Minisanierung fürs Rathaus

Die 28 Millionen Franken teure Gesamtsanierung des Rathauses in Bern ist vom Tisch. Erneuert wird nur, was absolut nötig ist. Das kostet gerade mal 3,2 Millionen Franken. Dies hat der Grosse Rat beschlossen.

Blick in den Rathaussaal: Für eine neue Abstimmungsanlage reicht auch das gekürzte Sanierungsbudget.

Blick in den Rathaussaal: Für eine neue Abstimmungsanlage reicht auch das gekürzte Sanierungsbudget.

(Bild: Peter Gerber)

Urs Egli

Die Forderung der grossrätlichen Finanzkommission, die Investitionen im Voranschlag 2013 seien um zusätzliche 50 Millionen Franken zu kürzen, lässt Grossratsmitglieder beim Geldausgeben und Investieren vorsichtiger werden – umso mehr, wenn es um einen Brocken von 28 Millionen Franken geht. Die vom Büro des Grossen Rates anvisierte umfassende Modernisierung des Rathauses (wir berichteten) wurde von der Mehrheit des Kantonsparlaments gestern zwar nicht grundsätzlich bestritten. Denn die letzte grosse Sanierung liegt bereits 70 Jahre zurück. Jedoch gehe es nicht an, an allen Ecken und Enden zu sparen, nur bei sich selbst nicht. Vor dem Hintergrund der schlechten Finanzlage komme die Totalsanierung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. «Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt», gab Thomas Heuberger (Grüne, Oberhofen), der die Planungsgruppe des Ratsbüros präsidiert, zu bedenken.

Auch als das Rathaus 1941/1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, saniert worden sei, habe man vom falschen Zeitpunkt gesprochen. Fakt sei, dass es jetzt grossen Handlungsbedarf gebe. Die Abstimmungsanlage müsse ebenso ersetzt werden wie die Heizung. «Das Haus ist eine Energieschleuder, und das Klima – nicht das politische – ist oft schlecht», monierte Thomas Heuberger.

«Investition in Zukunft»

Auf die Seite von Heuberger schlug sich etwas überraschend die BDP. Denn gestern wollte gerade diese Partei andere Kreditgeschäfte kürzen oder ganz streichen. BDP-Sprecherin Anita Luginbühl (Krattigen) meinte, die nötige Sanierung des Rathauses werde nicht billiger, wenn diese auf später verschoben werde. Namens der BDP machte sie sich dafür stark, dass «mit dem zwingenden Ersatz der Abstimmungsanlage gleichzeitig der Umbau und die Sanierung des Grossratssaals vorzusehen ist».

Eher Zustimmung zur Rathaussanierung signalisierte Hugo Kummer (Burgdorf) namens der SVP. Speziell Gerhard Fischer (SVP, Meiringen) legte sich vehement für die Sanierung ins Zeug: «Das ist eine Investition in die Zukunft, nicht in einen Konsumkredit.»

Nur ein «Nice to have»

Die Ratsmehrheit wollte von der Motion des Ratsbüros, mit welcher die umfassenden baulichen Massnahmen im und am Rathaus in die Tat umgesetzt werden sollten, aber nichts wissen. Der Umbau sei nicht notwendig, sondern ein «Nice to have», konstatierte SP-Fraktionschef Michael Aebersold (Bern).

Wie Baudirektorin Barbara Egger (SP) plädierte Aebersold für eine Minimalsanierung von 3,2 Millionen Franken: Ersatz der Abstimmungsanlage, Ersatz der Heizung, Erneuerung des Gastrobetriebs, Einbau eines Warenlifts und Schaffung von Schliessfächern für die Ratsmitglieder.

«Kein Sanierungsobjekt»

Hinter diese Minimalvariante stellte sich auch die FDP. Peter Sommer (Wynigen) mahnte: «Etwas Bescheidenheit würde diesem Rat gut anstehen.» Und Maria Iannino Gerber (Grüne, Hinterkappelen) doppelte nach: «Von uns darf erwartet werden, dass wir den Gürtel enger schnallen.» Es gehe um nichts weniger als um die Glaubwürdigkeit des Rats. Das Rathaus sei «substanziell in gutem Zustand», eine grosse Sanierung sei aus Sicht seiner Fraktion «überhaupt kein Thema», betonte Markus Grossen (EVP, Reichenbach).

Barbara Egger sagte, der Regierungsrat befürworte gezielte Sanierungen im Rathaus. Umfassende bauliche Massnahmen seien sicher machbar, «aber sie sind nicht notwendig». Weder sei der Ratsbetrieb beeinträchtigt, noch sei das Rathaus ein Sanierungsobjekt. Ganz sicher aber seien 19 der anvisierten 28 Millionen Franken nicht im Finanzplan enthalten, gab Baudirektorin Egger zu bedenken.

Eine Sparvariante

Letztlich wollte der Grosse Rat nichts wissen von einem Kredit für eine umfassende, 28 Millionen Franken teure Rathaussanierung (80 zu 63 Stimmen), und er lehnte es auch ab, die Abstimmungsanlage gleichzeitig mit dem Umbau des Grossratssaals zu ersetzen (111 zu 30 Stimmen).

Damit bleibt im Rathaus fast alles beim Alten. Immerhin wird die Abstimmungsanlage ersetzt, und damit niemand frieren muss, wird eine neue Heizung eingebaut.

Berner Zeitung

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