Immer mehr Leute zeigen sich selber an

1150 Personen machten letztes Jahr eine freiwillige Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung. Damit verzeichnet der Kanton Bern einen neuen Rekord. Mit ein Grund ist der bevorstehende automatische Bankdatenaustausch.

Wer bei der Steuererklärung geschummelt hat, kann sich seit 2010 straffrei selbst anzeigen.

Wer bei der Steuererklärung geschummelt hat, kann sich seit 2010 straffrei selbst anzeigen.

(Bild: Keystone)

Sandra Rutschi

Einmal im Leben haben reuige Steuersünder die Chance, sich selber anzuzeigen und dabei ohne Strafe davonzukommen. Sie müssen dann nur die hinterzogenen Steuern der letzten zehn Jahre zurückzahlen, ohne zusätzlich ein Fünftel der hinterzogenen Steuern als Busse berappen zu müssen. Diese Regelung gilt in der Schweiz seit 2010 und wird rege genutzt – allerdings noch nie so stark wie im letzten Jahr.

Diverse Kantone verzeichneten 2016 Rekorde bei den straflosen Selbstanzeigen. Die Spitzenreiter sind Genf, Zürich – und Bern. 1150 Personen haben sich hier letztes Jahr selbst angezeigt, wie Steuerverwalter Claudio Fischer gestern vor den Medien sagte. Das sind 310 Anzeigen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2014 und sogar 400 mehr als 2015. Das Gros der Reuigen sind Einwohner, neun Firmen haben sich selber angezeigt.

Der kantonale Steuerverwalter Claudio Fischer. Bild: Urs Baumann

Dass die Anzahl der Selbstanzeigen zunimmt, führt Fischer unter anderem auf den bevorstehenden grenzüberschreitenden automatischen Bankdatenaustausch zurück. «Wenn Leute ein Konto im Ausland haben, geben sie dieses nun eher an», sagt Fischer. Denn die Gefahr sei grösser, dass sie entdeckt würden. Fischer rechnet damit, dass erste Daten vom grenzübergreifenden Austausch nächstes Jahr auf der Berner Steuerverwaltung eintreffen.

Mehr kleinere Beträge

90 Prozent der Hinterziehungen betreffen das Vermögen – also Konti, Liegenschaften oder Wertgegenstände wie Bildersammlungen oder Goldbarren. 10 Prozent der Leute geben an, einem zuvor nicht deklarierten Nebenerwerb nachzugehen.

Dabei fällt im Kanton Bern auf, dass vor allem die Anzahl der kleineren hinterzogenen Beträge zunimmt (siehe Tabelle). Steuerverwalter Fischer vermutet, dass die Leute sensibilisierter sind und deshalb auch kleinere Beträge oder Vermögenswerte melden.

Anzahl Strafloser Selbstanzeigen nach Höhe Quelle: Steuerverwaltung Kanton Bern

Weil vorwiegend mehr kleine Ausfälle gemeldet werden, ist der Betrag, welcher 2016 insgesamt angezeigt wurde, mit 18,1 Millionen Franken gleich gross wie im Vorjahr. Spitzenreiter war diesbezüglich das Jahr 2013, als 34 Millionen Franken wegen Selbstanzeigen eingenommen wurden.

Allerdings gingen damals allein 12,4 Millionen auf das Konto des grössten Betrügers. 2016 lag der grösste gemeldete Betrag bei 1,9 Millionen Franken, der kleinste bei 220 Franken. Insgesamt wurden im Kanton Bern seit 2010 4850 Fälle gemeldet. Kanton und Gemeinden haben daraus über 115 Millionen Franken eingenommen.

Immer mehr online

Letztes Jahr hat die Anzahl der Leute, die ihre Steuererklärung in der Olineversion Tax Me ­ausfüllen, weiter zugenommen. 53 Prozent nutzen mittlerweile dieses Portal, während nur noch 13 Prozent der Berner ihre Steuererklärung auf Papier einreichen. Auch 30 Prozent der juristischen Personen erfassen ihre Steuererklärung mittlerweile online, obschon das erst seit 2013 möglich ist.

Die Steuerverwaltung will in diesem Bereich weiterhin Fortschritte machen. So soll der Steuerzahler dereinst auch Belege online einreichen können und somit gar kein Papier mehr verschicken müssen. Laut Fischer wird aber weiterhin die Möglichkeit bestehen, die Steuererklärung auch auf Papier auszufüllen.

Berner Zeitung

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