IT-Lösung für Flüchtlinge

Der Berner Verein Powercoders stellt eine Programmierschule für Flüchtlinge auf die Beine. Der Verein will damit zu deren Arbeits­integration beitragen und den Mangel an IT-Fachkräften entschärfen. Hauptsponsor ist das Migros-Kulturprozent.

Die Powercoders von Bern: Christian Hirsig, Sunita Asnani, Pawel Kowalski und Marco Jakob.

Die Powercoders von Bern: Christian Hirsig, Sunita Asnani, Pawel Kowalski und Marco Jakob. Bild: zvg

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Die Mehrheit der anerkannten Flüchtlinge lebt von der Sozialhilfe. Sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist eine grosse Herausforderung. Die Schweiz hat zu wenige IT-Spezialisten. Eine Studie prognostiziert bis 2024 einen Mangel von über 24 000 Fachkräften.Probleme, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, verbinden der Berner Christian Hirsig, die Österreicherin Cor­nelia Mayer und die Tschechin Dita Prikrylová nun zu einer ­Lösung. Sie haben sich diesen Sommer bei einem USA-Aufenthalt kennen gelernt und dabei Ideen gewälzt.

Migros ist Hauptsponsor

Nach intensiven Diskussionen zauderten die drei Unternehmer nicht lange und machten Nägel mit Köpfen. Sie suchten nach Räumen, Sponsoren und Dozenten. Und wurden fündig. Schliesslich gründeten sie in Bern den Verein Powercoders mit dem Ziel, eine Programmierschule inklusive Praktika für Flüchtlinge anzubieten. Das Pilotprojekt mit zehn bis zwanzig Plätzen entsteht derzeit zwar in Bern. Doch dabei soll es nicht bleiben: «Wir arbeiten daran, dass das Konzept auch in anderen Ländern übernommen werden kann», so Hirsig. Schulstart ist am 16. Januar im Coworking-Space Effinger in Bern, dessen Mitgründer und IT-Lehrer Marco Jakob ebenfalls im Projektteam sitzt.

Die Finanzierung des Projekts ist laut Hirsig gesichert. Wie hoch das Budget ist, will er nicht verraten. Einen Teil des Geldes will der Verein via Crowdfunding auftreiben. Hauptsponsor ist das Mi­gros-Kulturprozent. «Die Migros Aare engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich der Arbeits­integration», sagt deren Sprecher Reto Wüthrich. Eine Programmierschule für Flüchtlinge sei einzigartig und trage dem Umstand Rechnung, dass auch beruflich höher qualifizierte Flüchtlinge in der Schweiz angekommen seien. Dass gleichzeitig ein IT-Fachkräftemangel bestehe, mache Powercoders erst recht zu einer runden Sache, so Wüthrich.

Die Programmierschule dauert zwölf Wochen, ist für die Teilnehmenden gratis, und die Dozenten arbeiten ehrenamtlich. Der Kurs richte sich an Personen, die entweder Vorkenntnisse in der IT oder ein Flair für IT-Themen hätten, so Hirsig. Die Anmeldefrist laufe bis zum 9. Dezember. «Wir sind von der Anzahl Bewerbungen überwältigt und zuversichtlich, dass wir genügend qualifizierte Teilnehmer finden.»

Mobiliar mit im Boot

Nach dem Kurs folgt ein dreimonatiges Praktikum. Dafür hat der Verein namhafte Partner, etwa die Mobiliar. «Wir bieten Powercoders zwei Praktikumsplätze für anerkannte Flüchtlinge an – als Pilot für drei Monate», bestätigt Sprecherin Susanne Maurer. Nach dem Praktikum besprechen die Teilnehmer und ihre Mentoren mit der Firma, wie es weitergeht, ob eine Festanstellung möglich ist.

Wie bei jedem Projekt, so gebe es auch hier Unwägbarkeiten, so Hirsig. Etwa wenn ein Flüchtling aus gesundheitlichen Gründen den Kurs abbrechen müsse. «Wenn wir scheitern, dann wäre das schade, aber verkraftbar», sagt Hirsig. «Vorwerfen würde ich mir nur, wenn ich nicht alles daran gesetzt hätte, dass es funktioniert.»
Mehr Infos:www.powercoders.org (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.12.2016, 09:18 Uhr

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