Gesetz will Biker von Abwegen abhalten

Der Entwurf für das überarbeitete kantonale Waldgesetz will das Biken im Wald einschränken. Das löste einen Sturm der Entrüstung aus. Inzwischen haben Biker und Waldbesitzer Lösungen für ein konfliktfreieres Nebeneinander diskutiert.

Was den Biker freut, verscheucht die Waldbewohner.

Was den Biker freut, verscheucht die Waldbewohner.

(Bild: Fotolia)

Susanne Graf

31'242 Personen aus der ganzen Schweiz wehren sich in einer Onlinepetition gegen eine Änderung im Berner Waldgesetz. Lanciert hat die Unterschriftensammlung der Schweizer Radverband Swiss Cycling. Denn ein Artikel im überarbeiteten Gesetz versetzte die Mountainbiker in Alarmbereitschaft. Das Gesetz will das Reiten und Radfahren im Wald beschränken und nur noch auf befestigten Waldstrassen erlauben. Bislang sind Reiten und Radfahren bloss «abseits von Wegen und besonders bezeichneten Pisten» verboten.

«Es wurde übertrieben»

Das Bikernetzwerk Trailnet.ch warnte: «Kommt der Gesetzestext durch, wäre der Mountainbiketourismus im Berner Oberland, aber auch im Berner Jura faktisch tot.» Unter Bikern wurde zum breiten Protest aufgerufen. Swiss Cycling nahm den Kampf auf, weil der schweizerische Verband gar befürchtete, die Gesetzesänderung im Kanton Bern könnte «nationale Signalwirkung» haben.

«Oft wurde auch übertrieben», stellt Rudolf von Fischer im Nachhinein fest. Der Vorsteher des Amtes für Wald hatte mit einer derart geharnischten Reaktion nicht gerechnet. Aber sie gab ihm Gelegenheit, den Bikern klarzumachen, dass Bern keineswegs besonders streng verfahren würde. Andere Kantone wie Freiburg, Luzern, Solothurn, Basel, Thurgau und Zürich hätten bereits ähnliche Regelungen.

Biker kontra Waldbesitzer

Die Biker kritisierten in der ersten Empörung, dass das Gesetz dem Bedürfnis von 50'000 bikenden Bernerinnen und Bernern «in keinster Weise Rechnung» trage. Doch diesen 50'000 Bikern stehen die Bedürfnisse von 35'000 Berner Waldbesitzern entgegen. Rudolf von Fischer nutzte den Aufschrei auch, um die beiden Parteien – und zusätzlich Vertretungen der Reiterinnen und Reiter, die ebenfalls zu Protesten aufgerufen hatten – an einen runden Tisch zu bringen. Es sei «in einem sehr guten Klima» diskutiert worden, rapportiert von Fischer. Und siehe da: Die Waldbesitzer beharren nicht mehr auf einer zusätzlichen Einschränkung für Reiter und Biker – allerdings unter einer Bedingung: «wenn die Politik umsetzbare Lösungen für die Entschädigung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen findet». Das sei «sozusagen das Faustpfand der Waldeigentümer »gewesen, sagte Trailnet-Präsident Samuel Hubschmid auf Anfrage dieser Zeitung gestern. Doch er warnte vor falschen Hoffnungen: Die Biker würden sich nicht dazu einspannen lassen, für diese Forderung der Waldbesitzer zu kämpfen. Sie hätten diese «zur Kenntnis genommen», sagte Hubschmid.

Ein Ehrenkodex

Hingegen hat sich Trailnet bereit erklärt, «einen umfassenden Ehrenkodex zum Verhalten im Wald auszuarbeiten und unter seinen Mitgliedern zu verbreiten». Zudem wollen Biker und Reiter mit Waldbesitzern künftig vermehrt nach Lösungen suchen und Vereinbarungen treffen. Dies werde helfen, «das Nebeneinander der Waldbenützer konfliktfreier zu gestalten», steht in der Mitteilung.

Doch weil Reiter und Radfahrer nicht die Einzigen sind, die den Wald zunehmend in Anspruch nehmen, kämpfen die Waldbesitzer weiterhin dafür, dass sie für ihre gemeinwirtschaftlichen Leistungen entschädigt und von Haftungsrisiken ausgeschlossen werden.

In den Vernehmlassungsantworten sprechen sich lediglich Pro Natura und der Forstverband ausdrücklich für die zusätzliche Einschränkung der Biker aus. Auch den Burgergemeinden, geht das kategorische Verbot zu weit. Ihr Verband prophezeit neue Konflikte: Wenn Biker auf Waldwegen kanalisiert würden, müssten andere Waldbenützer ausweichen, und es würden neue Trampelpfade entstehen, gibt er zu bedenken.

Berner Zeitung

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