Kaminfeger wollen freien Markt

Die Kaminfeger haben im Kanton Bern seit Jahren eine Monopolstellung. Nun wollen sie ihre vermeintlich komfortable Lage auf­geben: Sie fordern einen freien Markt. Ab 2020 sollen die Hausbesitzer ihre Kaminfeger frei wählen können.

Die Kaminfeger fordern im Kanton Bern mehr Markt und weniger Regulierung.

Die Kaminfeger fordern im Kanton Bern mehr Markt und weniger Regulierung.

(Bild: Keystone)

Marius Aschwanden

Konkurrenz war für Kaminfeger im Kanton Bern bisher ein Fremdwort. Der Grund dafür findet sich in der bernischen Feuerschutzverordnung. Dort ist das sogenannte Kaminfegermonopol verankert. Der Kanton legt Kaminfegerkreise fest – ab 1. Januar sind es noch 46 – und wählt die zuständigen Kaminfegermeister. Die Grundtaxe pro Haushalt sowie der Stundenansatz für die Arbeit sind fix, unabhängig von Wohnort und Anfahrtsweg.

Eine komfortable Situation – könnte man meinen. Jetzt aber regt sich ausgerechnet aus den eigenen Reihen Widerstand gegen eines der letzten Monopole in der Schweizer Wirtschaft. Der Bernische Kaminfegermeister-Verband (BKV) fordert eine Aufhebung der Regulierung zugunsten der freien Marktwirtschaft. Die Hausbesitzer sollen künftig ihre Kaminfeger frei wählen dürfen wie andere Handwerksbetriebe auch.

Qualität als Argument

Noch vor wenigen Jahren wäre ein solcher Vorstoss vonseiten der Kaminfeger undenkbar gewesen. «Die gesamte Branche befindet sich im Wandel», sagt jetzt aber Roland Morgenthaler, BKV-Präsident. Alternative Heizmodelle wie Solaranlagen, Wärmepumpen oder der Anschluss ­ganzer Quartiere an Fernwärmesysteme würden die Anforderungen an die Kaminfeger verändern. Zudem habe durch die Modernisierung auch das Arbeits­volumen abgenommen. Auf diese Entwicklungen wolle der Verband reagieren.

Künftig sollen die Kundenbedürfnisse ins Zentrum rücken. «Die Gesetzesänderung beugt zwischenmenschlichen Konflikten vor. Bisher hatte man nur eine beschränkte Wahl», sagt Morgenthaler. Tatsächlich muss heute ein Hausbesitzer für einen Wechsel des Kaminfegers auf einen Entscheid der kantonalen Behörden hoffen. Durch den freien Markt käme auch erstmals eine Konkurrenzsituation auf.

Dies würde laut Morgenthaler zu einer Qualitätssteigerung führen. «Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Kaminfeger im Kanton Bern bereits heute gute Arbeit leisten», sagt er. «Aber wenn der Kunde wählen kann, wird man auch mehr beurteilt und gemessen. Dies wird sich auch auf die Qualität positiv auswirken.»

Regierungsrat war überrascht

Das Anliegen ist im Kanton Bern nicht neu. Verschiedentlich versuchten Grossräte in den letzten Jahren, das Kaminfegermonopol aufzuheben. Weder im Regierungsrat noch im Parlament fanden die Vorstösse aber eine Mehrheit. Für die Hausbesitzer sei die jetzige Lösung am günstigsten und sichersten, hiess es oft. In einem letzte Woche eingereichten Vorstoss sind nun auch die beiden EVP-Grossräte Philippe Messerli (Nidau) und Patrick Gsteiger (Eschert) auf den Liberalisierungszug aufgesprungen. Sie glauben, dass von einer Abschaffung des Monopols sowohl Hausbesitzer als auch Kamin­feger profitieren könnten.

Für den Regierungsrat kam die Forderung dennoch überraschend. «Die Kaminfeger haben das Monopol bisher immer selbst verteidigt», sagt Volkswirtschaftsdirektor und Regierungsrat Andreas Rickenbacher (SP). Ein Argument etwa sei stets gewesen, Haushalte an abgelegeneren Orten mit längerem Anfahrtsweg bei den Kosten nicht zu benachteiligen.

Tragisch sei die Situation ­wegen der Forderung aber nicht. Es gehe nun darum, Vor- und Nachteile einer Liberalisierung abzuwägen. «Grundsätzlich verschliessen wir uns dieser Gesetzesänderung nicht», sagt Rickenbacher. Bereits haben denn auch verschiedene Gespräche zwischen dem Kanton und dem BKV stattgefunden. Der Verband strebt an, die Gesetzesrevision bis 2020 erreicht zu haben.

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