Hightech aus dem Berner Hinterland

Prix SVC

Wenn etwas schnell, präzis und linear bewegt werden muss, gehört die Schneeberger AG weltweit zu den besten ihres Fachs. Die Roggwiler Firma ist in den letzten Jahren stark gewachsen.

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Quentin Schlapbach@qscBZ

Industrieunternehmen siedeln sich normalerweise an der äusseren Peripherie der Dörfer und Städte an, etwas versteckt von den alltäglichen Blicken der Leute, die den Ort passieren.

In Roggwil ist das anders. Die Schneeberger AG, der grösste private Arbeitgeber der Gemeinde, hat ihren Geschäftssitz mitten im Dorf, keine fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Und die neue Fertigungshalle muss man im Hinblick auf das Ortsbild auch überhaupt nicht verstecken. Sie ist ein Hingucker.

«Wenn es vom Himmel Brei regnet, soll man den Löffel raushalten.» Stefan Hantke, CEO Schneeberger Holding

Bei der Schneeberger AG, die für den Prix SVC Espace Mittelland nominiert ist, erreichte das Wachstum, das man in den letzten Jahren in den Geschäftsbüchern verzeichnete, quasi die andere Strassenseite. Gleich gegenüber dem ursprünglichen Gebäudekomplex steht die neue Halle, ein nach allen Regeln der modernen Baukunst gefertigtes Industriegebäude, das erst vor vier Monaten in Betrieb genommen wurde.

Schnell und präzis

Die neue Fertigungshalle wurde dringend erwartet. Seit Monaten sind die Auftragsbücher voll. Seit 2017 stieg die Zahl der Mitarbeitenden von 286 auf 339. «Wenn es vom Himmel Brei regnet, soll man den Löffel raushalten», sagt Stefan Hantke, CEO der Schneeberger Holding.

Der Industriebetrieb ist unter anderem Zulieferer der Halbleiterindustrie, ein Bereich der Elektroindustrie, der bekannt ist für seine Anfälligkeit auf Konjunkturschwankungen. Momentan läuft es in dieser Branche gut. «Deshalb müssen wir alles daran setzen, dass wir die Kundenwünsche erfüllen können», so Hantke.

Zwar wirtschaftet die Schneeberger AG in einer Branche mit viel Konkurrenz. Aber der Firma ist es in den letzten Jahren gelungen, sich zu spezialisieren. In manchen Bereichen ist sie weltweit Marktführer. 85 Prozent fliessen in den Export. Am Standort Roggwil werden Teile hergestellt, welche in Sachen Präzision und Geschwindigkeit die höchsten Anforderungen erfüllen müssen. Weitere Produktionsstätten liegen in Deutschland, Tschechien und China.

Die Schneeberger AG baut Linearführungen. Das simpelste Beispiel, wie eine Linearführung funktioniert, ist eine Schublade. Sie bewegt sich stets auf einer bestimmten Achse vor und zurück. Nur sind die Linearführungen der Schneeberger AG natürlich um einiges komplexer und müssen die Anforderungen der Hochpräzisionsindustrie erfüllen. Sprich: höchste Genauigkeit und Tragfähigkeit.

Linearführungen, die zum Beispiel in der Messtechnik zum Einsatz kommen, müssen auch im Nanometerbereich noch präzise Ergebnisse liefern. Beispielsweise wird ein Patient, der auf der Liege eines Computertomografie-Geräts Platz nimmt, nicht selten auf Führungen der Schneeberger AG hin und her bewegt. Um solche Instrumente bauen und entwickeln zu können, ist viel Fachwissen nötig.

In sieben Berufen bildet das Roggwiler Unternehmen Mitarbeitende selbst aus, unter anderem als Konstrukteure, Polymechaniker oder Produktionsmechaniker. Die richtigen Fachleute zu finden, sei trotz der Investitionen in die eigene Ausbildung nicht immer leicht, sagt Hantke. Roggwil befindet sich nicht in einer der grossen Metropolregionen der Schweiz. Aber Hantke sieht darin nicht per se einen Nachteil, im Gegenteil. «Wir sind von Roggwil in unter einer Stunde in Zürich, Bern, Basel oder Luzern. Ich erlebe unseren Standort als sehr attraktiv.»

Die Nachfolge ist geregelt

Der gelernte Maschinenbauingenieur ist sich andere Wege gewöhnt. Jahrelang arbeitete er für die deutsche Schaeffler Gruppe, unter anderem in den USA. Den neuen Job trat er als eine Art Statthalter an. Die Schneeberger AG ist ein Familienunternehmen. Hans-Martin Schneeberger, der das Unternehmen 25 Jahre lang führte, hat sich Ende 2017 aus der operativen Führung zurückgezogen und präsidiert nun den Verwaltungsrat.

Sein Sohn hat bereits signalisiert, dass er die Firma übernehmen will. Aber das wird erst in einigen Jahren passieren, und noch sammelt der Sohn ausserhalb des Unternehmens Erfahrungen. In der Zwischenzeit wird Hantke, der sich während seiner ganzen Karriere mit Lineartechnik beschäftigt hat, die Geschäfte führen.

Berner Zeitung

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