Jung, smart und moderat oder ein Bernjurassier – das sind die Favoriten

Im Februar will die SVP die bürgerliche Regierungsmehrheit zurückgewinnen. Nach den nationalen Wahlen ist die Ausgangslage klarer: Als Topkandidaten gelten Lars Guggisberg und Pierre Alain Schnegg.

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Kaum ist der Jubel über den Sitzgewinn im Nationalrat verhallt, ist die Berner SVP wieder im Wahlkampfmodus. Nun geht es um die Frage, ob Albert Rösti am 15. November zum zweiten Wahlgang für den Ständerat antritt. Eine Wahlchance, wenn auch eine geringe, hat er nur, wenn es zwischen SVP, BDP und FDP zum Schulterschluss kommt.

Dass dies faktisch unwahrscheinlich ist, zeigt die Reaktion von BDP-Präsident Heinz Siegenthaler, der sagt, seine Partei werde niemanden unterstützen, der Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf abwählen wolle. Ob Rösti noch einmal antreten will, ist unklar. Er will sich bis heute Mittag entscheiden.

Bühler kandidiert wohl nicht

Die SVP muss zudem bestimmen, welche Strategie sie bei der Regierungsratsersatzwahl vom 28. Februar verfolgen und wen sie ins Rennen schicken will. Laut SVP-Präsident Werner Salzmann tagt die Parteileitung dazu am Mittwoch. Zur Ersatzwahl kommt es, weil die SP-Regierungsräte Andreas Rickenbacher und der Bernjurassier Philippe Perrenoud Ende Juni 2016 zurücktreten.

Klar ist, dass SVP, BDP, FDP und EDU gemeinsam die bürgerliche Regierungsmehrheit wiedererlangen wollen. Klar ist auch, dass der SVP als wählerstärkster Partei ein zweiter Regierungssitz zusteht. Allerdings haben FDP und BDP klargemacht, dass sie eine SVP-Kandidatur nur unterstützen, wenn sie mehrheitsfähig ist.

Ob die SVP beide SP-Sitze angreift, ist allerdings noch offen. Zum einen dürfte sich die Partei aufgrund des jüngsten Wahlerfolges dazu legitimiert sehen. Immerhin steigerte sie ihren Wähleranteil von 28,9 auf 33,12 Prozent. Zum andern könnten Bündnispartner und Wähler dies als Arroganz auslegen.

Ein Eindruck, den die SVP unbedingt vermeiden will. Deshalb dürfte sie wohl getreu dem Motto «Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach» mit nur einer Kandidatur antreten. Offen ist dabei, ob die SVP den Berner Jura-Sitz oder jenen von Andreas Rickenbacher angreifen will.

Manfred Bühler, der wohl aussichtsreichste bernjurassische Kandidat, schaffte am Sonntag den Sprung in den Nationalrat. Er stellt nach dem Rücktritt von Nationalrat Jean-Pierre Graber die Vertretung des frankofonen Kantonsteils im Bundesparlament sicher. Würde er in die Kantonsregierung gewählt, dann wäre der erste Ersatz Lars Guggisberg, ein Deutschschweizer. Vieles deutet darauf hin, dass die SVP Bühler nicht portieren will – zumindest nicht für die Ersatzwahl.

Allenfalls kommt Bühler jedoch bei der kantonalen Gesamterneuerungswahl 2018 zum Handkuss. Grossrat Pierre Alain Schnegg ist der zweite Bernjurassier mit intakten Wahlchancen. Er gilt SVP-intern als bernjurassischer Favorit. Auch er wollte sich am Montag nicht zu einer Kandidatur äussern.

Mehr Klarheit gibt es auf der Deutschschweizer Seite. Grossrat Lars Guggisberg, der es bei den Nationalratswahlen auf den ersten Ersatzplatz geschafft hat, stellte sich als Kandidat zur Verfügung. Jung, smart und moderat, gilt er SVP-intern als Favorit unter den Deutschschweizer Kandidaten, der auch den Bündnispartnern gefallen dürfte.

Auch die Spiezer Vizegemeindepräsidentin Jolanda Brunner ist – nominiert vom Vorstand ihrer Ortspartei – aufs Kandidatenkarussell aufgesprungen. Ihre Chancen indes sind verschwindend klein. Ebenfalls eher chancenlos sind die Grossräte Mathias Müller und Peter Brand.

Müller wohnt zwar im Berner Jura und könnte damit für diesen Sitz antreten – würde ihm nicht die Akzeptanz fehlen. Für viele Bernjurassier ist der Bieler ein Deutschschweizer. Und Brand kommt wohl nicht infrage, weil er es bei den Nationalratswahlen nur auf Platz 19 schaffte. Der auf Platz 20 ähnlich schlecht platzierte Jürg Iseli hat seine Kandidatur gestern zurückgezogen.

Brand lässt sich nicht beirren

Brand dagegen hält selbstbewusst an seiner Kandidatur fest. «Ich kenne die Dossiers, habe Führungs- und Exekutiverfahrung und geniesse grosse Akzeptanz bei FDP und BDP.» Sein schlechtes Wahlresultat erklärt sich Brand damit, dass seine Kampagne nicht angekommen sei. Auch sei es für einen Juristen aus dem Wahlkreis Bern-Mittelland schwierig, in den ländlichen Regionen Stimmen zu holen.

Insider sagen dagegen, der Grund für das schlechte Ergebnis sei auch, dass Brand 2012 als unterlegener Parteipräsidentenkandidat ein schlechter Verlierer gewesen sei. Ein Vorwurf, den Brand nicht gelten lässt: «Das ist unfair, zumal dieselben Kreise mich inständig baten, die Grossratsfraktion zu präsidieren.»

Berner Zeitung

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