Gefängnis-Chefs wehren sich gegen Käsers Pläne

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) baut das Amt für Freiheitsentzug und Betreuung um. Die Direktoren der Anstalten Thorberg, Witzwil, Hindelbank und St. Johannsen wehren sich gegen einen Machtverlust.

In der Kritik: Hans-Jürg Käser.

In der Kritik: Hans-Jürg Käser.

(Bild: Andreas Blatter)

Derzeit reorganisiert Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) das Amt für Freiheitsentzug und Betreuung. Die wichtigste Neuerung: Die heute von Amtsleiter Thomas Freytag und seinem Stellvertreter Laszlo Polgar geleiteten Gefängnisse, Heime und Strafvollzugsanstalten sowie die zentralen Dienste sollen neu fünf Bereichsleitern unterstellt werden.

Hintergrund ist die Affäre um den Ex-Thorberg-Direktor Georges Caccivio. Eine externe Untersuchung kritisierte auch dessen damaligen Vorgesetzten, Amtsvorsteher Martin Kraemer. Dieser habe zu sehr an der langen Leine geführt und überhaupt ein Führungsverhalten gezeigt, das in zentralen Punkten den Prinzipien eines wirksamen Managements widerspreche.

Betroffene wollen Marschhalt

Wie SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl in einem Vorstoss schreibt, passt die Reorganisation jedoch nicht allen Beteiligten. Denn durch die neue Führungsebene werden die Direktoren der Strafvollzugsanstalten Thorberg, Witzwil, Hindelbank und St. Johannsen de facto entmachtet. Nicht mehr sie, sondern die fünf neuen Bereichsleiter sollen künftig in der Geschäftsleitung des Amtes Einsitz nehmen.

Die Anstaltsdirektoren könnten künftig, so schreibt Krähenbühl im Vorstoss, nur noch eingeschränkt Verträge abschliessen oder Personal einstellen. Daher will der SVP-Grossrat von der Regierung wissen, ob die Direktoren der Haft- und Vollzugsanstalten mit ihrer weitgehenden Entmachtung einverstanden seien.

Wer bei den Anstaltsleitern ­direkt nachfragt, stösst auf eine Mauer des Schweigens. Auch Krähenbühl will die im Vorstoss gemachten Äusserungen nicht weiter ausführen. Wie jedoch Recherchen zeigen, haben drei der vier Anstaltsdirektoren bei Polizeidirektor Käser verlangt, die Reorganisation zu stoppen. Dies, weil das Projekt weder auf Kostenseite noch hinsichtlich der Qualität Verbesserungen bringe.

Retraite soll Probleme lösen

Bei der Polizei- und Militärdirektion will man sich nicht zum ­laufenden Projekt äussern. Die Arbeiten würden wie geplant vor­anschreiten, sagt Generalsekretär Andreas Michel. Zudem werde in Kürze über die Neube­setzung der Geschäftsleitung orientiert. Laut gut informierten Kreisen hatte Käser kein Gehör für die Forderung der Anstaltsleiter. Stattdessen soll er ihnen und dem Amtsleiter eine Retraite verordnet haben: Bis Ende Juni müssen die Probleme aus der Welt geschafft sein.

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