Das Insel-Areal wird für zehn Jahre zur Grossbaustelle

Die Wege für Patienten und Ärzte sollen kürzer werden, die Anordnung der Kliniken logischer. Darum wird das Insel-Areal «neu erfunden», wie die Verantwortlichen sagen. Weil bis 2025 bei laufendem Betrieb gebaut wird, sind Provisorien nötig.

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Bauen auf dem Insel-Areal scheint ähnlich kompliziert zu sein wie operieren am offenen Herzen: Der Betrieb des Universitätsspitals muss störungsfrei weiterlaufen, während rundherum abgerissen, umgegraben und betoniert wird. Wie nahe Klinikalltag und Grossbaustelle einander kommen, sieht man beim Aushub für das Organ- und Tumorzen­trum. Das Loch klafft direkt neben dem Zentrum für Intensivmedizin, Notfall und Operationen (INO).

Das Organ- und Tumorzentrum ist eine der beiden markanten Neubauten, welche längerfristig das Bettenhochhaus ersetzen. Das Herz- und Gefässzentrum ist der zweite Ersatzneubau fürs Hochhaus und wird ab 2017 realisiert. Das Insel-Wahrzeichen wird 2025 abge­rissen. Neues Herzstück des Klinikareals wird das INO – von hier aus erfolgt die Feinverteilung der Patienten.

Baukosten: 750 Millionen

«Wir erfinden das Insel-Areal neu», fasst Holger Baumann, Vorsitzender der Geschäftsleitung, die Grundidee des Masterplans Insel zusammen. Das Ziel: kürzere Wege für Patienten und Ärzte, logischere Anordnung der einzelnen Kliniken. Heute lege jeder Patient während seines Aufenthalts im Inselspital durchschnittlich 1,1 Kilometer zurück. Das werde sich ändern, wenn der Masterplan umgesetzt und neue Zentren gebildet seien.

Möglich macht diese grundlegende Um­gestaltung die Überbauungsordnung, die vom Stadtberner Stimmvolk am 8. März deutlich angenommen wurde. Die Insel-Gruppe investiert viel Geld in die Zukunft des Universitätsspitals. Rund 750 Millionen Franken werden für das neue Organ- und Tumorzentrum sowie das Herz- und Gefässzentrum verbaut. Begonnen wurde mit dem Organ- und Tumorzentrum, weil es als Ausweichstandort für die Frauenklinik dient, welche bis 2019 saniert werden muss. Wenn die Frauenklinik zurückverlegt ist, wird das Organ- und Tumorzen­trum fertiggestellt.

Doch wieder ein Provisorium, aber nicht für Frauenklinik

Holger Baumann dementierte am Dienstag Gerüchte, dass das Sorgenkind Frauenklinik dem Erdboden gleichgemacht werde. «Es ist kein Thema, dass wir die Frauenklinik abreissen und neu bauen. Sie wird saniert.» Ursprünglich war während der Renovation ein Ersatzspital für die Frauenklinik geplant. Davon kam die Insel-Gruppe aus Kostengründen ab.

Am Dienstag wurde aber dennoch ein Provisorium angekündigt, für das die Verantwortlichen noch diesen Monat ein Baugesuch einreichen wollen: Weil für ambulante Behandlungen während der Bauzeit Raum verloren geht, soll angrenzend ans INO ein Modulbau aufgestellt werden. «Wir hoffen auf eine Ausnahmebewilligung, prüfen aber auch noch andere Ausweichvarianten», sagte Infrastrukturdirektor Bernhard Leu. Auch über die Kosten dieser temporären Klinik konnte er noch nichts sagen.

Die dritte und wohl spektakulärste Etappe der Insel-Grossbaustelle wird 2025 der Abbruch des Bettenhochhauses sein. Dieses bei laufendem Betrieb zu sanieren, wäre zu aufwendig und nicht effizient gewesen, so die Planer. Dort, wo sich heute das höchste Insel-Gebäude befindet, wird es künftig eine Grünfläche geben. Sie solle für Bauvorhaben künftiger Generationen Freiraum schaffen, sagte Holger Baumann.

Berner Zeitung

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