Interjurassische Versammlung wird Ende Jahr aufgelöst

Die Interjurassische Versammlung, die im Auftrag des Bundes mehr als zwei Jahrzehnte den Dialog in der Jurafrage begleitete, wird Ende Jahr wie geplant aufgelöst.

Der Tessiner Dick Marty ist Präsident der Versammlung.

Der Tessiner Dick Marty ist Präsident der Versammlung.

(Bild: Keystone)

Mit dem Entscheid der Stadt Moutier zum Kanton Jura zu wechseln, steht der alte Konflikt vor seiner Lösung. Deshalb wird die Interjurassische Versammlung wie geplant Ende Jahr aufgelöst.

Am 10. November soll die Interjurassische Versammlung in einem offiziellen Festakt in Moutier verabschiedet werden, wie das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement am Dienstag mitteilte. Bundesrätin Simonetta Sommaruga wird an der Zeremonie teilnehmen.

Alter Konflikt

Die Wurzeln des Streits reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Im Rahmen des Wiener Kongresses von 1815 wurden sieben Bezirke des Bistums Basel dem Kanton Bern zugesprochen: Pruntrut, Delsberg, Freiberge, Moutier, Courtelary, Neuenstadt und Laufen.

Ein Gutteil der Bevölkerung in diesen Bezirken begriff sich als sprachliche und kulturelle Minderheit, die von Bern vernachlässigt wurde. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen mit dem verhassten Bern und teilweise auch zu gewalttätigen Zwischenfällen.

In mehreren Plebisziten entschieden sich die nordjurassischen Bezirke Pruntrut, Delsberg und Freiberge für die Gründung eines eigenen Kantons, der 1979 Tatsache wurde. Die südjurassischen Bezirke, auch als Berner Jura bekannt, wollten hingegen bei Bern bleiben.

Separatisten im Südjura kämpfen seither für eine «Wiedervereinigung» mit dem Norden. 1984 flammte die Gewalt wieder auf. Es kam zu Bomben- und Brandanschlägen. 1993 kam ein Mitglied der projurassischen Kampforganisation Bélier bei einem versuchten Bombenanschlag in Bern ums Leben.

Neuanfang

Unter der Ägide des Bundes gleisten die Kantone Bern und Jura einen Neuanfang auf. Ein 25-köpfiges Konsultativorgan, die Interjurassische Versammlung, sollte den Prozess fortan begleiten.

2013 konnte die Bevölkerung in der Region entscheiden, ob der Berner Jura und der Kanton Jura gemeinsam einen neuen Kanton gründen wollen. Im Jura wäre man dafür gewesen, im Berner Jura erlitt die Vorlage Schiffbruch. Einzig die Stadt Moutier hätte eine Vereinigung mit dem Jura gewünscht.

Der Kanton Bern ermöglichte in der Folge einzelnen Gemeinden Urnengänge über einen Kantonswechsel, sofern sie dies wollten. Moutier liess sich nicht zweimal bitten und auch zwei kleine Gemeinden in der Nachbarschaft, Belprahon und Sorvilier verlangten eine Abstimmung.

In Moutier entschied sich im Juni eine knappe Mehrheit für einen Kantonswechsel. Belparhon und Sorvilier stimmen Mitte September ab. Beobachter des Bundes werden auch diese beiden letzten Urnengänge überwachen.

Mit den Urnengängen im September gilt die Jurafrage als definitiv gelöst - so zumindest die offizielle Lesart. Es bleibt abzuwarten, ob diese Botschaft überall Gehör findet.

Die Kantone Bern und Jura haben auf jeden Fall an einem Treffen mit Bundesrätin Sommaruga den Wunsch geäussert, dass der Bund seine Vermittlerrolle nicht ganz ad acta legt, auch wenn die Vereinbarungen von 1994 gekündigt und die Interjurassische Versammlung aufgelöst wird.

mib/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt