Keine freie Fahrt mehr im Oberland?

Auch im elektronischen Zeitalter faszinieren rauchende und stampfende Dampfbahnen noch. Das ist im Oberland nicht anders. Jetzt scheinen neue Vorschriften das Freizeitvergnügen zu trüben.

Die Fahrten mit Dampfloks im Oberland sind gefährdet.

Die Fahrten mit Dampfloks im Oberland sind gefährdet.

(Bild: Fotolia)

Historische Fahrzeuge verkehren in der Schweiz meistens auf Strecken, auf denen auch der immer dichter werdende, normale Bahnverkehr abgewickelt wird. Sie besitzen meist keine aktuellen Zugbeeinflussungseinrichtungen. Unter Letzterem versteht man technische Anlagen und Systeme bei Eisenbahnen, welche die Fahrt von Zügen in Abhängigkeit von der zulässigen Geschwindigkeit kontrollieren. Ist die Fahrt nicht zugelassen oder fährt ein Zug zu schnell, so wird er durch dieses System gebremst.

Um die Sicherheit des Bahnverkehrs auch bei weiter zunehmender Zugsdichte zu gewährleisten, will das Bundesamt für Verkehr (BAV) bei Fahrten ohne Zugbeeinflussungseinrichtungen restriktiver vorgehen. Grundsätzlich müssen auch historische Fahrzeuge mit jener Zugbeeinflussungsausrüstung ausgestattet sein, welche der zu befahrenden Strecken entspricht.

Was das Amt vorschreibt

In bisher geltenden Ausnahmebewilligungen schreibt das BAV Folgendes vor: Bei Dampflokomotiven mit Zweimannbedienung kann auf die automatische Zugbeeinflussung verzichtet werden. Dann muss aber der Heizer genauso streckenkundig sein wie der Lokführer, damit er beim Nichtbeachten von Signalen sofort eingreifen kann.

Da historische Fahrzeuge auch keine Türüberwachungen aufweisen, sind zudem ausgebildete Zugbegleiter vorgeschrieben.

Bis 100'000 Franken teuer

Auf Ende dieses Monats verschärft das BAV die Zulassungsvorschriften, wonach auch Dampfloks für freizügige Fahrten auf dem Normalspurnetz mit zwar minimalen, aber bis 100'000 Franken teuren Zugbeeinflussungseinrichtungen ausgerüstet werden müssen. Nach einer Sicherheitsanalyse durch die Thuner Firma Enotrac verhandeln das BAV und der Verband historischer Eisenbahnen der Schweiz (Hech), unter welchen Bedingungen ausnahmsweise einzelne Fahrten trotz fehlender Zugbeeinflussungseinrichtungen durchgeführt werden können. Der angedachte Weg ist für das BAV aus heutiger Sicht für einzelne Fahrten gangbar. Obwohl die Zeit knapp wird, sind die Abklärungen noch nicht vollständig abgeschlossen. Was unter anderen den Verein Pacific verunsichert, der mit seiner in Lyss stationierten Schnellzugdampflok 01 202 öfters im Oberland unterwegs ist.

Das sagt die BLS

Für BLS-Mediensprecher Michael Blum ist klar: «Ab dem 1.August dürfen auf dem Streckennetz der BLS nur noch Loks mit einer Zugsicherung oder mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Verkehr verkehren.»

Die Zuständigkeiten

Für das Erteilen der Betriebsbewilligung für Bahnfahrzeuge ist laut dem Schweizer Eisenbahngesetz das Bundesamt für Verkehr zuständig. Dazu gehören auch historische Fahrzeuge wie Dampflokomotiven, die älter als 30 Jahre sind.

Das Bundesamt im Departement von Bundesrätin Doris Leuthard kann in Einzelfällen Abweichungen von den geltenden Vorschriften bewilligen. Dies aber nur, wenn der Gesuchsteller nachweist, dass der gleiche Grad an Sicherheit gewährleistet ist. Oder in jedem Fall kein inakzeptables Risiko entsteht.

Ungewissheit bleibt

Die neuen Bestimmungen könnten für die Betreiber von Dampflokomotiven unterschiedliche Konsequenzen haben. Welche genau, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen, wie eine Umfrage bei den Bahnunternehmen und den Verantwortlichen der Ballenberg-Dampfbahn ergeben hat.

Berner Zeitung

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