Lehrmittel, selbst gemacht

Lea von Ballmoos und Marc Ruf unterrichten unter anderem Französisch. Dabei kommt ein Lehrmittel zum Einsatz, das die beiden kurzerhand selber konzipiert und gestaltet haben: «Les bonnes bêtises».

Vergnügliches Lernen möchten Lea von Ballmoos und Marco Ruf mit ihrem Französischbuch fördern.

Vergnügliches Lernen möchten Lea von Ballmoos und Marco Ruf mit ihrem Französischbuch fördern.

(Bild: Beat Mathys)

Lea von Ballmoos und Marc Ruf haben eine Dummheit gemacht. «Une bêtise», wie man auf Französisch sagt. «Les bonnes bêtises» heisst das Französischbuch, das die 26-jährige Lehrerin und der 52-jährige Lehrer konzipiert, getextet und gezeichnet haben. «Guter Schabernack», so übersetzen die beiden den Titel ihres Lehrmittels selber.

Aber: Wie kommt man bloss auf die Idee, in seiner Freizeit ein Französischbuch zu schreiben? Beide über­legen und können gar nicht mehr so genau sagen, wann aus einer lustigen Idee ein ziemlich ar­beitsintensives Projekt geworden ist. «Es hat sich einfach so ergeben», sagt Lea von Ballmoos.

Begonnen hat alles damit, dass die Lehrerin bei ihrem älteren Berufskollegen ein Praktikum absolvierte. Die zwei unterrichteten gemeinsam – unter anderem Französisch. Rasch stellten sie fest, dass ihre Vorstellung von sinnvollen und erfolgreichen Sprachlektionen recht ähnlich war. Das Spielerische und der Spass sollten beim Lernen nicht zu kurz kommen. Ein Ansatz, der auch mit den offiziellen Französischlehrmitteln «Mille feuilles» (Unterstufe) und «Clin d’œil» (Oberstufe) verfolgt wird.

Von Ballmoos und Ruf betonen denn auch, dass ihr Buch keinesfalls als Konkurrenzprodukt gedacht sei. «Es ist eine Ergänzung, eine Ideensammlung», sagt Marc Ruf. Zusammengetragen wurden die Ideen beim gemeinsamen Unterrichten. Einmal brachte Lea von Ballmoos etwas ein, einmal ihr Kollege. «Plötzlich hatten wir so viele Übungen, Spiele oder Rezepte gesammelt, dass wir fanden: Daraus könnten wir ja ein Buch machen.»

Im Praxistest

Und nun befindet sich «Les bonnes bêtises» bereits im Praxistest. In einem «Fäger»-Kurs bieten von Ballmoos und Ruf in dieser Sommerferienwoche Spiel und Spass mit Sprache an – und wollen gleichzeitig herausfinden, wie sich ihr Lehrmittel bewährt. «Wir hätten natürlich auch nichts dagegen, wenn Eltern oder andere Lehrpersonen unser Buch kaufen würden», sagt Lea von Ballmoos und lacht.

Wirtschaftlich werde das Projekt aber wohl kaum rentieren, ergänzt ihr Kollege. «Wir haben unzählige Stunden dafür gearbeitet, die nie abgegolten sein werden.» Das sei aber auch nicht das Ziel gewesen. «Es hat einfach Spass gemacht.» Das sieht man dem Buch an: Es ist von A bis Z handgeschrieben, selber gezeichnet und geheftet. Erhältlich ist es nicht im Laden, sondern nur direkt bei den beiden Autoren.

Ein Frankreich-Fan

Lea von Ballmoos würde sich vor allem darüber freuen, wenn dank den «Bêtises» bei einigen Schülerinnen und Schülern das Interesse für die französische Sprache und das Land geweckt würde. «Verglichen mit Englisch hat Französisch einen extrem schweren Stand bei Schülerinnen und Schülern.» Selber ist sie ein grosser Fan Frankreichs und seiner Kultur. Auch die dortige Küche hat es ihr angetan. Mit ihren Klassen hat Lea von Ballmoos deshalb auch schon französische Rezepte nachgekocht, die sich ebenfalls im Buch befinden.

Von Ballmoos unterrichtet eine Oberstufenklasse im Wasen, Ruf Mittelstufe in Zollikofen. Beide arbeiten mit den offiziellen Französischlehrmitteln, die immer wieder in der Kritik stehen. «Nicht nur schlecht», findet Lea von Ballmoos «Mille feuilles» und «Clin d’œil». Der Wortschatz ist aus ihrer Sicht zu weit weg vom Alltäglichen. «Die Schüler lernen zum Beispiel das Wort Fledermaus, können aber kein Gipfeli bestellen.»

Ihr Kollege betont, dass er immer versucht habe, offen für das neue Lehrmittel zu sein. «Es geht ja nicht, dass wir Lehrer und Lehrerinnen von vornherein sagen, das neue Lehrmittel sei sowieso nicht gut.» In der praktischen Anwendung findet Ruf das offizielle Lehrmittel allzu anspruchsvoll. In seiner Klasse gibt es Schülerinnen und Schüler, die noch am Deutschlernen sind. «Für sie sind die französischen Originaltexte oft zu schwierig.» Wenn man gar nichts verstehe, hänge man irgendwann einfach ab. Diese Erfahrung hat Lehrer Ruf gemacht, der selber mehrsprachig ist: Englisch ist seine Muttersprache, Deutsch lernte er als Zehnjähriger, Französisch unterrichtet er.

«Sprachen sind der Schlüssel zur Welt und zu anderen Kul­turen», sagt er. Auch das möchten er und seine Kollegin in ihrem Französischbuch vermitteln. Die nächsten «Dummheiten» sind übrigens schon vollbracht oder geplant: Lea von Ballmoos und Marc Ruf haben eine Serie mit Sommerpostkarten gezeichnet, auf die Adventszeit erscheinen Geschichten in der Tradition der Pixi-Büchlein.

Berner Zeitung

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