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Für kurze Zeit ein Held

Laura Fehlmann berichtet von ihrem Bergsommer auf der Alp – diesmal vom angriffigen Hahn namens Macho.

Der Hahn auf der Alp ist nach wie vor angriffig. Man kann nur mit dem Besen in der Hand ums Haus gehen. Nähert sich der Vogel in feindlicher Absicht, muss man mit dem Besen auf den Boden schlagen, dazu laut ein paar böse Worte rufen – und weg ist er. Wenigstens vorläufig.

Dabei ist Macho tapfer, beziehungsweise er war es vor ein paar Tagen. Als sein Harem eines Abends in lautes Gegacker ausbrach und Rosmarie Siegenthaler zum Nachschauen hinausging, sah sie, wie Macho einen Fuchs vertrieb und ihn so hinderte, ein Huhn zu fangen.

Wie ein Held habe sich der Hahn auf den Fuchs gestürzt, und dieser sei geflüchtet. Nach dieser eindrücklichen Tat mutierte der aggressive Güggel schlagartig zum Helden. Auch für seine Besitzer. Flog er einem unschuldigen menschlichen Opfer auf den Rücken oder an die Beine, kriegte die geschockte Person zu hören, wie heldenhaft Macho den Fuchs vertrieben habe.

Diese Phase dauerte aber bloss zwei Tage. So lange nämlich, bis plötzlich ein Huhn fehlte und hier und dort eine Feder herumwirbelte. Aha. Der Fuchs war schlauer als der Hahn. Und mit einem Schlag war Macho wieder ein ganz normaler, angriffiger Güggel. Als er heute auf der Terrasse sass und ohne Pause krähte, meinte sogar Bauer Hans-Ulrich Siegenthaler: «Was kräht der Güggel eigentlich die ganze Zeit?»

Und ich finde: Echte Helden sind bescheiden und vor allem still und leise.

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