Joder ist bereits im Wahlkampf

Alles sieht aus wie von langer Hand geplant: Rudolf Joders parteiinterner Wahlkampf läuft wie geschmiert, mit Komitee und Werbeprospekt.

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Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

In der Berner SVP haben harte interne Ausmarchungen zwar Tradition, aber der Clinch um die Ständeratsnomination ist doch speziell. Vor allem Rudolf Joder führt einen veritablen Wahlkampf, ausnahmsweise einfach nicht öffentlich, sondern innerhalb der Partei. Der 64-Jährige möchte seine politische Karriere auch nach dem Ausscheiden aus dem Nationalrat fortsetzen, zu dem ihn die Amtszeitbeschränkung der SVP zwingt.

Joder geht bestens vorbereitet in den Kampf. Eine Webadresse hat er schon: rudolf-joder-in-den-staenderat.ch. In der Partei hat er nun auch noch einen professionell gestalteten Werbeprospekt in eigener Sache in Umlauf gesetzt. Auf vier Seiten stellt Joder sich und seine Laufbahn vor und präsentiert ein ausführliches Argumentarium («nur für den parteiinternen Gebrauch»), garniert mit zwei Fotos, die ihn mit Bundespräsident Didier Burkhalter und seiner Frau zeigen.

Regional breit abgestützt

Rudolf Joder hat es auch nicht versäumt, bereits für die parteiinterne Auseinandersetzung ein eigenes Unterstützungskomitee zu bilden. Diesem gehören unter anderem die Präsidenten der SVP-Landesteilverbände Oberland, Oberaargau und Seeland an. Das zeigt, dass Joder in der Partei tatsächlich immer noch breit abgestützt ist und sich durchaus Hoffnungen auf die Nomination machen darf.

Nachdem am Mittwoch aber völlig überraschend Nationalrat Albert Rösti ins Rennen gestiegen war, dürften Joders Chancen gesunken sein. Jedenfalls muss er auf Unterstützung von kantonalen SVP-Politikern hoffen,da seine Nationalratskollegen ihn unbedingt in den Ruhestand entlassen wollen.

Joders zahlreiche Initiativen

Es sieht alles so aus, als hätte Joder seine Kandidatur von langer Hand vorbereitet. Er hat sich in den letzten Jahren gezielt mit Volksinitiativen profiliert, wobei er diese ausserhalb der SVP vorantrieb und sich auch nicht verpflichtet fühlte, sich mit der Partei abzusprechen.

Dazu gehörten Vorstösse im Bereich Landwirtschaft, vor allem aber die kantonale Spitalstandortinitiative, die bereits für viel Aufsehen gesorgt hat und voraussichtlich auch die SVP spalten wird. Mit seinen Projekten – Kritiker sprechen von «Sololäufen» – konnte Joder bei Bauern und in Landregionen viele Sympathien sammeln.

Als Präsident abgetaucht

Und morgen folgt bereits der nächste Streich: Rudolf Joder präsentiert eine weitere kantonale Volksinitiative. Ihr Titel: «Zentralisierung stoppen – Gemeinden stärken». Es scheint, als habe Joder als Erster entdeckt, dass auch kantonale Initiativen als Wahlkampfschlager taugen. Auffällig ist, dass kein einziger anderer SVP-Nationalrat im Initiativkomitee sitzt, sondern ausschliesslich Grossräte.

Ein Hinweis, den Joder in seinem Argumentarium macht, dürfte ihm noch ein paarmal um die Ohren geschlagen werden. Er nimmt für sich in Anspruch, 2008 bei der Abspaltung der BDP von der SVP als Parteipräsident bewiesen zu haben, dass er «auch schwierige Situationen zielführend bewältigen» kann.

Darüber lacht man in der SVP und der BDP gleichermassen. Direktbeteiligte berichten noch heute, Joder sei damals in der entscheidenden Phase regelrecht abgetaucht und habe nichts unternommen, um die Abspaltung zu verhindern. Viele sehen es wie BDP-Gründungspräsident Hans Grunder, der 2012 sagte, unter Joders Vorgänger als Parteipräsident, Hermann Weyeneth, wäre es nicht zur Abspaltung gekommen.

Berner Zeitung

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