Neuhaus bittet Täufer um Verzeihung

Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) bittet die Täufer um Verzeihung für die Repressionen, unter denen die Gemeinschaft über Jahrhunderte zu leiden hatte.

Christoph Neuhaus trat am Freitag mit einer formellen Entschuldigung an die Öffentlichkeit.

Christoph Neuhaus trat am Freitag mit einer formellen Entschuldigung an die Öffentlichkeit. Bild: Keystone

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Der bernische Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor Christoph Neuhaus hat an Berns Nacht der Religionen im Namen des Kantons Bern bei den Täufern für Verzeihung gebeten. Er tat dies für die staatlichen Verfolgungen und Vertreibungen, unter denen die Täufer in der Vergangenheit zu leiden hatten.

Der Kanton Bern, die evangelische Mennoniten-Gemeinde Bern und die Berner Münster-Kirchgemeinde gaben dies am Freitag gemeinsam bekannt. Solch klare Worte der Anerkennung des geschehenen Unrechts habe es auf politischer Ebene im Kanton Bern noch nie gegeben, sagt Dorothea Loosli von der Mennonitengemeinde Bern laut der Mitteilung.

Die Anwesenden hätten diese «unerwarteten Worte» dankbar entgegengenommen. Die Konferenz der Mennoniten der Schweiz will nun diese Bitte um Vergebung offiziell würdigen. Dies voraussichtlich bei der Eröffnung eines Stationenwegs, der ab kommendem Frühling begehbar sein soll. Er soll an das Geschehene erinnern und konkrete Stationen der Täuferverfolgung sichtbar machen.

Gemeinsam mit der Münster-Kirchgemeinde ist die Berner Mennonitengemeinde daran, diesen Stationenweg zu erarbeiten. «Mennoniten» ist ein anderes Wort für Täufer.

Wie Loosli am Freitag auf Anfrage sagte, wird der Stationenweg durch die Stadt Bern führen und gemäss dem Entwurf beim Münster starten und bei der Nydeggkirche enden.

Bisher unbeachtet geblieben

Berns Nacht der Religionen fand bereits am vergangenen Wochenende statt. Berns Kirchendirektor Christoph Neuhaus sprach am Eröffnungsanlass im Berner Rathaus. Viele Besucher dieses Anlasses seien der Meinung gewesen, die Worte von Neuhaus müssten breiter bekannt werden, sagte Loosli.

Die Besucher seien auch «bewegt und gerührt» gewesen über diese «ein Stück weit historischen Worte», so die Grossratspräsidentin des Kantons Bern von 2008/09. Deshalb sei der Impuls für die Mitteilung vom Freitag primär von den Kirchen her gekommen. Hintergrund sei auch, dass die Medien nicht über Neuhaus' Auftritt berichtet hätten, so Loosli.

Täufer: Verfolgte Nonkonformisten

Das Täufertum entstand laut dem Historischen Lexikon der Schweiz im Rahmen der frühen Reformation in den 1520-er Jahren. Es handelte sich um eine Bewegung von Menschen, welche sich für eine radikalere Reform einsetzten.

Die Täufer verweigerten die Kindertaufe. Sie setzten auf ein freiwilliges Engagement in der Kirche und somit die Erwachsenen- respektive «Glaubenstaufe». Sie setzten sich auch für die Trennung von Kirche und Staat ein und waren für Gewaltlosigkeit und somit gegen Kriegsdienst.

Auf den Nonkonformismus der Täufer reagierte der Staat mit Repression bis hin zu Gefängnis, Folter und Hinrichtung. Viele Täufer flohen - ins Ausland oder in abgelegene Gebiete wie den Neuenburger Jura - oder wurden vertrieben.

Der Kanton Bern tat sich laut dem Historischen Lexikon der Schweiz «durch eine beispiellos harte Linie hervor» und wies «Hunderte von Täufern» aus. Laut den Berner Täufern gibt es heute auf der ganzen Welt etwa eine Million Mennoniten. Dazu gehören auch die Amischen und Hutterer. Etwa 2500 leben in der Schweiz in dreizehn lokalen Gemeinden. Jene in Bern besteht seit 1959. (nik/sda)

Erstellt: 17.11.2017, 12:18 Uhr

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