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Mühleberg: BKW will spätestens 2022 den Stecker ziehen

Der bernische Energiekonzern BKW kündigt einen Chefwechsel an und will das Kernkraftwerk Mühleberg nicht über das Jahr 2022 hinaus nutzen. Danach werde man voll auf erneuerbare Energie setzen.

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Das Bundesverwaltungsgericht hat die Betriebsbewilligung nur bis Juni 2013 gewährt, dann müssten Verbesserungen erfolgen: Das Kernkraftwerk Mühleberg. (8. Februar 2012)
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Betriebsbewilligung nur bis Juni 2013 gewährt, dann müssten Verbesserungen erfolgen: Das Kernkraftwerk Mühleberg. (8. Februar 2012)
Keystone

Spätestens 2022 soll für das Kernkraftwerk Mühleberg Schluss sein. Danach werde voll auf erneuerbare Energie gesetzt. Das hat die BKW in ihrer neuen Strategie «BKW 2030» festgelegt. Die neue Strategie soll dem Unternehmen Leitlinien für die Zeit der Abschaltung des AKW Mühleberg und darüber hinaus geben. Sie setzt auf Energieeffizienz, erneuerbare Energien und intelligente Stromübertragung. Das gab die BKW an ihrer Bilanzmedienkonferenz am Dienstag in Bern bekannt.

Gemäss dieser Strategie soll in Zukunft der Strom der BKW vor allem aus Wasser- und Windkraftwerken in der Schweiz und im angrenzenden Ausland kommen. Bei den übrigen Energieträgern will die BKW künftig Wirtschaftlichkeit und Risiken stärker beachten. Deshalb bremst sie die Investitionen bei der Energieproduktion aus Biomasse. Bei der Photovoltaik sieht sie sich künftig als Produzentin nur noch situativ und bei grösseren Anlagen. «Die BKW wird in den kommenden Jahren ganz generell zurückhaltender investieren», sagte BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche.

Wenn die Politik Gaskombikraftwerke für die Übergangszeit beim Ausstieg aus der Atomenergie wolle, dann stehe die BKW mit dem Projekt im bernischen Utzenstorf bereit, sagte Gasche auch. Auf den Kauf zusätzlicher fossil-thermischer Kraftwerke will die BKW verzichten - es sei denn, die Anlage befindet sich im Bau.

Mit AKW-Weiterbetrieb den Ausstieg finanzieren

Das Atomkraftwerk Mühleberg möchte die BKW noch zehn Jahre weiterbetreiben, weil sie sich so den Ausstieg aus der Kernenergie leisten könne. «Der Aufbau der erforderlichen, zusätzlichen, erneuerbaren Energieproduktion wird wesentlich zuverlässiger und schneller erfolgen, wenn das KKW Mühleberg sicher und wirtschaftlich bis ans Ende seiner technischen Lebensdauer betrieben werden kann», sagte Gasche. Dieses Ende siedelte die BKW schon bisher jeweils ums Jahr 2020 herum an.

Würde das AKW Mühleberg schon im Sommer 2013 abgestellt, müsste das Unternehmen Strom importieren, sagte Gasche weiter. Das Bundesverwaltungsgericht entschied ja kürzlich, dass das Mühleberger Werk wegen Sicherheitsbedenken nur noch bis Mitte nächstes Jahr betrieben darf - es sei denn, die BKW legt ein umfassendes Instandhaltungskonzept vor. Das will die BKW tun. Zudem hat sie das Urteil ans Bundesgericht weitergezogen.

CEO Rohrbach soll in VR wechseln

In die Zukunft gehen will die BKW mit einem neuen operativen Chef. Der Verwaltungsrat will an der Generalversammlung des Unternehmens im Mai den Aktionären beantragen, den jetzigen CEO Kurt Rohrbach in den Verwaltungsrat zu wählen. Dort soll Rohrbach hauptamtlicher zweiter Vizepräsident der BKW werden.

Der BKW-Verwaltungsrat wolle die Strategie von oben her führen, sagte Gasche dazu. Es brauche deshalb im Verwaltungsrat mehr betriebliches Wissen. Rohrbach soll dies liefern. Der Posten des CEO wird - voraussichtlich Ende Jahr - neu besetzt. Bis der neue Chef oder die neue Chefin ihre Stelle antritt, übt Rohrbach beide Funktionen aus.

Ebenfalls in den Verwaltungsrat gewählt werden soll der Chef der Biketec AG in Huttwil, Kurt Schär. Der Produzent der Elektrovelos mit dem Namen «Flyer» soll sein Wissen im Bereich zukunftsgerichteter Stromanwendungen einbringen und seine Erfahrungen mit Trends und Kundenbedürfnissen.

Gemischte Reaktionen

Atomkritisch eingestellte Parteien und Organisationen reagierten zwar auch mit anerkennenden Worten auf die neue BKW-Strategie. Ihnen geht aber der Atomausstieg zu zögerlich vor sich und sie wollen für die Wende der BKW hin zu erneuerbaren Energien zuerst einen Tatbeweis sehen.

So müsste etwa die BKW jetzt konsequenterweise das sistierte Rahmenbewilligungsgesuch für ein neues AKW in Mühleberg zurückziehen, fordern sie. Bundesrätin Leuthard hatte nach der Atomkatastrophe von Fukushima alle hängigen Gesuche für neue Atomkraftwerke in der Schweiz einstweilen auf Eis gelegt.

(SDA)

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