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Keine Stromlücke ohne Mühleberg

Mühleberg-Gegner fordern die sofortige Stilllegung des Atomkraftwerks. Die Lichter würden im Kanton Bern deshalb nicht gleich ausgehen: Die BKW als Betreiberin könnte den fehlenden Strom im Ausland einkaufen. Der Preis für die Kunden dürfte aber steigen.

Der Idealzustand im AKW Mühleberg: Die abgebrannten Brennstäbe werden während Jahren im Wasserbad gelagert, metertief unter der Wasseroberfläche.
Der Idealzustand im AKW Mühleberg: Die abgebrannten Brennstäbe werden während Jahren im Wasserbad gelagert, metertief unter der Wasseroberfläche.
Beat Mathys

Vor einer Preiserhöhung hatte BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche in Zeitungsinterviews gewarnt. Wie hoch diese ausfallen würde, konnte BKW-Sprecher Antonio Sommavilla auf Anfrage der SDA nicht sagen.

Der Preis sei aber nicht das einzige Problem, betonte er. Für den Import brauche es Leitungskapazitäten, zudem gebe es beim Transport über lange Distanzen beträchtliche Übertragungsverluste. Die BKW bemühe sich darum, den Strom möglichst nahe bei den Kunden zu produzieren.

Ein Drittel fehlt

Steht Mühleberg still, verliert die BKW auf einen Schlag rund einen Drittel ihrer Produktionskapazität. Das Energieunternehmen verkauft in der Schweiz über 8000 Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr. Knapp 3000 davon werden in Mühleberg hergestellt. Insbesondere im Kanton Bern und im Jura würden mit dem AKW Mühleberg 35 bis 40 Prozent der Elektrizität fehlen.

Dass die BKW keine Schwierigkeiten haben dürfte, diesen Ausfall mit Importen zu decken, zeigt der Geschäftsbericht 2010 der BKW: Insgesamt erzeugt und gehandelt hat das Unternehmen im letzten Jahr nämlich 26'700 GWh - nur ein Drittel davon in der Schweiz.

«Stromschwemme» in Europa

An der gesamten Schweizer Stromproduktion hat das AKW Mühleberg einen Anteil von 4,5 Prozent. Mit rund 64'000 wird in der Schweiz insgesamt sogar zu viel Strom hergestellt, was sich in einem Exportüberschuss von knapp 2200 GWh im letzten Jahr niederschlagt. Das sind über zwei Drittel der Produktion von Mühleberg.

Auch wenn in Zeiten mit hohem Verbrauch Strom eingeführt werden müsste, wäre dies nach Einschätzung von Fachleuten kein Problem. «In Europa gibt es im Moment eine Stromschwemme», sagte etwa der Energieexperte Hanspeter Guggenbühl auf Anfrage. Während einem oder zwei Jahren könnte der Ausfall von Mühleberg nach seiner Einschätzung mit ausländischem Strom kompensiert werden.

Speichern statt verkaufen

Bernhard Piller von der Energie-Stiftung Schweiz ist überzeugt, dass dies oft gar nicht nötig wäre. Würde der in Pumpspeicherwerken gewonnene Strom nicht teuer ins Ausland verkauft, sondern bei Bedarf für den Verbrauch im Inland produziert, könnte vielen Fällen auf Importe verzichtet werden, sagte er.

Aber auch Piller zweifelt nicht daran, dass die Produktion von Mühleberg während einer gewissen Zeit durch ausländischen Strom ersetzt werden könnte. Schon heute würden jährlich über 50'000 GWh importiert, sagte er. Zudem verfügen die Schweizer Energieunternehmen nach Angaben der Energie-Stiftung im Ausland über Produktionskapazitäten in ähnlicher Grössenordnung.

(SDA)

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