Jetzt sollen auch Pensionäre in der Schule aushelfen

Kanton Bern

Wegen des Lehrermangels fragt der Kanton Bern nun pensionierte Lehrer an, ob sie nicht wieder unterrichten wollen.

Dass auch pensionierte Lehrpersonen notfalls aushelfen könnten, stand bereits im letzten Jahr zur Debatte. Nun wurde dieses Zielgruppe erstmals mit einem breit gestreuten Rundschreiben anfragt.<p class='credit'>(Bild: Dominique Meienberg/Symbolbild)</p>

Dass auch pensionierte Lehrpersonen notfalls aushelfen könnten, stand bereits im letzten Jahr zur Debatte. Nun wurde dieses Zielgruppe erstmals mit einem breit gestreuten Rundschreiben anfragt.

(Bild: Dominique Meienberg/Symbolbild)

Quentin Schlapbach@qscBZ

950 pensionierte Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Bern bekamen letzte Woche einen Brief der kantonalen Erziehungsdirektion nach Hause geschickt. Im Prinzip ist es ein Ermunterungsschreiben: Der Kanton fragt die in Rente stehenden Pädagogen an, ob sie nicht Lust auf ein Comeback hätten.

Grund dafür ist ein altbekanntes Problem: Lehrermangel. «Vieles deutet darauf hin, dass sich dieser aufs nächste Schuljahr hin nochmals akzentuieren könnte», sagt Erwin Sommer, Vorsteher des Amts für Kindergarten, Volksschule und Beratung.

Seit elf Jahren bereite sich die Erziehungsdirektion darauf vor, dass es im Kanton Bern bald zu wenig Lehrpersonen haben könnte. Lange blieb der Notstand aus, bis im Sommer 2018. Damals konnten erstmals 20 Stellen nicht besetzt werden. Studierende der Pädagogischen Hochschule Bern mussten einspringen.

«Eine Notmassnahme»

Dass auch pensionierte Lehrpersonen notfalls aushelfen könnten, stand bereits im letzten Jahr zur Debatte. Es sei nun aber zum ersten Mal der Fall, dass man diese Zielgruppe in einem breit gestreuten Rundschreiben anfragt, sagt Sommer. Allerdings bekamen nicht ganz alle pensionierten Lehrpersonen einen solchen Brief. Die Adressaten sind alle unter 70 Jahre alt.

Das Ziel der Aktion sei es, im Notfall auf eine motivierte Equipe von Lehrerinnen und Lehrern zurückgreifen zu können, insbesondere, wenn eine Stellvertretung nicht besetzt werden kann. Lehrpersonen zu ersetzen, die wegen einer Schwangerschaft oder eines Unfalls für mehrere Monate ausfallen, sei in jüngster Vergangenheit immer schwieriger geworden, so Sommer. Dass man nach jedem Ausfall automatisch einen Rentner aufbietet, schliesst er aber aus. «Es ist eine Notmassnahme. Und Notmassnahmen kommen erst zum Einsatz, wenn es nicht anders geht.»

In den vergangenen drei Arbeitstagen haben sich laut Sommer bereits zehn Lehrpersonen bereit erklärt, im Notfall auszuhelfen. Sie konnten allerdings Bedingungen stellen. Etwa in welchem Einzugsgebiet sie sich einen Einsatz vorstellen können oder welche Fächer sie unterrichten wollen. Sommer sagt aber auch, dass die Aktion nicht bei allen Adressaten gut angekommen sei. «Es gab auch drei frustrierte Rückmeldungen.»

Schwer planbar

Frühestens zum Einsatz kommen die Pensionäre im August 2019. Bis dann werde sich weisen, wie gravierend der Mangel sein wird, sagt Sommer. «Es ist schwer absehbar, wie die Situation sich entwickelt. Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle.» Hingegen bereits fest geplant ist eine Medienkonferenz Ende Februar. Dort will die Erziehungsdirektorin Christine Häsler (Grüne) über alle geplanten Massnahmen angesichts des Lehrermangels informieren.

Berner Zeitung

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