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Nun muss der Jura den Graben zuschütten

Adrian Zubriggen, stellvertretender BZ-Chefredaktor, zur Abstimmung in Moutier.

So wird sich die Landkarte verändern: Moutier wechselt zum Kanton Jura. Am 17. September 2017 stimmten die bernjurassischen Gemeinden Belprahon und Sorvilier für einen Verbleib beim Kanton Bern.
So wird sich die Landkarte verändern: Moutier wechselt zum Kanton Jura. Am 17. September 2017 stimmten die bernjurassischen Gemeinden Belprahon und Sorvilier für einen Verbleib beim Kanton Bern.
Sabine Glardon
Freinacht in Moutier: Die Abstimmungssieger feierten die ganze Nacht.
Freinacht in Moutier: Die Abstimmungssieger feierten die ganze Nacht.
Keystone
Für Dick Marty, Präsident der Interjurassischen Versammlung, ist der Urnengang «ein Beweis, dass wir in der Schweiz Konflikte demokratisch und transparent lösen können.»
Für Dick Marty, Präsident der Interjurassischen Versammlung, ist der Urnengang «ein Beweis, dass wir in der Schweiz Konflikte demokratisch und transparent lösen können.»
Keystone
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Die Jura-Frage sei mit dieser Abstimmung abgeschlossen – das war nach Bekanntwerden des Resultats mehrfach zu hören. Zumindest für den Kanton Bern ist ein Ende dieser aus der Zeit gefallenen Diskussion abzusehen. Im September werden Sorvilier und Belprahon entscheiden, ob sie Moutier folgen – dann dürfte das Thema für Bern Geschichte sein. Endlich.

Anders sieht es für den Kanton Jura aus. Bloss 137 Stimmen gaben den Ausschlag für den Kantonswechsel Moutiers – bei knapp 4000 Voten. Das Städtchen ist ziemlich genau hälftig gespalten. Mit dem knappen Ja «erbt» der Kanton Jura dieses Problem von Bern – er muss nun den Graben zuschütten.

Und er muss seinen neuen Mitbewohnern zeigen, dass er es ernst meint mit seinen kostspieligen Versprechen – zum Beispiel tatsächlich auf Dauer in Moutier ein Spital zu betreiben, wo doch jenes im Kantonshauptort Delsberg gerade mal 10 Kilometer entfernt liegt.

Für den Kanton Bern mag der Abschied Moutiers auf den ersten Blick bedauerlich sein. Er verliert erneut an Grösse, an frankofonem Wesen, vielleicht dadurch gar an Geld aus Finanzausgleichstöpfen. Doch auf Letzteres sollte man eh nicht stolz sein. Und auf die schiere Grösse kann sich Bern längst nichts mehr einbilden: In der Optik der Restschweiz ist der Kanton ein lahmer Riese am Finanztropf der reichen Kantone.

Selbst das Thema der Zweisprachigkeit bietet eine nüchterne Betrachtungsweise: Es bleiben Bern nach dem Verlust der 7600 Einwohner Moutiers 90'000 Frankofone. Das ist, was es schon vorher war: eine recht kleine Minderheit, zu der man Sorge tragen muss – auf jeden Fall dann, wenn das Lob auf die Zweisprachigkeit nicht bloss eine billige Abstimmungssonntagspredigt sein soll.

Vielleicht liegt hier sogar die Chance des Abschieds von Moutier: dass die Zweckgemeinschaft der restlichen Bernjurassier und der Deutschschweizer nun eine etwas innigere wird, wenn sie nicht mehr von der leidigen Jura-Diskussion dominiert wird.

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