Parlament wählt Ratsneuling nur knapp zum 2. Vizepräsidenten

Der Thuner FDP-Grossrat Carlos Reinhard wurde am Mittwoch mit knapper Mehrheit vom Grossen Rat zum 2. Vizepräsidenten gewählt. Widerstand gegen den Ratsneuling kam von SP, Grünen und GLP.

Carlos Reinhard (FDP) wurde am Mittwoch (11.6.2014)zum 2. Vizepräsidenten gewählt.

Carlos Reinhard (FDP) wurde am Mittwoch (11.6.2014)zum 2. Vizepräsidenten gewählt.

(Bild: Beat Mathys)

Das Berner Kantonsparlament hat am Mittwoch den Thuner FDP-Grossrat Carlos Reinhard äusserst knapp zum 2. Vizepräsidenten gewählt - gegen den Widerstand von SP, Grünen und GLP, die sich vergeblich gegen die Wahl eines Ratsneulings wehrten.

Reinhard erreichte just das absolute Mehr von 71 Stimmen - von 141 gültigen Stimmen. Die Wahl des 2. Vizepräsidenten war auf die zweite Sessionswoche verschoben worden, damit die Fraktionen das neu gewählte Grossratsmitglied noch besser kennenlernen konnten. Reinhard wird turnusgemäss 2016 zum höchsten Berner gewählt werden. Der 42-jährige Unternehmer sitzt seit 7 Jahren im Thuner Stadtrat.

Nach seiner Wahl sagte Reinhard in einer persönlichen Erklärung, er habe den «Wink mit dem Zaunpfahl» verstanden und werde alles daran setzen, das Vertrauen und den Respekt derjenigen zu gewinnen, die ihn nicht gewählt hätten.

Zweifel am Quereinsteiger

Der Anspruch der FDP auf das 2. Vizepräsidium war nicht bestritten. Für Stirnrunzeln sorgte aber, dass ein neu gewählter Grossrat ohne Stallgeruch für das hohe Amt vorgeschlagen wurde. «Man erwartet von einem 2. Vize eine grosse Akzeptanz», sagte GLP-Sprecherin Franziska Schöni (Bremgarten), die sich von der «sturen» Haltung der FDP enttäuscht zeigte.

Auch EVP-Vertreterin Christine Schnegg (Lyss) zog in Zweifel, ob sich ein Quereinstieger innert zwei Jahren die nötigen Kenntnisse und Kontakte im Parlament aufbauen könne, um das höchste Amt ausüben zu können.

Die SP wollte ebenfalls kein Präjudiz schaffen. SP-Sprecher Michael Aebersold (Bern) liess zudem durchblicken, dass die SP die Desavouierung von Roland Näf bei der Wahl der Bildungskommission noch nicht verdaut hat.

Das 1. Vizepräsidium war bereits am ersten Sessionstag besetzt worden. Beim gewählten EVP-Mann Marc Jost handelt es sich ebenfalls um einen Thuner. Er wird den Grossen Rat 2015 präsidieren.

Unbestritten war die Wahl des altgedienten SVP-Grossrats Walter Messerli (Interlaken) zum Präsidenten der neu geschaffenen Kommission für Staatspolitik und Aussenbeziehungen (SAK). Diese befasst sich mit grundlegenden Fragen des politischen Systems und strategischen Fragen der Aussenbeziehungen.

tag/sda

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