Immerhin lockt der Poker um die Direktionen

Wer in der künftigen Regierung sitzt, lässt sich heute schon ziemlich sicher sagen. Anders sieht es mit der Direktionsverteilung aus. Diese könnte einige Überraschungen bereithalten.

Wer sitzt künftig im Regierungsratszimmer auf welchem Platz?

Wer sitzt künftig im Regierungsratszimmer auf welchem Platz? Bild: Andreas Blatter

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Der Älteste darf zuerst. Dieses Prinzip gilt, wenn der neu gewählte Gesamt­regierungsrat die Direktionen verteilt. Bei den Bisherigen dürfen jene zuerst wählen, die am längsten im Amt sind. Danach folgen die Neugewählten – und bei ihnen zählt ihr Alter. In Kombination mit den Präferenzen von Kandidaten und Parteien ergibt dies bei den anstehenden Wahlen eine spannende Ausgangslage für die Direktionsverteilung.

Regierungsratskandidaten hüten sich meist davor, sich zu ihrer Wunschdirektion zu äussern. Die Ausnahmen sind bei diesen Wahlen Bea­trice Simon (BDP) sowie Pierre Alain Schnegg (SVP). Simon will Finanzdirektorin bleiben – und wird dies sicher auch können, denn sie ist seit 2010 im Amt und darf somit als Zweite die Direktion wählen.

Für Schnegg wiederum war die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) seit je die Wunschdirektion. Es ist davon auszugehen, dass er seinen politischen Richtungswechsel in dieser Direktion weiterhin vorantreiben will.

Ammann in der GEF oder der ERZ

Allerdings könnte dies die SP verhindern – selbst dann, wenn ihr bern­jurassischer Kandidat Christophe ­Gagnebin Schnegg nicht vom Sitz stossen kann. Denn der bisherige SP-Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann darf vor Schnegg die Direktion wählen – schliesslich wurde er 2016 bereits im ersten Wahlgang gewählt, Schnegg erst im zweiten.

Die SP betont stets, dass sie mit Schneggs Politik nicht einverstanden ist und deshalb im Berner Jura angreift, obschon sie im deutschsprachigen Kantonsteil mit Matthias Aebischer einen sehr bekannten Kandidaten hätte. Sie müsste also eigentlich diese Gelegenheit beim Schopf packen.

Doch Parteipräsidentin Ursula Marti winkt ab. «Wir sind mit Pierre Alain Schneggs Politik nicht einverstanden unabhängig von der Direktion, die er führt. Er würde diese Politik auch sonst in die Regierung einbringen.» Für die SP sei klar, dass sie die GEF wieder übernehmen möchte, wenn Rot-Grün die Mehrheit in der Regierung zurückgewinnen könnte. «Bleiben die Mehrheiten wie bisher und drücken die Bürgerlichen das Sparpaket wie vorgesehen durch, sollen sie die Suppe in der GEF auch selber auslöffeln.»

«Wir sind mit Pierre Alain Schneggs Politik nicht einverstanden unabhängig von der Direktion, die er führt.»Ursula Marti

Als langjähriger Rektor des Gymnasiums Interlaken brächte Ammann beste Voraussetzungen dafür mit, die Erziehungsdirektion zu übernehmen. Er selber äussert sich nicht zu mög­lichen Direktionsverteilungen und ­betont, dass er sich in der Volkswirtschaftsdirektion gut eingearbeitet habe. Marti könnte ihn sich als Erziehungsdirektor «durchaus vorstellen».

Allerdings dürfte sich die SP gut überlegen, ob sie ihren Bündnispartnern – den Grünen – die Direktion wegschnappen will. Zumal die Grüne Christine Häsler sieben Monate älter ist als FDP-Mann Philippe Müller und somit als erste Neugewählte aussuchen dürfte. Für die Leiterin Kommunikation der Kraftwerke Oberhasli könnten indes auch die Volkswirtschaftsdirektion oder die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion interessant sein.

Neuhaus in der Poleposition

In der Poleposition im Direktionspoker sitzt Christoph Neuhaus (SVP). Der bisherige Justizdirektor dürfte als Amtsältester zuerst wählen. Sollte die SVP den Jura-Sitz verlieren, könnte er die GEF in SVP-Hand halten. Für Parteipräsident Werner Salzmann ist die GEF jedoch gar nicht die wichtigste Direktion. «Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion wäre für uns sehr interessant, weil dort über grosse Geldsummen entschieden wird», sagt er.

Wie Ammann gibt sich auch Neuhaus bedeckt und betont, dass er zuerst die Wiederwahl schaffen will. Es gefalle ihm in der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion sehr gut, die Ausgangslage sei aber interessant.

«Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion wäre für uns sehr interessant, weil dort über grosse Geldsummen entschieden wird.»Christoph Neuhaus (SVP)

Salzmann betont, dass für ihn auch die Polizeidirektion und die Finanz­direktion wichtig sind. Allerdings befinden sich diese Direktionen bereits in der Hand der bürgerlichen Bündnispartner FDP und BDP. FDP-Mann Philippe Müller ist als Sicherheitspolitiker und Major prädestiniert für die Polizei- und Militärdirektion. Er hat sich aber immer wieder in der Familienpolitik starkgemacht und könnte somit auch mit der Erziehungsdirektion liebäugeln. Seiner Partei dürfte es indes ein Anliegen sein, dass die Polizeidirektion wie seit eh und je in FDP-Hand bleibt.

Hat Allemann das Nachsehen?

Bleibt Evi Allemann (SP). Sie ist mit Abstand die Jüngste der Neugewählten und dürfte somit als Letzte ihre Direktion wählen. Läuft es nach ihrem Wunsch, wird dies zweifelsohne die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion sein. Doch gerade den Bürgerlichen dürfte es schwerfallen, ausgerechnet der Präsidentin des VCS diesen Sitz übrig zu lassen. Vielleicht wird Allemann folglich auf der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion oder auf der Volkswirtschaftsdirektion sitzen bleiben – einer jener Direktionen, die am wenigsten Gewicht haben.

Von links bis rechts betonen deshalb die Politikerinnen und Politiker, wie wichtig es sei, die Direktionsreform möglichst rasch umzusetzen. Mit dieser sollen die Aufgaben unter den Direktionen ausgeglichener verteilt werden. Allerdings wird sie erst 2021 in Kraft treten – wenn die neu gewählten Regierungsräte schon über zwei Jahre im Amt sind. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2017, 11:21 Uhr

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