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Lehrplan 21: Weniger und einfachere Zeugnisse

Im Sommer 2018 wird im Kanton Bern der Lehrplan 21 eingeführt. Nun schickt die kantonale Erziehungsdirektion Vorschläge für die künftige Schülerbeurteilung in eine öffentliche Mitwirkung.

Nach Pulver sollen die bernischen Schüler etwa künftig erst am Ende des zweiten Schuljahrs das erste Zeugnis respektive den «Beurteilungsbericht» erhalten.
Nach Pulver sollen die bernischen Schüler etwa künftig erst am Ende des zweiten Schuljahrs das erste Zeugnis respektive den «Beurteilungsbericht» erhalten.
Stefan Anderegg

Bernische Schüler sollen künftig erst am Ende des zweiten Schuljahrs das erste Zeugnis respektive den «Beurteilungsbericht» erhalten, wie das Zeugnis heute heisst. Das gab der bernische Erziehungsdirektor Bernhard Pulver am Freitag an einer Medienkonferenz in Bern bekannt. Heute wird das erste Zeugnis schon nach dem zweiten Kindergartenjahr verteilt.

Der nächste Beurteilungsbericht soll erst am Ende des 4. Schuljahrs folgen. Und gemäss den Vorschlägen Pulvers wird es künftig auf der Sekundarstufe I (7. bis 9. Schuljahr) nur noch jährliche statt halbjährliche Beurteilungsberichte geben.

Im neuen, kompetenzorientierten Lehrplan 21 stehe vermehrt die Förderung und Unterstützung der Schüler durch die Lehrpersonen im Zentrum, schreibt dazu die Erziehungsdirektion in einer Medienmitteilung zur Begründung. Zu häufige Beurteilungsberichte behinderten diesen Prozess.

Die neuen Beurteilungsberichte sollen auch nur noch auf einer Seite Platz finden statt wie heute auf zwei bis drei. Dafür ist vorgesehen, darin das Arbeits- und Lernverhalten der Schüler nicht mehr zu erwähnen. Solche sogenannten «überfachlichen Kompetenzen» sollen ein zentrales Thema der weiterhin stattfindenden Elterngespräche sein. Diese werden um ein verbindliches Protokoll ergänzt.

Die bernische Erziehungsdirektion schlägt auch vor, im 8. und 9. Schuljahr ein «Portfolio zu überfachlichen Kompetenzen» einzuführen. Es soll den Lehrbetrieben die nötigen Informationen geben, um die Schüler nicht nur aufgrund der Noten einschätzen zu können.

An den Übertrittsverfahren beabsichtigt die Erziehungsdirektion - ausser bei gewissen Begriffen - nichts zu ändern. Und ab dem 3. Schuljahr sollen weiterhin Noten erteilt werden.

Ende Jahr will Pulver entscheiden

Die Mitwirkung zur neuen Schülerbeurteilung dauert bis Mitte September. Stellung nehmen können verschiedene schulinterne oder schulnahe Organisationen wie der bernische Schulleiterverband oder die Elternvereinigung. Aber auch der Verband bernischer Gemeinden, der Lehrerverband «Bildung Bern» und die Berner KMU erhalten die Unterlagen, nicht aber die bernischen Parteien.

Diese würden nicht angehört, weil es in der Kompetenz der Erziehungsdirektion liege, wie die Schülerbeurteilung geregelt werde: Das sagte Erwin Sommer, Vorsteher des kantonalen Amts für Kindergarten, Volksschule und Beratung, am Rand der Medienkonferenz. Seine Direktion führe die Konsultation freiwillig durch. Dies mit dem Ziel einer möglichst guten Abstützung der neuen Regeln.

Ende dieses Jahres will Regierungsrat Pulver entschieden haben, wie die künftige Schülerbeurteilung aussieht. Er will damit den bernischen Schulen genügend Zeit geben, um sich auf die Einführung des Lehrplans 21 vorzubereiten. Die Erziehungsdirektion hat die Vorschläge verabschiedet, nachdem sie rund 2000 Lehrpersonen anhörte.

«Bildung Bern», der frühere Verband der Lehrerinnen und Lehrer Bern (LEBE), teilte am Freitag in einer Medienmitteilung mit, er begrüsse die Reduktion und Verschlankung der Zeugnisse.

Initiative gegen Lehrplan hängig

Der Lehrplan 21 ist im November 2015 von der Erziehungsdirektorenkonferenz der Deutschschweiz den Mitgliederkantonen zur Einführung freigegeben worden. Er geht auf eine eidgenössische Abstimmung von 2006 zur Harmonisierung der Schulen zurück.

Der Lehrplan umfasst 470 Seiten und beschreibt 363 Kompetenzen, welche sich die Schüler aneignen sollen.

Noch ist allerdings im Kanton Bern nicht sicher, ob der Lehrplan 21 zumindest langfristig Bestand hält: Ein Komitee aus Eltern und Lehrpersonen hat dagegen eine Volksinitiative lanciert. Es kritisiert den Lehrplan 21 als zu konstruktivistisch. Darunter versteht man, dass die Schüler ihre Lernprozesse weitgehend selber steuern können.

Bis Mitte Juli hat das Komitee Zeit, die fürs Zustandekommen der Initiative nötigen 15'000 Unterschriften zu sammeln. Komiteemitglied Rahel Gafner sagte am Freitag auf Anfrage, das Komitee rechne damit, die Initiative einreichen zu können.

SDA/sih

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