Grosser Rat spricht Kredit für Transitplatz Wileroltigen

Der Grosse Rat spricht sich klar für den Transitplatz an der A1 bei Wileroltigen aus. Die Junge SVP will nun das Referendum ergreifen, und das Dorf fürchtet bereits, dass der Platz bald noch grösser wird.

<b>Der Grosse Rat hat am Mittwoch</b> einen 3-Millionen-Kredit für die Realisierung eines Transitplatzes in Wileroltigen gesprochen (Archivbild).

Der Grosse Rat hat am Mittwoch einen 3-Millionen-Kredit für die Realisierung eines Transitplatzes in Wileroltigen gesprochen (Archivbild).

(Bild: Adrian Moser)

Stephan Künzi

Wileroltigen stiess am Mittwoch mit seinem Nein zum geplanten Transitplatz für ausländische Fahrende auf viel Verständnis im Grossen Rat. Bei Daniel Trüssel (GLP) zum Beispiel, der in die Debatte einwarf: «Es ist sehr wichtig, dass das Projekt keine negativen Folgen für die Gemeinde hat.» Oder bei Sandra Hess (FDP), die betonte: «Es ist nichts als recht, wenn wir Wileroltigen und die umliegenden Weiler nicht allein lassen.»

Genützt hat es nichts. Mit 113 Ja gegen 32 Nein bei 4 Enthaltungen bewilligte das Parlament die notwendigen 3,3 Millionen Franken wie erwartet sehr klar. Mit dem Geld will der Kanton eine Matte direkt an der Autobahn zu einem Platz für 36 Gespanne und bis zu 180 Personen umbauen. Das Stück Land grenzt direkt an den Autobahnparkplatz Wileroltigen und gehört dem Bund. Er hat für die Restparzelle aus der Bauzeit der A1 keine Verwendung mehr.

Neue Ängste im Dorf

Dass der Kanton mit dem Transitplatz nur einen Teil der Wiese belegen wird, sät in Wileroltigen nur noch mehr Unruhe. Zwar strich Evi Allemann (SP) als verantwortliche Regierungsrätin mit Bedacht hervor, dass der Platz an der A1 dereinst ganz sicher nicht vergrössert werde – es nützte nichts. Was heute versprochen werde, sehe morgen vielleicht schon ganz anders aus, so der Tenor bei Armin Mürner und Urs Spack, die als Vertreter von Bürgerkomitee und Gemeinderat die Debatte auf der Zuschauertribüne verfolgten.

Schliesslich habe man es schon einmal so erlebt. Die beiden blickten zurück in die Zeit, in der mit Blick auf die Autobahn das Land im Rahmen einer Güterzusammenlegung neu auf die Bauern verteilt wurde. Jeder habe einen gewissen Prozentsatz für die neue Strasse und die dazugehörenden Bauten hergeben müssen – auch für den Parkplatz, genauer für die grosse Raststätte, die damals noch geplant gewesen sei. Umso grösser sei nun der Zorn darüber, dass nun just das überschüssige Land aus der Zeit dieser hochfliegenden Pläne den Fahrenden zur Verfügung gestellt werde.

«Acht von neun Punkten können wir problemloserfüllen.»Evi Allemann, Regierungsrätin, zum Forderungskatalog aus Wileroltigen

All das erklärt eine Forderung, die am Mittwoch im Grossen Rat auch Thema war. Die Wileroltiger Behörden hatten im Vorfeld der Debatte in neun Punkten formuliert, was sie bei einem Ja zum ungeliebten Transitplatz vom Kan­ton erwarten. «Acht Punkte können wir problemlos erfüllen», führte dazu Regierungsrätin Allemann aus, um dann zu erklären, was es mit dem unerfüllbaren Wunsch auf sich hat: Die Gemeinde hatte gefordert, den auch weiterhin leeren Teil der Restparzelle übernehmen zu können. Damit sie als neue Besitzerin allfälligen Erweiterungsgelüsten wirksam den Riegel schieben könnte.

«Wir wären sogar bereit, etwas zu bezahlen», sagte am Mittwoch dazu Gemeindevertreter Spack. Derweil das zuständige Bundesamt für Strassen gleich abwinkte: Ein Verkauf komme allein deshalb nicht infrage, so Sprecher Thomas Rohrbach, weil der Rest der Restparzelle «als Installationsplatz für kommende Unterhaltsarbeiten auf der A1 fest eingeplant» sei.

BDP und SVP gespalten

Von den Grossrätinnen und Grossräten erntete Regierungsrätin Allemann viel Lob für die Vorlage. Neben GLP und FDP sprachen sich auch SP, Grüne, EVP und EDU für das Projekt aus. Sie argumentierten, mit dem Platz bekomme der Kanton ein wirksames Mittel gegen die problembeladenen Spontanhalte in die Hand, was letztlich allen Gemeinden zugutekomme. Das Areal bei Wileroltigen lasse sich weiter direkt an die A1 anschliessen, liege damit geradezu ideal. Und: Mit den 3,3 Millionen Franken koste das Projekt fast dreimal weniger als die erste Variante bei Meinisberg. Dass der Bund bereit sei, ein Baurecht zum Nulltarif zu gewähren, mache die Sache nur noch besser.

BDP und SVP zeigten sich gespalten, und gerade aus den Reihen der SVP wehte der Vorlage ein steifer Wind entgegen. Einzelredner um Einzelrednerin trat nach den Fraktionserklärungen ans Mikrofon, um hervorzustreichen, dass der Platz eine zu grosse Belastung für ein so kleines Dorf sei. Dass er immer noch zu viel koste. Und dass er von vornherein zu klein dimensioniert sei, wenn man sich den Sommer 2017 vor Augen halte, als 200 Gespanne und bis zu 500 Leute auf dem Areal haltmachten.

Jagd auf Unterschriften

Die Gegner geben auch nach dem Verdikt im Grossen Rat nicht klein bei. Kurz nach der Abstimmung kündigte die Junge SVP an, sie wolle das Referendum definitiv ergreifen. Bringt sie in drei Monaten 10'000 Unterschriften zusammen, hat das Volk an der Urne das letzte Wort.

Berner Zeitung

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