Neues Schuljahr, neue Klasse und neuer Lehrplan

Mit dem Start des neuen Schuljahrs tritt auch der Lehrplan 21 in Kraft. Oberstufenlehrerin Mirella Mirabelli hat sich mit Weiterbildungen vorbereitet. Aufgeregt ist sie vor dem ersten Schultag aber nicht wegen des ­neuen Lehrplans.

Alles bereit: Lehrerin Mirella Mirabelli und Schulleiter Pierre Zesiger vor dem neuen Schuljahr.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Alles bereit: Lehrerin Mirella Mirabelli und Schulleiter Pierre Zesiger vor dem neuen Schuljahr.

(Bild: Beat Mathys)

Alles wie immer nach den langen Sommerferien: «Herzlich willkommen» hat Lehrerin Mirella Mirabelli an die Wandtafel ­geschrieben, Porträtfotos samt Namen aller 25 Jugendlichen ihrer Klasse aufgehängt, die nächsten Termine für die 7b neben der Tür auf einem Whiteboard notiert. Auf den Pulten liegen Hefte und Ordner parat.

Alles wie immer? Nicht ganz, denn ab heute gilt im ganzen Kanton Bern ein neuer Lehrplan, der Lehrplan 21 (siehe Kasten). Die Schülerinnen und Schüler werden wahrscheinlich davon gar nicht viel merken – schliesslich sind sie zum ersten Mal in ihrem jeweiligen Schuljahr und haben keine Vergleichsmöglichkeiten. Ihre Klassenlehrerin hingegen schon. Mirella Mirabelli unterrichtet seit 26 Jahren, 18 davon hier an der Oberstufenschule Hofmatt in Huttwil. Sie hat sich intensiv auf den neuen Lehrplan vorbereitet. So wie das gesamte Kollegium. «Allerdings nicht erst während der Sommerferien, sondern kontinuierlich in den letzten Wochen und Monaten.»

Die Einführung des neuen Lehrplans sei ein Prozess, sagt auch Schulleiter Pierre Zesiger. Begonnen habe dieser schon mit der Einführung der neuen Lehrmittel im Französisch- und im Englischunterricht. «Es ist also nicht so, dass der neue Lehrplan am Montagmorgen mit einem Knall startet.»

In drei Zyklen bis zur 9. Klasse

Ein Lehrplan legt fest, was Schülerinnen und Schüler in jedem Fach und in den verschiedenen Altersstufen lernen. Neu spricht man nicht mehr von Unter- und Oberstufe, sondern vom Zyklus 1 (Kindergarten, 1. und 2. Klasse), vom Zyklus 2 (3. bis 6. Klasse) sowie vom Zyklus 3 (7. bis 9. Klasse). Im Frühling kamen in Huttwil die 70 Lehrpersonen aller Zyklen zusammen, um letzte Fragen zur Umsetzung des Lehrplans 21 im Alltag zu klären. «Ich nehme unser Kollegium als offen für die Veränderungen wahr», sagt der Schulleiter.

Verwandte Themen, ein Fach

Mirella Mirabelli unterrichtet Französisch, Deutsch, Italienisch und bildnerisches Gestalten. Sie hat sich in jedem Fach weiter­gebildet, um pädagogisch auf dem neusten Stand zu sein. Dem neuen Lehrplan gegenüber ist sie grundsätzlich positiv eingestellt. Etwas Sorgen bereitet ihr höchstens die Grösse ihrer Klasse. «Es könnte eine Herausforderung werden, auf alle Kinder so individuell einzugehen, wie das eben der neue Lehrplan vorsieht.»

Den Grundgedanken trägt sie aber voll mit: Mehr auf den einzelnen Schüler und seine Bedürfnisse zu achten. Auch neue Fächer wird die Lehrerin unterrichten. Eines davon heisst «Ethik, Religionen, Gemeinschaft», kurz ERG. «Es ist sinnvoll, verwandte Themen in einem Fach zusammenzufassen», findet sie. Weitere themenübergreifende Fächer sind WAH: Wirtschaft, Arbeit, Haushalt und RZG: Räume, Zeiten, Gesellschaften.

Aber auch in diesen Bereichen sei der neue Lehrplan «nicht revolutionär», betont Schulleiter Zesiger. «Zumindest nicht für den Kanton Bern.» Hier unterrichte man seit Jahren in diesem Sinne. «Schon früher haben Lehrpersonen häufig ein Oberthema gewählt und es dann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet – ein Land zum Beispiel geschichtlich, musisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.»

Übungen online

Im Klassenzimmer der 7b steht eine Kiste mit 25 Laptops. Jede Schülerin und jeder Schüler ­bekommt am ersten Tag sein ­persönliches Gerät. Der neue Lehrplan bringt es auch mit sich, dass die Schulen technisch aufrüsten müssen. In zahlreichen Fächern werden Übungen online gemacht. Das neue Fach «Medien und Informatik» befasst sich gar ausschliesslich mit diesem Thema. «Es gibt natürlich Gemeinden, die finanziell an ihre Grenzen stossen, wenn ihre Schulen all diese Geräte benötigen», sagt Schulleiter Zesiger. An der Oberstufenschule Huttwil hat man Glück und ist heute bereits technisch sehr gut ausgerüstet und auf dem neusten Stand.

In Mirella Mirabellis Klassenzimmer ist beim Besuch am Donnerstag alles parat. Vor dem ersten Schultag ist sie etwas auf­geregt. Allerdings nicht wegen des neuen Lehrplans. «Es ist immer ein kleines Abenteuer, mit einer neuen 7. Klasse zu starten.»

Berner Zeitung

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