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«Keiner möchte, dass man ihn hasst»

Brigitte Lamberty, Jugendgerichtspräsidentin im Kreis Biel-Seeland, sprach vor den Bernischen Landfrauen nicht schlecht über die «heutige Jugend». Vor allem aber lobte sie die korrigierenden Möglichkeiten der Justiz.

Die Berner Landfrauen machen sich Gedanken über gewalttätige Jugendliche. An ihrer Delegiertenversammlung in Wyssachen wollten sie von der Seeländer Jugendgerichtspräsidentin Brigitte Lamberty hören, wie sie die «heutige Jugend» erlebe. Die Richterin machte aber zu Beginn ihres Referates klar, dass sie weder über die «allerschlimmsten» Jugendlichen reden, noch auf die «ein bis zwei Fälle im Kanton» eingehen würde, um die sich in der öffentlichen Diskussion jeweils alles drehe.

Der Durchschnittsfall

Lieber lenkte sie den Blick auf das, «was die Jugendrechtspflege leisten kann». Brigitte Lamberty sprach von den «durchschnittlichen Delinquenten». Von jenen beispielsweise, die bei einem Ladendiebstahl oder beim Einbruch in einer Waldhütte von der Polizei geschnappt und nun der Jugendrichterin vorgeführt wurden. Manchmal sei der Fall rasch geklärt. Dann könne sie gleich ein Urteil sprechen. Oft müssten die Täter zur Strafe eine gemeinnützige Arbeit leisten.

Ganzes Umfeld beleuchten

Aber nicht selten stösst Brigitte Lamberty bei ihren Befragungen, die immer in Anwesenheit der gesetzlichen Vertreter stattfinden, auf Probleme. Dann zieht sie den Sozialdienst hinzu. Dieser befragt nun auch Lehrer, Lehrmeister und Hausärzte, und erstellt einen Bericht, auf Grund dessen die Richterin entscheidet, ob nebst der Bestrafung «Massnahmen» angezeigt sind. So kann sie etwa Beistände ernennen oder den Jugendlichen in ein Heim einweisen. «Wenn alle am gleichen Strick ziehen, finden wir auch für schwierige Jugendliche eine Lösung», betonte die Richterin. Meistens seien die betroffenen Eltern sogar dankbar, für die Unterstützung durch das Jugendgericht «– jedenfalls in der zweiten Phase», fügte Lamberty schmunzelnd hinzu. «In der ersten Phase sehen sie in ihrem Sohn bloss den Mitläufer.»

Und die Mädchen?

Einer Zuhörerin unter den Landfrauen fiel auf, dass die Richterin nur von männlichen Delinquenten gesprochen hatte. Mit Mädchen habe sie praktisch nicht zu tun, antwortete diese. «Mädchen vernichten sich selber», sie flüchteten in Drogen, Prostitution oder Magersucht. Knaben hingegen schlügen Scheiben ein oder prügelten sich, wenn es ihnen schlecht gehe.

«Allianzen knacken»

«Ich habe noch keinen Delinquenten gesehen, der ein Verbrecher sein will und möchte, dass man ihn hasst», fasste die Referentin ihre 20jährige Berufserfahrung zusammen und betonte: Wenn man sie aus ihrem ungesunden Umfeld herausnehme und mit Hilfe von Sozialpädagogen eng führe, «findet man ihre Ressourcen wieder», sagte Brigitte Lamberty und lobte die Möglichkeiten, die der Justiz zur Verfügung stünden. Wichtig sei einfach, «unheilige Allianzen» im Umfeld des jugendlichen Delinquenten «knacken» zu können. Die Jugendgerichtspräsidentin wünschte sich deshalb, ein paar Polizisten zur Seite, die «ein Flair» hätten für den Umgang mit Jugendlichen, und die enger mit der Jugendrechtspflege zusammenarbeiten könnten.

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