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«Mister Primatwechsel» ist ernannt

Stephan Wyss leitet neu das Team, das den Primatwechsel der Berner Pensionskassen vorbereitet. Er sieht die Krise als Chance.

Im Grundsatz hat der Grosse Rat im April schon entschieden: Die beiden Pensionskassen des Kantons sollen vom Leistungs- zum Beitragsprimat wechseln, in dem die Leistungen nicht mehr fix garantiert sind. Die Details zum Primatwechsel der Bernischen Pensionskasse (BPK; Verwaltungspersonal) und der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK; Lehrpersonen) sind aber noch allesamt offen. Inzwischen hat der Regierungsrat für die weiteren Arbeiten eine umfangreiche Projektorganisation mit rund 25 Beteiligten aufgebaut. Auch ein grober Zeitplan sowie eine Kostenschätzung liegen vor (siehe links).

Schon oft dabei

Fast alle beteiligten Politiker, Kassenverantwortlichen, Verwaltungs- und Verbandsvertreter sowie Experten waren schon in die bisherigen Arbeiten involviert. Der Posten des Leiters des Projektteams musste dagegen neu besetzt werden. Der Regierungsrat hat nun Stephan Wyss eingesetzt, diplomierter Pensionsversicherungsexperte und Direktionsmitglied der Swisscanto Vorsorge AG in Zürich. Wyss ist für diverse grosse und mittlere Vorsorgeeinrichtungen in verschiedensten Branchen tätig, unter anderem auch für die Kassen anderer Kantone. Besonders wichtig: Seit sich die Zahl der Primatwechsel ab 1995 erhöht hat, war er an zahlreichen Umstellungsprojekten beteiligt, teilweise als Leiter.

«Sehr anspruchsvoll»

Das Berner Projekt stuft Wyss als «sehr anspruchsvoll» ein, insbesondere wegen der vielen Beteiligten mit stark divergierenden Interessen. Vor allem Personalverbände und linke Parteien lehnen den Wechsel ab. Die ersten Sitzungen hat Wyss hinter sich, die vollständige Einarbeitung werde aber noch Zeit beanspruchen. Er plädiert explizit für den frühen Einbezug aller Beteiligten.

Im Grundsatz ist für Wyss klar, dass sich der Trend in Richtung Beitragsprimat fortsetzt. Er zählt diese Hauptvorteile auf: höhere Transparenz über die Verwendung der Beiträge, vorhersehbare Kosten für den Arbeitgeber, schwankende – auch sinkende – Anlageerträge liessen sich besser auffangen, die Verwaltung sei einfacher, Renditen würden unmittelbarer den einzelnen Versicherten weitergegeben und weniger nach intransparenten «Solidaritäten» umverteilt.

«Handlungszwang erhöht»

Stephan Wyss plädiert dafür, die Frage des Primatwechsels losgelöst von der aktuellen Krise des Finanzmarkts zu beurteilen. So viel räumt er ein: «Die schwierige Lage erhöht die Komplexität des Projekts zusätzlich.» Wyss betont aber auch, die Krise könne eine Chance für den Wechsel sein. «Die schwierige Lage erhöht den Handlungszwang der beiden Berner Pensionskassen.» Frei interpretiert: Wenn die Kassen im heutigen Primat allenfalls teuer saniert werden müssten, wäre es vielleicht besser, sie gleich umzustellen. Denn: «Im Beitragsprimat lassen sich Pensionskassen einfacher sanieren.» Konkrete Aussagen zum «Berner Primatwechsel» will Wyss erst später machen.

Für den Kanton war es nicht ganz einfach, einen neuen Projektleiter für den Primatwechsel zu finden, wie der zuständige Regierungsrat, Finanzdirektor Urs Gasche (BDP), betont. Erstens gebe es in der Schweiz nur wenige Fachleute, die das notwendige Wissen und die Erfahrung in der Führung aufwendiger, komplexer Primatwechsel-Projekten hätten.

Schon viele «verbraucht»

Zweitens kommen laut Gasche viele Schweizer Experten nicht in Frage, weil sie bereits mit BPK oder BLVK zu tun hatten und daher als befangen gelten. «Wir haben in den letzten Jahren schon ziemlich viele Experten ‹verbraucht›», so Gasche. Der Hauptgrund war das BLVK-Debakel. Stephan Wyss sei nun «wirklich unabhängig», wie der Finanz direktor betont.

Bis zum Grossratsentscheid im vergangenen April fungierte Hans-Ulrich Zürcher, Leiter des kantonalen Personalamts, als zentraler «Manager» des Primatwechsels. Er stand der externen Projektleiterin, Pensionskassen expertin Sonja Vonlanthen, zur Seite. Für die Fortsetzung des Projekts setzte der Regierungsrat nun nicht Zürcher als Leiter ein, weil er als Mitglied der BPK-Verwaltungskommission als befangen angesehen wurde. Schliesslich sei eine der Lehren aus dem BLVK-Debakel, dass der Kanton Mehrfach-Rollen zwingend vermeiden müsse, sagen mehrere am Projekt beteiligte Grossräte.

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