjurassier sind eifrig auf Tour im deutschsprachigen Kantonsteil. Für Roberto Bernasconi (SP) und Patrick Gsteiger (EVP) eine besondere Herausforderung: Sie verstehen zwar Berndeutsch und Deutsch, doch mit dem Sprechen hapert es. Gsteiger wechselt deshalb bei Auftritten im deutschsprachigen Kantonsteil nach den Begrüssungssätzen ins Französische.

Bernasconi jedoch hangelt sich wacker auf Deutsch durch politische Diskussionen und ergattert so Sympathiepunkte, auch wenn man nicht alles versteht, was er zu sagen versucht. Wahrscheinlich will er seinen Schülern ein gutes Vorbild sein: Bernasconi unterrichtet in Valbirse ausgerechnet das Fach Deutsch. Da muss es schon den Ehrgeiz kitzeln, wenn einem ein Unternehmer und direkter Konkurrent wie Pierre Alain Schnegg (SVP) mit nahezu perfektem Deutsch um die Ohren tanzt.

Die deutschsprachigen Kandidaten können das Ganze ein bisschen entspannter angehen – sie sind nicht auf Gedeih und Verderb auf die Stimmen aus dem Berner Jura angewiesen (auch wenn von den beiden keiner von einer Quantité négligeable sprechen will). Sie schätzen ihre Französischkenntnisse unterschiedlich ein: Während Lars Guggisberg (SVP) findet, sein Französisch sei gut und er müsse nur ab und zu Begriffe umschreiben, gesteht Christoph Ammann (SP), dass er bei «differenzierten Fachaussagen» in der Not zu Deutsch greife. Da ist man auf der Stelle erleichtert, unter­richtet er am Gymnasium Interlaken nicht Französisch, sondern Deutsch und Latein.

Doch so schlecht scheint Ammanns Französisch gar nicht zu sein. Laut frankofonen Journalisten jedenfalls spricht er etwa auf gleichem Niveau wie Guggisberg: Für ein Zitat in der Zeitung reicht es, bei Radiointerviews wirds schwieriger. Und die eigene Einschätzung der Kandidaten? Alles eine Frage des Selbstbewusstseins.

Berner Zeitung

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