Häuptlinge dringend gesucht

Der stellvertretende Chefredaktor Adrian Zurbriggen zu den Veränderungen im Berner Regierungsrat.

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Also doch: Es kommt zum Generationenwechsel, zur grossen Rundum­erneuerung der Berner Kantonsregierung. Mit den Abgängen von Bernhard Pulver, Barbara Egger und Hans-Jürg Käser treten die drei Amtsältesten 2018 ab.

Doch nicht nur das: Mit Pulver und Egger verliert das Gremium seine zwei starken Figuren, welche die rot-grüne Regierungsära geprägt haben.

Diese Ära ging im Sommer vor einem Jahr mit der bürgerlichen Wende zu Ende. Es passt also, dass Pulver gestern nun auch seinen Rücktritt erklärte und damit den Weg für die grosse Blutauffrischung frei macht. Doch das Vakuum, welche die links-grünen Vordenker Egger und Pulver hinterlassen, ist gross.

Von den verbleibenden vier Regierungsmitgliedern sind Christoph Ammann und Pierre Alain Schnegg erst ein Jahr im Amt. Während Ammann blass geblieben ist, hat Schnegg die Zügel in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion resolut bis rücksichtslos in die Hände genommen. ­Damit hat er viele brüskiert, mutmasslich auch Regierungskollegen. Ob er damit noch zum Regierungshäuptling taugt, wird sich weisen.

Bleiben die künftig amtsältesten Mitglieder, Beatrice Simon und Christoph Neuhaus. An ihnen – gerade als Bürgerliche – wäre es, in Zukunft Führungsstärke zu beweisen. Doch bei beiden sind Zweifel angebracht: Simon gab die letzten acht Jahre die brave Kassenwartin ohne Visionen fürs grössere Ganze. Und Neuhaus sitzt seit bereits zehn Jahren scheinbar völlig ambitionsfrei seine Zeit in der kleinen Justizdirektion, seiner selbst gewählten Diaspora, ab.

Gut möglich also, dass die ­neuen Regierungslokomotiven im Frühling erst noch gewählt werden. Mit Philippe Müller schickt die FDP einen Mann ins Rennen, der das Zeug zum Anführer hat. Interessant wird sein, wie gut er mit Schnegg harmoniert. Politisch sind sie sich zweifelsfrei sehr nahe.

Beide sind zudem ähnlich energisch und gleichermassen führungserprobt. Ob sie als klassische Alphatiere Seite an Seite mit einer ähnlich starken Figur funktionieren können, wird matchentscheidend sein: Funktioniert dieses Männerdoppel, kann die bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat ihr Powerplay spielen.

Falls nicht, könnte ein weibliches Powerduo von links-grüner Seite in die Bresche springen. Treten Evi Allemann und Regula Rytz an, stehen sowohl bei der SP wie auch bei den Grünen politisch versierte Anführerinnen bereit.

Mit geschicktem Taktieren und Paktieren würden sie die bürgerliche Wende von letztem Sommer garantiert auf eine echte Belastungsprobe stellen.

Erstellt: 15.08.2017, 17:42 Uhr

Adrian Zurbriggen, stellvertretender Chefredaktor.
Mail: adrian.zurbriggen@bernerzeitung.ch (Bild: zvg)

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