Galenica will Online-Champion werden

Durch eine aggressive Expansion hat die Berner Galenica-Gruppe das grösste Apothekennetz der Schweiz aufgebaut. Sie will weiter wachsen, auch im Internet.

Jean-Claude Clémençon, Chef von Galenica. Foto: zvg

Jean-Claude Clémençon, Chef von Galenica. Foto: zvg

Julian Witschi

Wer Medikamente und Gesundheitsprodukte kauft, landet ­immer häufiger bei Galenica. Ihr gehören die Apothekenketten Amavita und Sun Store, sie ist an Coop Vitality beteiligt und ist Partnerin der Feelgood’s-Apo­theken. Total sind es erstmals über 500 Standorte in der ganzen Schweiz.

Im vergangenen Jahr schnappte sich Galenica mit der Apotheke im Zürcher Hauptbahnhof auch noch die umsatzstärkste des Landes. Die Zahl der eigenen Standorte stieg um 8 auf 345. «Wir werden weiter wachsen», sagte Konzernchef Jean-Claude Clémençon gestern an der Jahresmedienkonferenz in Bern. Sein Ziel sind 5 bis 15 neue Apotheken pro Jahr.

Expandieren will Galenica auch im Internet. «Wir wollen Online-Champion werden im Schweizer Gesundheitsmarkt», verkündete Clémençon. Das bezieht er nicht nur auf die Apotheken, sondern auch auf die beiden anderen Bereiche des Konzerns. Als führende Pharmagrossistin beliefert sie auch Drogerien, Heime, Spitäler und Ärzte mit Gesundheitsprodukten und bietet IT-Dienste an.

Zudem vermarktet Galenica eigene Marken wie das Schmerzmittel Algifor oder den Insektenschutz Anti-Brumm. Neu ist Galenica der Schweizer Vertreiber der Vicks-Erkältungsprodukte und verkauft alternative Naturheilmittel des in Worb ansässigen Herstellers Spagyros.

Versand bleibt beschränkt

«Eines Tages wollen wir das gesamte Sortiment von über 100'000 Produkten online den Endkunden und Patienten anbieten können», sagte Clémençon. Allerdings dürfen Apotheken heute nur mit einer speziellen Bewilligung rezeptpflichtige Medikamente direkt nach Hause verschicken.

So darf die Galenica-Tochter Mediservice chronisch Kranke beliefern. Im Webshop der anderen Apotheken können die Kunden zwar ein Medikament online bestellen, müssen es aber in einer Filiale abholen, wo sie von einer Fachperson beraten werden. Dies erklärt, warum Galenica trotz dem allgemein wachsenden Onlinehandel die Zahl der Apothekenstandorte weiter erhöhen will.

Eine Liberalisierung des Medikamentenversands wird zwar immer wieder diskutiert. Zuletzt hat dies aber vor einem Monat die zuständige Nationalratskommission abgelehnt. Sollte es doch dazu kommen, dann ist Galenica laut Clémençon dafür bestens gerüstet.

Dagegen sind der Politik die hohen Margen bei Medikamenten ein Dorn im Auge. Sie hat deshalb Preissenkungen verordnet. Dies dämpfte bei Galenica das Wachstum. Der Umsatz wuchs im vergangenen Jahr nur um 0,8 Prozent auf 3,165 Milliarden Franken, wie der Konzern im Januar bekannt gegeben hatte. Der Reingewinn kletterte um ein Viertel auf 147,7 Millionen Franken. Unter Ausklammerung von Einmaleffekten betrug das Plus 9,5 Prozent.

Eine Frau präsidiert künftig den Verwaltungsrat

Die Zahl der Mitarbeitenden stieg um 266 auf 6580. Davon sind 5079 Frauen, was einem Anteil von 77 Prozent entspricht. Topverdiener ist mit Konzernchef Jean-Claude Clémençon ein Mann. Sein Salär betrug im vergangenen Jahr 1,18 Millionen Franken. Im Vorjahr hatte er für die neun Monate nach dem Börsengang und der Abspaltung vom Pharmahersteller Vifor anteilsmässig praktisch gleich viel erhalten, nämlich 0,89 Millionen Franken.

Der Verwaltungsrat wird künftig voraussichtlich von einer Frau präsidiert. Die Generalversammlung im Mai soll die bisherige Stellvertreterin Daniela Bosshardt-Hengartner zur Nachfolgerin von VR-Präsident Jörg Kneubühler wählen.

Berner Zeitung

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