«Ich muss mich bekannter machen»

Grossrat Philippe Müller geht für die FDP ins Rennen um die Nachfolge von Regierungsrat Hans-Jürg Käser. Sein Alter habe ihm bei der partei­internen Ausmarchung gegen Nationalrat Christian Wasserfallen geholfen, glaubt Müller.

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Herr Müller, mit grosser Wahrscheinlichkeit werden Sie 2018 Regierungsrat. Wie fühlen Sie sich am Tag nach der Nomination?
Philippe Müller: Es ist ein schönes Gefühl, und ich bin nach wie vor überwältigt. Allerdings ist die Nomination erst der Bergpreis. Das Ziel ist noch in weiter Ferne, im Frühling nächsten Jahres entscheidet das Volk. Und das ist gut so.

Rechnen Sie nicht damit, dass Sie durchmarschieren können?
Nein, ich muss mich ins Zeug legen, mich bekannter machen und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Mein Profil muss ich im ganzen Kanton vermitteln.

Ungemach droht Ihnen aber höchstens von den Mitte­parteien, die ebenfalls einen Kandidaten aufstellen wollen.
Das stimmt, aber es gilt: Wahltag ist Zahltag.

Bei Ihrem ersten Anlauf vor zwölf Jahren sind Sie ge­scheitert. Die FDP-Delegierten nominierten damals Hans-Jürg Käser. Weshalb hat es diesmal geklappt?
Das ist schwierig zu sagen. Wichtig war vermutlich meine Erfahrung aus der kantonalen Politik und der Wirtschaft sowie meine Lebenserfahrung.

Sie glauben also, dass das Alter eine wesentliche Rolle gespielt hat?
Ja.

Trotzdem hatten Sie mit Nationalrat Christian Wasserfallen einen starken Konkurrenten. Was hat er falsch gemacht?
Ich möchte nicht kommentieren, was andere tun oder lassen.

Wäre Wasserfallen nominiert worden, hätte Claudine Esseiva in den Nationalrat nachrutschen können. Das passte nicht allen. Haben Sie davon profitiert?
(zögert) Ich glaube nicht, dass dies eine grosse Rolle gespielt hat. Vereinzelt dürften Delegierte deshalb für mich gestimmt ­haben. Aber Nominationswahlen für den Regierungsrat sind Persönlichkeitswahlen.

Es hiess aber auch, dass Sie einen «aggressiven» Wahlkampf geführt hätten.
Ich war aktiv, das ist ja auch mein Motto: Müller tut was. Zudem herrscht während eines Wahlkampfs immer eine Art Markt und damit eine Konkurrenz­situation. Wer aktiv ist, Ideen hat und Leute kontaktiert, hat letztlich auch Erfolg. Wichtig ist für mich aber, dass Parteipräsident Pierre-Yves Grivel festgestellt hat, dass niemand – auch ich nicht – eine Regelung verletzt hat.

Wo würden Sie als Regierungsrat Akzente setzen?
Im Kanton Bern sprechen wir oft über Rahmenbedingungen. Diese optimiert man nicht mit einem grossen staatspolitischen Wurf, das ist ein fortlaufender Kampf in der politischen Auseinandersetzung. Ein besonderes Augenmerk möchte ich dabei auf die Infrastruktur, die Bildung und das Ausgabenproblem legen.

Sie haben sich als Sicherheitspolitiker profiliert und sind Major in der Schweizer Armee. Ist die Polizei- und Militär­direktion Ihre Wunschdirektion?
Meine Themenpalette ist breit. Die Betreuungsgutscheine bei den Kindertagesstätten gehen auf einen Vorstoss von mir zurück, ebenso die Steuererleichterungen für Kita-Ausgaben. Ich bin denn auch offen für jede Direktion. Sollte ich gewählt werden, würde ich zudem als einer der Letzten in den Regierungsrat eintreten. Dann müsste ich jene Direktion übernehmen, die übrig bleibt. Aber das gehört zum Kollegialitätsprinzip dazu.

Sie haben bereits angekündigt, höchstens zehn Jahre im Amtzu bleiben. Weshalb?
Ich bin der Meinung, dass Re­gierungsrat ein Verschleissjob ist. Nach acht oder zehn Jahren im Amt ist es gut, wenn neue Kräfte nachkommen. In dieser Zeit würde ich mich aber mit vollem Einsatz für den Kanton Bern einsetzen.

Sie sind auch Präsident der FDP Stadt Bern. Wird nun Fraktionspräsident Bernhard EicherIhr Nachfolger?
Noch bin ich Präsident. Deshalb ist es zu früh, über Namen zu sprechen. Wir thematisieren das zuerst in der Parteileitung. Ich habe aber von Beginn an gesagt, dass ich nicht eine volle Legislatur Präsident sein werde.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 01.06.2017, 17:47 Uhr

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