«Ja, wir suchen Kandidaten per Inserat»

«Du - die Unabhängigen» hat noch gar keine Mitglieder oder Kandidaten und will im Kanton Bern dennoch bei den nationalen Wahlen antreten. Wie geht das? Sieben Fragen an Parteigründer Peter Eberhart.

<b>Sucht für seine neue Partei</b> «Du - die Unabhängigen» Kandidaten per Inserat: Parteigründer Peter Eberhart.

Sucht für seine neue Partei «Du - die Unabhängigen» Kandidaten per Inserat: Parteigründer Peter Eberhart.

(Bild: PD)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Herr Eberhart, warum nehmen Sie die Mühsal auf sich, für die nationalen Wahlen vom 20. Oktober eine neue Kleinpartei aufzubauen?
Peter Eberhart: Wir nehmen diese Mühsal auf uns, weil wir sehen, was in der Politik schief läuft. Ich war als SVP- und dann als BDP-Grossrat 13 Jahre in der Politik und habe immer wieder erlebt, dass Lobbies und Interessengruppen neutrale Lösungen verunmöglichen. Die Leute haben die Nase voll von solcher Politik. Deshalb bieten wir eine Plattform für Menschen, die sagen: Ich habe genug, ich will etwas ändern. Wir machen Interessierten eine Offerte, die es bis jetzt nicht gab. Es ist überfällig, dass etwas in dieser Richtung passiert.

Ihre Erfolgsaussichten sind klein. Bringen Sie als früheres BDP-Mitglied die nötige Frustrationstoleranz mit?
Leute sagen mir: Du spinnst. Aber wir treten an, um zu gewinnen. Um unabhängige Leute zu gewinnen. Im Gegensatz zu den anderen Parteien sagen wir unseren Leuten nicht, was sie vertreten müssen. Sie entscheiden das selber aufgrund der Erfahrungen und Fachkenntnisse, die sie mitbringen. Wir haben bloss eine Charta mit Verhaltensregeln und ein paar Kernthemen: Wasser, Gesundheit, Umwelt.

Sie nennen sich «die Unabhängigen». Von wem oder was wollen Sie unabhängig sein?
Wir werden nicht gesteuert von Dritten, wir sind unabhängig von Interessengruppen, von Geldgebern.

Wie finanzieren Sie die Partei, wenn Sie keine Geldgeber haben?
Wir haben im Sinn, ein Crowdfunding zu machen. Wir schauen, ob wir Spenden kriegen von Leuten, die auf so eine Plattform gewartet haben. Die Starthilfe habe ich aus dem eigenen Sack bezahlt.

Verstehe ich das richtig, dass Sie Ihre Mitglieder und Kandidierenden für den Nationalrat erst noch per Inserat suchen? Wir haben Sympathisanten, man kann ja nicht zu zweit einen Verein gründen. Aber ja: Wir machen Kleininserate und bieten dort unsere offene Plattform an. Wir schlagen fähigen Männern und Frauen vor: Kommt auf unsere Liste und macht dann, was ihr für richtig haltet. Vor einem guten Jahr haben wir bei den Kantonswahlen nach diesem Prinzip im Oberland schon eine offene BDP-Liste gemacht und fast einen Sitz geholt. Aber wir merkten, dass wir nicht richtig unabhängig sind, wenn wir noch bei einer Partei sind.

Sie wollen gar keine Partei sein?
Wir wollen unabhängig sein.

«Du - die Unabhängigen» gibt es schon in Liechtenstein. Wollen Sie den Kanton Bern mit Rezepten aus dem Zwergfürstentum kurieren?
Nein, überhaupt nicht. Diese Partei trägt einfach denselben Namen. Aber das Prinzip mit der offenen Plattform ist unsere eigene Idee. Wir treten jetzt mal im Kanton Bern an. Vielleicht überzeugt unser Modell dann auch in anderen Kantonen.

Peter Eberhart (63) aus Aeschi bei Spiez führt eine Drogerie in Erlenbach im Simmental. Gemeinsam mit Rolf Frischknecht (60), Präsident des Dachverbands Berner Tierschutzorganisationen, hat er die neue Partei «Du - die Unabhängigen» gegründet, die er am Donnerstag in Bern vorstellte.

Berner Zeitung

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