Das Tiefenauspital ist überflüssig

Ein Kommentar Sandra Rutschi, Redaktorin Ressort Kanton Bern zum Entscheid der Insel gegen einen Neubau des Tiefenauspitals.

Sandra Rutschi

Die Abkehr vom Bau eines neuen Stadtspitals zeigt: Die Fusion von Insel und Spital Netz Bern zur Insel-Gruppe verliert zunehmend ihren wichtigsten Pfeiler, das abgestufte Versorgungsmodell. Nach diesem würden einfache Fälle in den Landspitälern, komplexere im Tiefenauspital und die anspruchsvollen im Inselspital behandelt.

So sollte gewährleistet werden, dass das Unispital die kleineren Häuser nicht auffrisst.Dass dies eine Utopie ist, zeichnete sich ab. Tendenziell wurden seit der Fusion vermehrt einfachere Fälle am Inselspital behandelt. Dieser Trend dürfte sich jetzt verschärfen. Das ist aus Sicht der Steuer- und Prämienzahler stossend. Denn dieselbe Behandlung ist in der Insel teurer als in den anderen Häusern.

Für das Tiefenauspital bedeutet die Abkehr vom Neubau einen Abschied auf Raten. Das mag für das dort beschäftigte Personal happig sein. Aus versorgungstechnischer Sicht jedoch ist dieses Spital überflüssig. Im Raum Bern herrscht ein Überangebot in der Spitalversorgung. Es wäre besser, jetzt neue Lösungen zu suchen, anstatt das Tiefenau künstlich am Leben zu erhalten.

Damit nicht noch mehr einfache Fälle im Inselspital behandelt werden, sollte die Gruppe stärker mit Privaten zusammenarbeiten. Bei der Herzchirurgie ist dies bereits der Fall mit der Hirslanden-Gruppe. Diese Verbindung ist für die Insel attraktiv, weil Hirslanden schweizweit tätig ist. Eine Kooperation bei halbkomplexen Fällen mit dem zweiten privaten Player, der Lindenhofgruppe, könnte auch Vorteile bringen – wenn die Gruppe im Gegenzug zum Beispiel bei der Ausbildung von Ärzten mehr in die Pflicht genommen werden kann. Hier liegt es in der Hand der Kantonspolitik, das Steuer zu übernehmen.sandra.rutschi

Berner Zeitung

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