Inselspital soll weiter Herzzentrum bleiben

Im Wettbewerb um die Herzchirurgie in der Schweiz hat der Berner SVP-Nationalrat Rudolf Joder politische Unterstützung für das Inselspital gefordert. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Bern bei der Zuteilung der Herztransplantationen das Nachsehen habe.

Das Inselspital ist bereits jetzt das führende Herz- und Gefässzentrum der Schweiz.

Das Inselspital ist bereits jetzt das führende Herz- und Gefässzentrum der Schweiz.

(Bild: Keystone)

Der Entscheid, wo in der Schweiz die Herztransplantationen konzentriert werden sollen, dürfte in der zweiten Hälfte des Jahres fallen. Momentan werden in Bern, Zürich und Lausanne Herzen transplantiert. Künftig soll es noch höchstens zwei Zentren geben.

Im Berner Inselspital müssen aber weiterhin Herztransplantationen durchgeführt werden können, forderte SVP-Nationalrat Joder am Donnerstag vor den Medien. Bern sei nämlich jetzt schon das führende Herz- und Gefässzentrum in der Schweiz.

Im Hinblick auf den bevorstehenden Entscheid sei aber der Standort Zürich politisch sehr aktiv geworden, sagte Joder. Mit verschiedenen Massnahmen wollen die Zürcher Stadt- und Kantonsregierungen ihre Kräfte in der Herzmedizin stärken. Joder befürchtet, dass das Berner Inselspital deshalb ins Hintertreffen geraten könnte.

Politischer Kampf

Für den Standort Bern müsse nun ebenfalls der politische Kampf geführt werden, sagte Joder. Dies sei notwendig, weil das Beschlussorgan, das den Entscheid über die Konzentration der Herztransplantationen fällen werde, ein politisches Gremium sei.

Das Beschlussorgan wird von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen - und direktoren (GDK) gewählt. Es besteht aus 10 Kantonsvertretern.

Joder plant nun unter anderem ein Schreiben über die Qualitäten des Inselspitals an das Beschlussorgan. Dieser Brief wird von je einem Vertreter aus den fünf Kantonen der parlamentarischen Gruppe Hauptstadtregion unterschrieben (BE, VS, NE, SO, FR).

Auch persönliche Gespräche mit den Gesundheitsdirektoren, deren Kantone im Beschlussorgan vertreten sind, schweben Joder vor. Auf kantonaler Ebene will SVP-Grossrat Lars Guggisberg mit einem Vorstoss den Regierungsrat beauftragen, für das Inselspital aktiv zu werden.

Generell brauche es jetzt politisches Lobbying, sagte Joder. Doch leider habe sich der bernische Regierungsrat bis jetzt kaum engagiert.

Gesundheitsdirektor wehrt sich

Diesen Vorwurf weist der bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (SP) zurück. Die Regierung habe sich stets für den Standort Bern engagiert, sagte er auf Anfrage.

Zurzeit sei man beispielsweise mit dem geplanten Zusammenschluss zwischen Inselspital und Spital Netz Bern auf Kurs. Hier liege ein Schwerpunkt auf der Herzchirurgie.

Zudem sei im vergangenen Jahr eine Taskforce eingesetzt worden, unter anderem mit dem Ziel, für den Entscheid des Beschlussorgans fit zu sein, sagte Perrenoud weiter. Der Regierungsrat hob ausserdem die strategische Allianz zwischen Basel und Bern bei der Herzchirurgie hervor.

Perrenoud sagte auch, er bedauere, dass Joder keinen Kontakt zu ihm aufgenommen habe.

Beim Inselspital werden politische Vorstösse nicht bewertet, wie Mediensprecher Markus Hächler auf Anfrage sagte. Er verwies aber darauf, dass mit 2545 herz- und gefässchirurgischen Eingriffen im Jahr 2011 das Inselspital das mit Abstand grösste einzelne Herzzentrum der Schweiz sei.

cls/sda

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