Die Kosten in der Sozialhilfe steigen weiter an

2017 waren zwar weniger Personen im Kanton Bern auf Sozialhilfe angewiesen. Dennoch verharrt die Sozialhilfequote auf schweizweit hohem Niveau.

46'536 Personen im Kanton Bern bezogen 2017 Sozialhilfe.

46'536 Personen im Kanton Bern bezogen 2017 Sozialhilfe.

(Bild: Valerie Chetelat)

469 Millionen Franken bezahlten der Kanton Bern und die Gemeinden 2017 an Menschen, die Sozialhilfe beziehen. Das sind 2,2 Prozent beziehungsweise rund 10 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Somit steigen die Kosten in der Sozialhilfe weiterhin leicht an. Das zeigen die Ergebnisse der Sozialhilferechnung der Gemeinden und die Sozialhilfestatistik des Bundes. Diese Angaben hat die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) in einem Bericht zusammengefasst und am Dienstag veröffentlicht.

Speziell ist, dass 2017 zwar die Kosten gestiegen sind, aber 121 Personen weniger Sozialhilfe bezogen als im Vorjahr. Insgesamt waren es 46536 Menschen. Sie waren wie 2016 im Durchschnitt 9,1 Monate auf Unterstützung angewiesen und erhielten 10089 Franken – was monatlich 1109 Franken entspricht (2016: 1082 Franken). Das mit Abstand grösste Risiko, sozialhilfebedürftig zu werden, haben Alleinerziehende. Sie machen über 30 Prozent der Bezüger aus.

Sinkende Einnahmen

Laut dem Bericht sind vor allem die sinkenden Einnahmen dafür verantwortlich, dass in der Sozialhilfe höhere Beträge anfallen. «Generell ist es für die Sozialdienste in den letzten Jahren aufwendiger geworden, Erträge zu generieren, da zahlreiche vorgelagerte Versicherungssysteme auch von Sparmassnahmen und Restrukturierungen betroffen sind», schreibt die GEF. Gemeint sind damit zum Beispiel die Invalidenversicherung oder die Arbeitslosenversicherung. 2017 hat der Kanton pro Person durchschnittlich 3904 Franken eingenommen – 2015 waren es noch 4147 Franken.

Im Vergleich zum starken Kostenanstieg zwischen 2008 und 2012 sind die Ausgaben in den letzten Jahren indes relativ ­stabil geblieben. Laut der GEF arbeiten die Sozialdienste heute effizienter. Um weitere Kostenanstiege zu verhindern, seien aber zusätzliche Anstrengungen nötig. Voraussichtlich im Mai stimmt die Berner Bevölkerung über ein neues Sozialhilfegesetz mit restriktiveren Regeln ab.

In einem Bereich konnte die GEF die Ausgaben bereits senken: Die Personalkosten der Sozialdienste waren 2017 erstmals wieder rückläufig. Sie betrugen noch 83 Millionen Franken, 3 Millionen weniger als im Vorjahr. Grund ist ein neues Abgeltungssystem, in dem nicht mehr Stellen, sondern bearbeitete Fälle mittels Pauschalen abgegolten werden.

Stabile Quote

Nicht verändert hat sich die Sozialhilfequote von 4,6 Prozent, obschon die Wirtschaftslage gut war. Die Quote liegt circa einen Prozentpunkt über dem schweizerischen Durchschnitt. Gründe dafür sind unter anderem das tiefe Lohnniveau bei gleichzeitig hohen Steuern, der relativ geringe Anteil der vollzeitbeschäftigten Sozialhilfeempfänger und die überdurchschnittlich hohe Sozialhilfequote der jungen ausländischen Wohnbevölkerung. 43,4 Prozent aller Beziehenden sind Ausländer – Tendenz steigend.

Die GEF sieht denn auch besondere Herausforderungen in den Migrationsbewegungen der letzten Jahre. Ein relativ grosser Teil der Zuwanderer verfüge «trotz der hohen Investitionen in Integrationsmassnahmen nicht über Sprachkenntnisse und ein Ausbildungsniveau, das für eine rasche Aufnahme in den regulären Arbeitsmarkt erforderlich wäre», schreibt die Direktion von SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg.

Viele dieser Personen würden daher lange Zeit auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein. Damit sie besser in die Arbeitswelt integriert werden könnten, seien mehr niederschwellige Arbeitsplätze nötig. Die GEF habe in einer Arbeitsgruppe, in der «eine stattliche Zahl von Wirtschaftsvertretenden» mitgewirkt habe, Massnahmen für eine bessere Integration entwickelt.

In Biel hoch, in Saanen tief

Die Sozialhilfequote ist innerhalb des Kantons sehr unterschiedlich. Am höchsten ist sie in der Verwaltungsregion Seeland (6,7 Prozent), gefolgt vom Berner Jura. Knapp unter dem Durchschnitt liegen Bern-Mittelland und Emmental-Oberaargau, am tiefsten ist sie im Oberland (3 Prozent).

Die höchste Quote weist Biel mit 11,94 Prozent auf (+0,08 Prozent), die tiefste mit 1,27 Prozent der Sozialdienst Saanenland (–0,18 Prozent).

Berner Zeitung

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