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Grossräte sprechen für einmal Hochdeutsch

Um eine neue Protokoll-Software zu testen, sollen die Berner Grossräte am Donnerstag nicht Bern-, sondern Hochdeutsch sprechen.

Berner Grossräte, im Bild der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP), die am Donnerstag ans Rednerpult treten, sind angehalten, Hochdeutsch zu sprechen (Archivbild/Christian Pfander).
Berner Grossräte, im Bild der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP), die am Donnerstag ans Rednerpult treten, sind angehalten, Hochdeutsch zu sprechen (Archivbild/Christian Pfander).

Im bernischen Grossen Rat wird am Donnerstagnachmittag für einmal vor allem Hochdeutsch und Französisch zu hören sein, nicht Berndeutsch und Französisch wie sonst jeweils. Grund dafür ist ein Test mit einer Software, welche die Protokollierung der Ratsdebatten stark vereinfachen soll.

Die Parlamentsdienste haben dieses Computerprogramm bereits eingesetzt, um die Verarbeitung berndeutscher Voten zu testen. Das sagte der Generalsekretär des Berner Kantonsparlaments, Patrick Trees, am Mittwoch auf Anfrage.

Nun wollen sie wissen, wie gross der Unterschied zu hochdeutschen Voten ist. Deshalb sind die deutschsprachigen Mitglieder des bernischen Kantonsparlaments eingeladen worden, für einmal die Sprache Goethes zu verwenden. Trees bestätigte damit eine Meldung der Westschweizer Zeitung «Le Matin» vom Mittwoch. Die Verwendung des Hochdeutschen sei aber freiwillig, betonte Trees.

Im Wallis im Einsatz

Die Software, die nun in Bern getestet wird, heisst «Recapp» und steht seit vier Jahren im Grossen Rat des Kantons Wallis im Einsatz. Sie hat dort bei der Protokollierung zu einer Verringerung des Aufwands um bis zu 50 Prozent geführt. Das sagte der Chef des Walliser Parlamentsdiensts, Claude Bumann.

Zu Beginn sei der Aufwand noch gleich gross gewesen wie bei der bisherigen Protokollierung, sagte Bumann weiter. Doch lernt die von einem jungen Walliser Unternehmen kreierte Software dazu.

Eine Woche nach der Ratsdebatte wird nun das Protokoll im Kanton Wallis im Internet veröffentlicht – im Kanton Bern dauert das derzeit mehrere Wochen. Ein weiterer Vorteil von «Recapp» ist, dass man in den Audioprotokollen nach Stichwörtern suchen kann.

Arbeit verbessern, nicht Kosten sparen

Es sei nicht Ziel des Kanton Wallis gewesen, mit dem Einsatz dieses Computerprogramms Personal einzusparen, sagt Bumann weiter. Ziel sei gewesen, die Arbeit zu verbessern. Genau dasselbe sagt Patrick Trees. Auch in Zukunft werde es jemanden brauchen, der die Ratsprotokolle überprüfe und sie freigebe.

Die bernischen Parlamentsdienste testeten «Recapp» aus zwei Gründen. Erstens werde die Politik immer schnelllebiger, wodurch der Druck steige, dass die bernischen Ratsprotokolle schneller vorlägen. «Eine Minute Ratsdebatte zu erfassen, dauert heute acht Minuten. Eine Stunde Debatten somit acht Stunden Arbeit», sagt Trees.

Ein zweiter Grund für den bevorstehenden Test sei, dass es im Kanton Bern immer schwieriger werde, Protokollistinnen zu finden. Wenn der Einsatz des Systems zu Kosteneinsparungen führe, wäre dies natürlich willkommen, so Trees weiter.

Tests an vier Halbtagen

Die Hochdeutsch-Phase im bernischen Grossen Rat wird am Donnerstag von 13:30 bis 16 Uhr dauern. Bis zum März 2018 wollen danach Berns Parlamentsdienste an weiteren drei Halbtagen «Recapp» testen.

Dann wird Trees dem Büro des bernischen Grossen Rats, also dessen Leitungsorgan, den Antrag stellen, das Computerprogramm einzusetzen - oder darauf zu verzichten. Berner Grossräte dürften schon heute Hochdeutsch im Kantonsparlament sprechen, wenn sie wollten: In der Geschäftsordnung des Grossen Rats steht, dass die Beratungen des Rats und seiner Organe «auf Deutsch (Mundart oder Schriftdeutsch)» und Französisch erfolgen.

Im Kanton Wallis sprechen deutschsprachige Grossratsmitglieder seit jeher Hochdeutsch. Bumann hat dort festgestellt, dass «Recapp» mit den deutschen Voten, die meist zuvor schriftlich aufgesetzt wurden, besser zurechtkommt als mit den französischsprachigen.

(SDA)

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