Kein Gefängnis im früheren Jugendheim

Prêles

Im ehe­maligen Jugendheim Prêles im Berner Jura wird keine Justizvollzugsanstalt ein­gerichtet. Das Gelände war im Gespräch als Ersatzstandort für die veraltete JVA Thorberg.

Kürzlich für viel Geld saniert, jetzt mit ungewisser Zukunft: Einige Gebäudeteile des ehemaligen Jugendheims in Prêles stehen leer.<p class='credit'>(Bild: Enrique Muñoz Garcia)</p>

Kürzlich für viel Geld saniert, jetzt mit ungewisser Zukunft: Einige Gebäudeteile des ehemaligen Jugendheims in Prêles stehen leer.

(Bild: Enrique Muñoz Garcia)

Philippe Müller

Viel war seit Herbst 2016 darüber spekuliert worden, wie das ehemalige Jugendheim auf dem Plateau de Diesse in Prêles im Berner Jura wohl künftig genutzt würde. Damals schloss das Heim wegen ungenügender Auslastung. Die Schliessung lief nicht ohne Nebengeräusche ab. Im Grossen Rat war etwa von ungenügender Planung und massiven Fehlern die Rede.

Denn das Jugendheim war erst wenige Jahre zuvor auf Staatskosten für 38 Millionen Franken saniert worden. Zwar hatte sich der Bund mit einem namhaften Betrag be­teiligt. Später musste der Regierungsrat dem Bundesamt für Justiz jedoch 7,6 Millionen Franken zurückzahlen, weil der Bund den Standort Prêles nicht länger als beitragsberechtigte Einrichtung klassifizierte.

Als erste Möglichkeit zur Umnutzung stand die Schaffung eines Ausschaffungsgefängnisses zur Debatte. Anfang dieses Jahres wurde Prêles plötzlich als möglicher Standort für eine Justizvollzugsanstalt (JVA) ins Spiel gebracht. Dies, weil etwa die JVA Thorberg veraltet ist, unter Platzmangel leidet und laut dem kantonalen Amt für Justizvollzug dereinst ersetzt werden muss.

Zentrum für Abgewiesene

Seit Donnerstag ist klar: Auch diese Idee ist vom Tisch. Was der Kanton nun auf dem Areal des ehe­maligen Jugendheims vorhat, kommt den ersten Plänen am nächsten: Er eröffnet dort ein Rückkehrzentrum für 350 bis 450 abgewiesene Asylsuchende, die in ihr Heimatland zurück­kehren müssen.

Die Inbetriebnahme ist für den 1. März 2019 vorgesehen. Laut Amt für Migration und Personenstand (MIP) sollten dem Kanton Bern für die Umnutzung kaum Kosten entstehen. Dies, weil die vorhandenen Strukturen den Anforderungen an ein Rückkehrzentrum genügten.

Die Polizei- und Militärdirektion (POM) hat die umliegenden Gemeinden in zwei Gesprächen über die Pläne informiert. «Ge­gebenenfalls findet vor der Er­öffnung im Frühjahr 2019 wie bei allen anderen Asylzentren des Kantons eine weitere umfassende Information der Bevölkerung statt», schreibt die POM in einer Mitteilung.

Nur Nothilfe

Vorgesehen sei, dass die abge­wiesenen Asylsuchenden «rasch und selbstständig» ausreisten, hält die POM fest. Sie haben nur Anrecht auf Nothilfe. Dazu ge­hören in erster Linie Unterkunft und Verpflegung. Ob zusätzlich eine finanzielle Unterstützung ausgerichtet werde, steht laut MIP noch nicht fest.

Sollte Geld ausbezahlt werden, wären es wohl nicht mehr als 1 bis 2 Franken pro Person und Tag. Den ­Betrieb des Rückkehrzentrums wird das MIP sicherstellen.

Berner Zeitung

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