«Handlungsfreiheit würde massiv eingeschränkt»

Die Spitalstandort-Initiative würde weder am Kostendruck noch am Personalmangel etwas ändern, warnt Beat Straubhaar, Präsident des Verbands der öffentlichen Spitäler.

Beat Straubhaar, Präsident des Verbands der öffentlichen Spitäler im Kanton Bern.

Beat Straubhaar, Präsident des Verbands der öffentlichen Spitäler im Kanton Bern.

(Bild: Beat Mathys)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Was passiert, wenn die neue Spitalstandortinitiative angenommen wird? Beat Straubhaar: Vor allem würde die Handlungsfreiheit der regionalen Spitalzentren massiv eingeschränkt. Die Verwaltungsräte könnten kaum mehr rechtzeitig auf den wachsenden finanziellen Druck reagieren. Die Initiative steht im Widerspruch zur neuen Spitalfinanzierung auf Bundesebene sowie dem kantonalen Spitalversorgungsgesetz, das der Grosse Rat eben erst im Juni verabschiedet hat.

Die Initiative will die heutigen Standorte mit dem heutigen Angebot sichern. Ein verständliches Anliegen, oder nicht? Natürlich, aber die Spitäler müssen auch betrieben werden können. Dabei denke ich nicht nur an den Kostendruck, sondern vor allem auch an den Mangel an Fachärzten und Pflegefachleuten. Riggisberg ist das beste Beispiel: Wenn die Spital Netz Bern AG für Riggisberg nicht mehr genug Anästhesisten und Gynäkologen findet, wie soll sie dann die Geburtshilfe weiterbetreiben? Das kann man objektiv erklären. Wenn die Politik das Spital trotzdem zwingt, die Geburtshilfe weiterzuführen, weiss ich auch nicht, was passiert. Es gibt Rahmenbedingungen wie der künftige Personalmangel, die mächtiger sind als politische Vorgaben. Sonst müsste die Politik die Vorgaben zu Qualität und Sicherheit reduzieren. Aber das wird kaum jemand wollen.

Die Initianten wollen die fortschreitende Zentralisierung in den Städten aufhalten. Das verstehe ich, aber die Konzentration ist die Folge von verschiedenen Faktoren, welche die Spitäler nicht selber beeinflussen können. Eine grosse Rolle spielt auch die zunehmende Spezialisierung: Die Patienten lassen planbare Eingriffe immer öfter in den städtischen Zentren vornehmen, an denen die entsprechenden Spezialisten arbeiten. Für die peripheren Spitäler bleibt in erster Linie die Notfallversorgung übrig.

Die Initianten befürchten, dass im Kanton Bern weitere Spitäler geschlossen oder verkleinert werden. Ist diese Angst berechtigt, oder sollte sich die Spitallandschaft in der heutigen Form halten lassen? Schwierig zu sagen. Ich rechne in nächster Zeit zwar nicht mit grösseren Veränderungen, aber es kann auch anders herauskommen. Dass im Kanton Bern so viele Spitalstandorte geschlossen werden wie in den letzten Jahren, hatte ja auch niemand kommen sehen. Vieles hängt davon ab, auf welchem Niveau sich die Spitaltarife in den nächsten Jahren einpendeln. Wenn das Bundesverwaltungsgericht dem Preisüberwacher recht gibt und die Tarife so stark senkt, wie er das fordert, wird es auch im Kanton Bern «breit nehmen». Dann werden noch mehrere Standorte schliessen müssen, damit die Spitäler finanziell über die Runden kommen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt