Lehrplan 21: Pulver fordert mehr Lektionen

Damit der neue Lehrplan in der Schule gut ankommt, braucht es genug Zeit, eine angemessene Weiterbildung und mehr Lektionen. Das ist zentral für Erziehungsdirektor Bernhard Pulver.

Im Schulzimmer stellt Erziehungsdirektor Bernhard Pulver Zeitplan und Rahmenbedingungen für die Einführung des Lehrplans 21 vor.

Im Schulzimmer stellt Erziehungsdirektor Bernhard Pulver Zeitplan und Rahmenbedingungen für die Einführung des Lehrplans 21 vor.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Aebischer@cab1ane

Ab August 2018 gilt für alle Erst- bis Siebtklässler der neue Lehrplan. Bis 2022 soll die Umstellung abgeschlossen sein. «Dieser Prozess ist nicht eine Riesenveränderung, er ist aber auch nicht zu unterschätzen», sagte gestern Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) in einem Schulzimmer der Primarschule Buchsee in Köniz. Entscheidend sei genügend Zeit, damit sich die Lehrpersonen weiterbilden und die noch benötigten Lehrmittel und Beurteilungshilfen fertiggestellt werden könnten.

Bis 30 Millionen zusätzlich

Zentral ist für Pulver ein Aufstocken der Lektionen: «Es braucht vor allem mehr Mathematik- und Deutschlektionen», sagte er. Dort liege Bern gegenüber anderen Kantonen deutlich zurück. «Wir können von unserer Schule nicht erwarten, dass sie mit weniger Ressourcen dasselbe tut wie andere.» Was dies genau kostet, kann er noch nicht sagen. Vor drei Wochen bezifferte er den Betrag auf jährlich maximal 30 Millionen Franken. Bis im Sommer soll die Lektionentafel und damit genaue Zahlen vorliegen. Der Grosse Rat wird im Herbst darüber befinden.

Pulver will den definitiven Entscheid zur Einführung des Lehrplans danach fällen. Sollte das Parlament knausern, fände er einen Verzicht auf den Lehrplan besser. In einer ersten Umfrage bei den Fraktionen erntet Pulver aber grundsätzlich Wohlwollen (siehe Box). Für SVP-Fraktionschef Peter Brand zählt jedoch, dass die Mittel tatsächlich in den Schulzimmern ankommen.

Wirbel in anderen Kantonen

Der Lehrplan 21, der Anfang November von den beteiligten Erziehungsdirektoren zur Einführung freigegeben worden ist, stösst bei den Berner Lehrpersonen auf Anklang. Diesen Eindruck gewann Pulver an von insgesamt 2000 Lehrerinnen und Lehrern besuchten Veranstaltungen. Die Verschiebung des Gewichts weg von Lernzielen hin zu Kompetenzen führte nicht zu den Kontroversen wie in anderen Kantonen. In­Baselland, Zürich, Schwyz, Aargau oder St.Gallen wollen Gegner das Projekt mit Volksinitiativen stoppen. Eine Rolle für die gelassene Stimmung in Bern dürfte der heutige Berner Lehrplan spielen, der bereits in Ansätzen auf Kompetenzen setzt. Pulver fasste die Neuerung so zusammen: Schüler sollen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten auch anwenden können. Für Mey Ludwig, in deren Schulzimmer Pulver zu Gast war, tönt das plausibel. Sie und ihre Kollegin unterrichten die Kinder der Basisstufe heute schon so. Dass es auch skeptische Stimmen gibt, verhehlte sie nicht: «Das hängt auch ein wenig davon ab, wo jemand persönlich steht», sagte sie.

Auf Bedingungen kommt es an Franziska Zahnd vom Verband Lehrerinnen und Lehrer Bern sieht den Lehrplan als Chance. Allerdings sei die Beurteilung von Kompetenzen noch eine «Riesenbaustelle». Dort erwartet sie von der Erziehungsdirektion die angekündigte Unterstützung. Zudem sind für Zahnd die finanziellen Ressourcen matchentscheidend: «Wenn der Grosse Rat diese nicht spricht, sollte man den Lehrplan auch nicht einführen.»

Bei der Weiterbildung will die Erziehungsdirektion dem Parlament zusätzlich 3 Millionen Franken beantragen, wie gestern Erwin Sommer, Leiter des Amts für Kindergarten, Volksschule und Beratung, bekannt gab. Die Einführung beginnt mit obligatorischen Veranstaltungen für die Schulleitungen und für die Lehrpersonen. Wie viel an spezifischer Weiterbildung nötig ist, sollen hingegen zu weiten Teilen die Schulleiterinnen und Schulleiter entscheiden. Der Kanton stelle in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Bern Angebote und Ressourcen bereit.

Erziehungsdirektor Pulver erwähnte gestern drei Argumente, die den Lehrplan 21 auch für den Kanton Bern zu einem Gewinn machten: Erstens liessen sich die Entwicklungskosten für Lehrmittel besser verteilen, zweitens werde damit die Koordination mit der Sekundarstufe II (Gymnasien, Berufslehre) einfacher, drittens erleichtere es Familien das Zügeln von einem Kanton in den anderen.

Berner Zeitung

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