Immobilien-Tycoon verliert sein Chalet

Gstaad

Glenn Maud gehörte einmal zu den reichsten Männern der Welt. Nun kommt sein Wohnsitz in Grund bei Gstaad unter den Hammer.

Dieses stattliche Chalet an der Meielsgrundstrasse 42 in Gstaad soll für den Preis von 12 Millionen Franken versteigert werden.<p class='credit'>(Bild: Fritz Leuzinger)</p>

Dieses stattliche Chalet an der Meielsgrundstrasse 42 in Gstaad soll für den Preis von 12 Millionen Franken versteigert werden.

(Bild: Fritz Leuzinger)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Wer am 28. Juni um 14 Uhr das Sitzungszimmer 235 im Betreibungsamt Thun aufsucht, muss ein dickes Portemonnaie mit sich tragen. 12'150'000 Franken beträgt die betreibungsamtliche Schatzung für das 1838 Quadratmeter grosse Grundstück, das an diesem Tag versteigert wird. Die entsprechenden Angaben publizierte das Betreibungsamt Oberland am Mittwoch im «Amtsblatt des Kantons Bern».

Das Grundstück in Grund bei Gstaad gehört heute dem britischen Immobilienunternehmer Glenn Maud. Vor zehn Jahren zählte er noch zu den reichsten Männern der Welt. Gemäss der britischen Wirtschaftszeitung «Financial Times» betrug sein Vermögen zu diesem Zeitpunkt 4,5 Milliarden Pfund (gut 6 Milliarden Franken).

Spekulation lief schief

Maud kaufte während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 mit seiner Firma Prop­invest Immobilien von ins Wanken geratenen Banken, so etwa den globalen Hauptsitz der Banco Santander in Madrid oder den Londoner Standort der US-Investmentbank Citigroup im Bankenviertel Canary Wharf. Allein diese beiden Immobilien hatten gemäss «Financial Times» zusammen einmal einen Wert von über 3 Milliarden Pfund.

Aber die Spekulation, dass die Immobilien nach der Krise wieder an Wert gewinnen, ging nicht auf. Im November 2011 brach die Firma von Maud zusammen. Seither beschäftigen sich in seiner Heimat Grossbritannien die Gerichte mit ihm. Die Gläubiger wollen den Privatkonkurs über ihn verhängen.

Nun hat den Immobilien­tycoon das Unheil auch in seiner Wahlheimat Gstaad erreicht. Allerdings scheint er derzeit gar nicht mehr dort zu leben. Das Betreibungsamt Oberland gibt an, dass es den heutigen Aufenthaltsort des Unternehmers nicht kenne. Er hatte sich 2011 bei der Gemeinde Saanen abgemeldet.

Kommt der Schlüsselservice?

Über das «Amtsblatt» wird er deshalb aufgefordert, am 31. Mai um 14 Uhr Zugang zu «sämtlichen Räumlichkeiten» seines 12-Millionen-Franken-Chalets zu gewähren, zwecks der öffentlichen Besichtigung. Bei der Schatzung im Januar hatten die Immobilienexperten noch keinen Zugang zum Innern.

Der Ausbau der 436 Quadratmeter grossen Wohnung sei angesichts der zur Verfügung gestellten Unterlagen aber als «sehr gut» bis «luxuriös» zu bezeichnen, so die Immobilien­experten. Allein der Landwert wird wegen der ausserordentlichen Lage auf 3,5 Millionen Franken geschätzt.

Wie luxuriös das Chalet wirklich ausgebaut ist, wird die Besichtigung am 31. Mai zeigen. Diese findet sowieso statt: Falls Maud den Zugang innerhalb der nächsten 20 Tage nicht garantiere, werde das Amt die notwendigen Schritte einleiten. Was diese Schritte genau bedeuten, schreiben die Betreibungsbeamten am Schluss ihrer Nachricht noch in Klammern: Schlüsselservice, Polizei.

Berner Zeitung

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