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Frauenklinik nicht erdbebensicher - Sofortmassnahmen nötig

Die Berner Frauenklinik ist nicht erdbebensicher und muss dringend saniert werden. Die Sanierung beginnt noch diese Woche, der Betrieb wird nicht eingestellt. Noch unklar ist, wer haftet.

Um das Abgleiten der Träger von den Stützen zu verhindern ist eine Sanierung notwendig.
Um das Abgleiten der Träger von den Stützen zu verhindern ist eine Sanierung notwendig.
zvg

Weil bei einer Routineinspektion im Jahr 2007 Mängel an der Fassade entdeckt wurden, musste die einst für 124 Millionen Franken erstellte Berner Frauenklinik bereits nach sechs Jahren saniert werden.

Im Sommer 2007 stellte das Inselspital Schäden an Lagern der Tragkonstruktion fest. In einem technischen Bericht schlug ein Ingenieursbüro nicht dringliche Sanierungsmassnahmen vor.

In einem zweiten Gutachten wurden schwerwiegende Baumängel festgestellt, die Sofortmassnahmen erforderten. Diese wurden im Frühjahr 2009 umgesetzt. Die Stützlager des Gebäudes wurden für insgesamt 150'000 Franken stabilisiert.

Nicht erdbebensicher Die Frauenklinik sei nun wieder gleich stabil wie bei der Betriebsaufnahme im Jahr 2002, entspreche aber nicht den Baunormen für Erdbebensicherheit, teilte Dr. Urs Birchler, Direktionspräsident des Inselspitals, am Dienstagmorgen mit. Das Gebäude habe aber nie den SIA-Normen entsprochen, obwohl man immer davon ausgegangen sei.

Der Standort Bern liege zwar in einer Zone mit kleiner Erdbebengefahr, trotzdem bestehe aus Sicherheitsgründen unmittelbarer Handlungsbedarf.

Zusammen mit Baufachleuten hat die Spitalleitung nötige Massnahmen getroffen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Die Umbauarbeiten an der Südfassade beginnen noch am Dienstag und sollen sechs bis zu acht Wochen dauern. Die Kosten belaufen sich auf 400'000 bis 500'000 Franken.

Auch wenn 90 Prozent der Bauwerke in der Schweiz nicht erdbebensicher sind, sei dies für ein Spital unerlässlich. «Zum Glück sind wir nicht in den Abruzzen», so Birchler. Die Fassade werde momentan drei Mal pro Woche getestet.

Betrieb wird aufrecht erhalten

Da die Arbeiten ausserhalb des Gebäudes erfolgen, kann der Betrieb der Frauenklinik während der Sanierung aufrecht erhalten werden. Allerdings verursache der Umbau starken Lärm.

Die in der Frauenklinik behandelten Patienten benötigten mehrheitlich eine hochspezialisierte medizinische Behandlung, teilte Prof. Andreas Tobler, Ärztlicher Direktor, mit. Ausweichmöglichkeiten seien daher schweizweit nur sehr beschränkt oder gar nicht vorhanden. Zudem sei das gesundheitliche Risiko einer Nicht-Behandlung oder eines Transportes in ein anderes Spital höher als das Risiko eines Erdbebens in Bern.

Haftungsfrage ungeklärt

Im Rahmen der Sanierung lässt das Inselspital auch noch den Gesamtsanierungsbedarf abklären. Da die Inselspitalstiftung nicht Bauherrin des beschädigten Gebäudes war, ist noch unklar, wer die Sanierungsarbeiten bezahlen muss. Die Bauherrschaft lag beim Kanton und der Eigentums-Übertrag an die Inselspitalstiftung fand erst im Jahr 2005 statt. Deshalb werde noch diese Woche eine Mängelrüge erfolgen, so Birchler. Diese richte sich an die Generalunternehmung.

Es sei davon auszugehen, dass die ganze Angelegenheit zu «Juristenfutter» werde. Es handle sich um einen sogenannten «versteckten Mangel». Die Bauherrschaft lag beim Kanton. Dreiecksverhältnisse seien geschäftlich wie privat schwierig. Das Grundgefühl sei aber schon ungut, weil man Besseres zu tun habe, als ständig zu sanieren, so der Direktionspräsident. Die Situation in einem Gebäude das im Grundsatz ein Problem hat, sei aber eigentlich untragbar.

Spital zahlt vorerst

Die Kosten übernimmt vorerst das Spital. Im Vordergrund stehe momentan die Versorgung der Patienten und deren Sicherheit. Da das Gebäude aber noch 60-80 Jahre stehen solle, werden sicher noch weitere Sanierungsmassnahmen nötig sein. Die Kosten für eine Gesamtsanierung seien noch nicht eruierbar.

Das neue KVG würde es dem Inselspital in Zukunft erlauben, selbst zu bauen. Das Gesetz müsse allerdings zuerst durchkommen. Damit würden sich auch Dreiecksbeziehungen verhindern lassen, so Bernhard Leu, Direktor Betrieb des Inselspitals.

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