Frauen gelten als gleich kompetent wie Männer

Mit den Rollen änderten sich auch die Stereotypen seit den 1940er-Jahren. Das zeigt eine neue Studie.

Chantal Desbiolles

Foto: AFP

«We can do it!» Der Slogan steht in der Sprechblase über dem Kopf von Rosie, der Nieterin. Unter dem rot-weiss gepunkteten Kopftuch trägt die stilisierte Arbeiterin Überzeugung im Gesicht und einen blauen Overall.

Sie stellt ihren Bizeps mit angewinkelter Faust zur Schau. Die personifizierte Patriotin, die später die Feminismusbewegung für sich entdeckt, schuf das amerikanische Kriegsinformationsamt, um Hausfrauen während des Zweiten Weltkriegs für die Rüstungsindustrie anzuwerben.

Fünf Jahre später wurde in Amerika eine Meinungsumfrage durchgeführt. Es sollte die erste von insgesamt sechzehn national repräsentativen Umfragen sein, die einem Team um zwei Forscherinnen der Uni Bern eine breite Studie ermöglichten. Christa Nater und Sabine Sczesny vom Institut für Psychologie, Sozialpsychologie und Soziale Neurowissenschaft konnten mit Unterstützung der Northwestern University in Illinois belegen: Die Vorstellungen über die Eigenschaften von Frauen und Männern haben sich während sieben Jahrzehnten verändert.

Die Autorinnen Christa Nater (l.) und Sabine Sczesny. Foto: PD

Das liegt daran, dass sich auch die sozialen Rollen gewandelt haben. Seit dem Zweiten Weltkrieg streben Frauen höhere Bildungsabschlüsse an und haben ihren festen Platz in der Arbeitswelt. Es gibt allerdings Unterschiede unter den Geschlechterstereotypen, dazu haben dieForscherinnen im Fachblatt «American Psychologist» einen Artikel verfasst. Die Uni Bern informierte am Donnerstag über ihre Erkenntnisse.

Vergleichbar mit der Schweiz

Mittlerweile gelten Frauen demnach als gleich kompetent oder sogar kompetenter als Männer. Die wahrgenommene Kompetenz von Frauen hat in den USA seit 1946 deutlich zugelegt.

Über 30'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ordneten bestimmte Eigenschaften eher Frauen, Männern oder beiden zu: «mitfühlend», «liebevoll», «sensibel» einerseits; «ehrgeizig», «aggressiv» und «entscheidungsfreudig» andererseits. In der stereotypen Kategorie Kompetenz («intelligent», «organisiert» und «kreativ») holten die Frauen deutlich auf.

Vor 72 Jahren hatte eine Mehrheit den Männern mehr Kompetenz zugeschrieben. Jeder Dritte, jede Dritte hielt die Geschlechter für gleichermassen intelligent. Die aktuellste Umfrage zeigt ein ganz anderes Bild: 86 Prozent hielten 2018 sie für ebenbürtig. 9 Prozent ordnen gar den Frauen die grössere Kompetenz zu.

Was für die USA gilt, lasse sich auch auf die Schweiz übertragen, sagt Nater. Weil sich gemäss hiesigen statistischen Daten die sozialen Rollen von Frauen und Männern in dieselbe Richtung entwickelt haben wie in den USA.

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