Zum Hauptinhalt springen

Kanton Bern ist unattraktiv für Reiche

Wie mittelmässig oder schlecht ist Bern im Steuerwettbewerb nun wirklich positioniert? Klar scheint vor allem eines: Gute Steuerzahler werden im Kanton Bern relativ stark belastet – stärker als man meinen würde.

BZ Grafik/Signer

Der Disput zwischen SP-Regierungsrat Andreas Rickenbacher und den Wirtschaftsverbänden, der in den letzten Tagen an dieser Stelle ausgetragen worden ist, hinterlässt Fragen, namentlich zur Steuerbelastung im Kanton Bern. Rickenbacher verweist auf eine Studie von BAK Basel, die Bern bei einer Gesamtbetrachtung der Belastung der natürlichen Personen durch die Einkommenssteuer auf dem unerwartet guten 15.Rang aufführt. Die Wirtschaftsverbände dagegen klagen, Bern sei punkto Steuerbelastung auf den 23.Rang abgerutscht.

Weniger gut als gedacht

Nun: Die Wirtschaftsverbände können ihre Aussage nicht durch eine Gesamtbetrachtung stützen (Ausgabe vom Dienstag). Sie verweisen auf konkrete Vergleiche einzelner Typen von Steuerzahlern, bei denen Bern in einigen wenigen Fällen in der Tat auf Platz 23 liegt.

Aussagekräftiger ist die BAK-Studie – vor allem, wenn man nicht nur auf den Gesamtindex schaut, den Rickenbacher und andere – vornehmlich sozialdemokratische – Regierungsmitglieder ins Feld führen. Die Auswertung zeigt nämlich auch, wie (un-)attraktiv die Kantone für einzelne Steuerzahler sind. Dabei wird doppelt differenziert: einerseits nach Ledigen, kinderlosen Ehepaaren und Familien, andererseits nach der Höhe des Bruttoeinkommens.

Dieser Vergleich zeigt grundsätzlich eines: Bern besteuert Gutverdiener, die viele Steuern zahlen, stärker, als der Index glauben macht (siehe Tabelle).

Keine richtige Entlastung

Das ist doppelt ungünstig: Kanton und Gemeinden sind auf diese Steuerzahler besonders angewiesen, da sie die Hauptlast tragen. Zudem wurden gerade hohe Einkommen im Kanton Bern bei der Steuersenkung 2009 nicht richtig entlastet; es obsiegte der Volksvorschlag von links, der Gutverdienern nicht einmal den ganzen Ausgleich der teuerungsbedingten «kalten Progression» gewährte.

Unattraktiv für Kinderlose

Laut BAK-Studie sieht es primär für kinderlose Ehepaare schlecht aus: Für sie liegt Bern in allen verglichenen Einkommensklassen ab 30000 Franken (brutto) auf Platz 22, 23 oder 24. Sie müssen nur in zwei bis vier Kantonen mehr Steuern bezahlen als in Bern. Nicht viel besser ergeht es Verheirateten mit Kindern. Auch für Ledige ist Bern mit einer einzigen Ausnahme hinter dem 15.Rang platziert.

Bei diesen Vergleichen stellen die Autoren von BAK Basel auf die Durchschnittssteuerbelastung in den einzelnen Gemeinden der Kantone ab. Über die Rangierung entscheidet die Höhe der Belastung in jener Gemeinde, deren Steueranlage in der «Mitte» der Steueranlagen aller Gemeinden liegt (Median). Die Einwohnerzahl der Gemeinden spielt dabei keine Rolle.

Grosse zählen stärker

Dies ist einer der wichtigen Unterschiede zum BAK-Gesamtindex: Für diesen werden mehrere Gewichtungen vorgenommen, unter anderem wird die Höhe der Steuerbelastung in grossen Gemeinden stärker gewichtet als jene in kleinen. Diese Gewichtungen führen dazu, dass Bern auf dem Gesamtindex den 15.Rang erreicht, bei der Einzelbetrachtung für ausgewählte Steuerzahler aber fast durchwegs schlechter abschneidet.

Eine Frage der Gewichtung

Was stimmt nun? Liegt Bern auf Platz 15 oder 23? Vermutlich weder noch. Klar scheint, dass Bern höhere bis hohe Einkommen vergleichsweise stark besteuert.

Darüber hinaus zeigt der Disput vor allem, wie schwierig es ist, eine Rangliste der Steuerbelastung zu erstellen. Sehr viel hängt von den Gewichtungen ab. Das lässt sich am Beispiel Bern gut zeigen: Als die Eidgenössische Steuerverwaltung ihren alten Gesamtindex letztmals berechnete, erreichte Bern nur den 20.Rang. Basis war das Jahr 2006. In den BAK-Studien zu den Jahren 2007 und 2008 fand sich Bern plötzlich auf den Rängen 17 und 15 wieder – auch dank den Gewichtungen.

Die Aussagekraft von Steuerranglisten ist zudem begrenzt, da sie meist nichts aussagen über das Ausmass der Unterschiede der Belastung in den Kantonen. Wer nicht weiss, wie gering oder gross sie sind, kann nicht beurteilen, ob sie ins Gewicht fallen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch