Kleine politische Farbenlehre

Die Schmuckfarbe auf den Regierungswahlplakaten der Bürgerlichen ist Violett, diejenige des rot-grünen Lagers ist Pink. Sind die eigentlich farbenblind?

Pink weist nach links, violett nach rechts.

Pink weist nach links, violett nach rechts. Bild: Susanne Keller

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Unter den politischen Parteien sind die Farben klar verteilt. Die Bürgerlichen sind ferienblau (FDP), wiesengrün (SVP) und maisgelb (BDP). Die Linken pepperonirot (SP) und lindgrün (Grüne). Auf den Wahlplakaten aber, mit denen die Parteilager derzeit ihre Kandidatinnen und Kandidaten für den Regierungsrat promoten, sind die Parteifarben durcheinandergeraten. Das bürgerliche Powerquartett ist mit violetter Schmuckfarbe umrahmt, das der Linken erhält einen pink An­strich.

Denkbar ist, dass die beiden Blöcke dem überparteilichen Frieden zuliebe die Einzelfarben ihrer Parteien gemischt haben. Allerdings ergibt Rot plus Grün nicht Pink, sondern Gelb. Und das ist bürgerlich besetzt (BDP). Pink seinerseits ist zwar eine Kombination von Rot, aber ausgerechnet mit Violett. Ins linke Pink hätte sich also die bürger­liche Zierfarbe eingeschlichen. Auch im bürgerlichen Lager führt die Mischtheorie nicht weiter. Denn Violett ist ein Verschnitt von Blau und Rot. Die Roten aber scheut man im bürgerlichen Lager bekanntlich wie der Teufel das Weihwasser.

Apropos Weihwasser: Eine kirchliche Lesart löst womöglich das Problem. Violett ist nämlich in der katholischen Kirche eine Liturgiefarbe. Es versinnbildlicht den Übergang und die Verwandlung. In der Buss- und Fastenzeit vor Ostern sind Kirchen und kirchliche Gewänder violett gehalten, auch um auf Jesu’ Übergang zu den Toten und in den Himmel zu verweisen. Da die Berner Kantonswahlen nur eine Woche vor Ostern stattfinden, beweist das bürgerliche Lager also mit seiner Schmuckfarbwahl Sinn für Timing. Allerdings: Für katholische Farben ist der reformierte Kanton Bern doch eher blind. Bitter erfahren muss das ja auch die katholische (und orange) CVP, die im Bernbiet auf keinen grünen Zweig kommt.

Die Wahl von Violett und Pink bleibt also rätselhaft. Sie ist überdies riskant. Denn im Wahlmaterial, das man eben per Post zugeschickt erhalten hat, ist das linke Pink wohl aus drucktechnischen Gründen derart abgedunkelt, dass man es kaum mehr vom bürgerlichen Violett unterscheiden kann. Symbolisch zu Ende gedacht, würde das bedeuten: Links und rechts sind im Kanton Bern Hans was Heiri und austauschbar. Das aber kann nicht im Ernst die Ansicht der beiden Wahlkampflager sein. Vielleicht hätten sie unterschiedlichere Farben wählen müssen.

Da Spekulationen nicht weiterführen, fragt man besser bei den Parteien nach. Die Erklärung von Ursula Marti, Kantonalpräsidentin der SP, ist verblüffend einfach: «Rot und Grün sind von unseren beiden jeweiligen Parteien besetzt, also musste es eine andere, dritte Farbe sein.» Warum dann Pink? «Weil es die Farbe der Gleichstellung ist», erklärt Marti geduldig. Was haben die Frauen letzte Woche am Weltfrauentag gestrickt? Pink Mützen. Alles klar.

Auch im bürgerlichen Lager erfolgte die Farbwahl laut Aliki Panayides, Geschäftsführerin der Berner SVP, nach dem Ausschlussprinzip. Grün, Blau und Gelb waren besetzt. Erst sei man im Gespräch unter den drei bürgerlichen Parteien allerdings ­ratlos gewesen, welche übergreifende Farbe man wählen solle. Aliki Panayides lässt jetzt die Katze aus dem Sack: Ausschlaggebend sei dann schliesslich die violette Farbe ihres Foulards gewesen. «Wissen Sie», erklärt Panayides ihre Vorliebe, «ich bin eher ein Wintertyp, zu dem kalte Farben wie Violett passen.» Was lehrt das alle jene, die über kein so differenziertes, weibliches Farbempfinden verfügen? Dass im bürgerlichen Lager eindeutig die SVP den (Farb-)Tonangibt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2018, 13:51 Uhr

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