Köpfli auf der Pirsch

Nach Einbruch der Dunkelheit und bei Kälte Rehe, Hasen und Wildschweine zählen: Der Jobwechsel von GLP-Regierungsratskandidat Michael Köpfli ging an die Substanz. Spass gemacht hat es ihm trotzdem – oder gerade deshalb.

Der GLP-Regierungsratskandidat Michael Köpfli geht mit dem Wildhüter auf Pirsch.
Video: Florine Schönmann

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Er ist bestens ausgerüstet: Der Feldstecher liegt neben ihm auf dem Autositz, das Schuhwerk ist auf den Arbeitseinsatz im Wald ausgerichtet. Den Blick hat er konzentriert aufs offene Feld gerichtet, damit ihm kein Reh oder Feldhase entgeht. Für einen Abend ist Michael Köpfli Wildhüter. Der Berner GLP-Grossrat ist sehr engagiert bei der Sache. «Rechts, ein Hase», gibt er zu Protokoll. Wildhüter Hans-Ulrich Haussener auf dem Vordersitz bestätigt die Sichtung und trägt sie sogleich auf seinem Tablet in eine Karte ein. Der ebenfalls mitfahrende kantonale Jagdinspektor Niklaus Blatter hält gleichfalls Ausschau nach Wild.

Tschugg im Seeland, Dienstagabend, 20 Uhr. Hans-Ulrich Haussener lädt zur Wildzählung. Grund für den Arbeitseinsatz ist Michael Köpflis Regierungsratskandidatur. Für den Jobwechsel dieser Zeitung musste er für wenige Stunden in einen der zahlreichen Berufe der sieben kantonalen Direktionen eintauchen. Er entschied sich für die Wildhut, «weil ich sehr gerne draussen in der Natur bin und der Vater meiner Partnerin Jäger ist». Zudem liege ihm als Ökonomen die Volkswirtschaftsdirektion nahe, genauso wie die Finanzdirektion.

Die Wildzählung ist alles andere als ein Klacks. Genau genommen geht sie mit der Zeit direkt in den Nacken. Man sitzt zwar bequem im Auto und bewegt sich im Schritttempo. Während der rund zweistündigen Fahrt sind jedoch die Fenster geöffnet – bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die beiden Passagiere auf der Rückbank halten jeweils auf ihrer Seite einen mobilen Scheinwerfer im 90-Grad-Winkel aus dem Fenster und beleuchten den Waldrand oder das offene Feld. Köpfli lässt sich die Kälte oder allfällige den Verrenkungen geschuldete Beschwerden nicht anmerken. Der Ehrgeiz, wilde Tiere zu erspähen, ist grösser.

Und diese gibt es an diesem Abend im Seeland gleich reihenweise zu sehen: 13 Rehe, 25 Wildschweine, 29 Feldhasen, 1 Schleiereule, 1 Fuchs, so die Bilanz. Besonders beeindruckt zeigt sich Köpfli von einer Rotte Wildschweine, die sich in der Nähe des Waldrandes aufhält. Zuerst springt ein einziges Exemplar vor den Scheinwerfer, dann noch eines und noch eines. 14 Stück sind es an dieser Stelle insgesamt. «Das habe ich so vorher noch nie gesehen, das war schön», so der 34-Jährige.

Ursache für die Wildzählungen im Kanton Bern ist die Ge­schichte des Feldhasen. In den 80er-Jahren ging die Population derart stark zurück, dass damals die Vogelwarte Sempach die Feldhasenzählung ins Leben rief. Heute führt die Wildhut das Projekt fort, wobei stets sämtliche gesichtete Wildarten erhoben werden. Mittlerweile hat sich der Hasenbestand etwas erholt. Als gute Population gilt, wenn auf 100 Hektaren zehn Exemplare leben. Im Kanton Bern sind es vielerorts deutlich weniger, das Seeland erreicht diesen Wert jedoch fast. An jenem Dienstagabend jedenfalls hat Michael Köpfli alle Hände voll zu tun mit Zählen. Und die Arbeit macht ihm sichtlich Spass: «Ich sitze bei der Arbeit genug im Büro», sagt der Generalsekretär der GLP Schweiz. «Da tut mir die Abwechslung gut.»

Danach kann er sich mit einem Glas Rotwein in der warmen Stube des Wildhüters erholen – und wohlgenährt in die heisse Phase des Regierungsratswahlkampfs starten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.02.2018, 12:13 Uhr

Jobwechsel Teil 8

Raus an die Front, in eine andere Rolle schlüpfen. Mit dem Zivilschutz die Lauberhornstrecke in Schuss bringen, mit der Spitex auf Pflegetour gehen, auf der Baustelle eine Schwarzarbeitskontrolle durchführen: Das ist die Idee hinter der Serie «Jobwechsel» dieser Zeitung.

Die zehn Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten der etablierten Parteien durften sich je einen Beruf aus einer der sieben kantonalen ­Direktionen aussuchen und für einige Stunden ausüben.

Sie mussten sich bei der Auswahl entweder auf ihre heutige Direktion beschränken oder auf jene, die ihre Vorgänger heute führen. Ganz frei wählen durften einzig die beiden Vertreter der Nichtregierungsparteien GLP und EVP. phm

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