Zum Hauptinhalt springen

Kaestli gewinnt Trudy-Schlatter-Preis

Morgen erhält Elisabeth Kaestli für ihr Buch über Berner Frauen, «Vom Mont Soleil zur Blüemlisalp», den Trudy-Schlatter-Preis.

«Mou, das isch ä tolli Idee!», freute sich Elisabeth Kaestli, als ihr der Zürcher Limmat Verlag vorschlug, ein Buch über Bernerinnen zu machen. Schliesslich besteht aus ihrer Sicht Nachholbedarf, «Themen von Frauen in die Öffentlichkeit zu bringen.» So ist sie denn auf grüne Hügel gestiegen, in entlegene Täler gefahren und hat mit Bernerinnen zwischen 50 und 90 Jahren Gespräche geführt. «Diese Altersgruppe habe ich festgelegt», erklärt Elisabeth Kaestli. «Ich wollte unbedingt Frauen, die vor dem Zweiten Weltkrieg und solche, die danach geboren sind, weil ich glaube, dass sich da das Leben ziemlich stark verändert hat.»

Lebendiger Einblick

Entstanden ist ein Buch mit 18 Porträts von Frauen, die ein breites berufliches Spektrum – von der Tänzerin über die Bildhauerin bis zur Historikerin – zeigen. «Die Porträts geben einen lebendigen Einblick in die Geschichte des 20.Jahrhunderts aus Frauenperspektive», heisst es in der Begründung der Frauenzentrale des Kantons Bern zur Vergabe des Trudy-Schlatter-Preises an die Autorin. Im Andenken an die Künstlerin Trudy Schlatter (1912–1980) wird der mit 5000 Franken dotierte Preis für Frauenwerke heuer zum 25. Mal verliehen.

Elisabeth Kaestli, eine waschechte Bernerin, wurde 1945 in Frutigen geboren. Sie hat als Journalistin gearbeitet, ist viel gereist und hat mehrere Bücher geschrieben. Sie hat sich immer schon als Sprachrohr für jene Menschen verstanden, «die sonst nicht an die Öffentlichkeit gelangen, vergessen oder übersehen werden».

Heimatliches in Ostafrika

Für ihre beiden letzten Bücher sprach sie auf dem Balkan unter anderem mit Nachbarn unterschiedlicher Ethnien, die plötzlich zu Feinden wurden. «Diese Berichte waren sehr dramatisch, weil ich sie gleich im Anschluss an den Krieg geführt habe.» Danach habe sie sich gefreut, wieder in ihrer Heimat arbeiten zu können. Hier, wo sie die Sprache spricht und ihr die geschilderten Erfahrungen vertraut sind. Doch dann ist alles ganz anders gekommen: Vor zwei Jahren hat ihr Mann eine Stelle in Tansania erhalten und sie ist mit ihm mitgegangen. So sind Teile ihres Buches in Ostafrika entstanden. Während des Schreibens hat sie festgestellt, wie ähnlich das Leben dort jenem in den Erzählungen aus der Heimat ist. Etwa, wenn die Tansanierinnen vor ihrem Haus sitzen und die Wäsche in Kübeln von Hand schrubben – so wie früher in der Schweiz. Noch mehr erstaunt war Elisabeth Kaestli aber darüber, «wie gut sich die befragten Bernerinnen an ihr Leben erinnern. Sie wissen sogar noch, wie viel seinerzeit was gekostet hat – auf den Rappen genau.» Hat sich denn aus den Porträts ein Bild der typischen Bernerin herauskristallisiert? Kaestli zögert mit der Antwort. Verallgemeinerungen widerstreben ihr. «Die Klischees, wie bodenständig, fleissig und langsam, haben bestimmt einen wahren Kern. Aber Bernerinnen sind auch weltgewandt, interessiert und flexibel.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch