Französischbuch ist noch nicht fertig überarbeitet

Obschon das Schuljahr bereits begonnen hat, fehlt für die Achtklässler das definitive Französischlehr­mittel. Die Überarbeitung des kritisierten Schulbuchs ist noch nicht abgeschlossen.

Marius Aschwanden

Der Schulverlag plus hinkt mit der Überarbeitung des Französischlehrmittels «Clin d’œil» für die Oberstufe hinterher. Für das laufende Schuljahr existiert noch keine definitive Version für die 8. Klasse – obschon die Lehrer seit zwei Wochen damit unterrichten müssen. Konkret lieferte der Verlag, der je zur Hälfte den Kantonen Bern und Aargau gehört, nur die ersten beiden von fünf Teilen aus.

Die restlichen drei werden in einer zweiten Tranche bis Ende Jahr verschickt. Das schreibt der Verlag in einem Informationsbrief für Schüler und Lehrer. Zudem wurden im Übersichtsheft «Revue» einige Seiten leer gelassen. Darauf steht etwa einzig die Überschrift «Vocabulaire de classe» (Klassenwortschatz). «Wörtli» aber sind keine aufgeführt.

Kanton ist unzufrieden

Als Begründung für die Verzögerung schreibt der Schulverlag, dass nach einem ein Jahr dauernden Test in dreissig Klassen «teils grössere Anpassungen» notwendig gewesen seien. Auch die Berner Erziehungsdirektion forderte vor einiger Zeit eine Überarbeitung der Französischbücher. Sie reagierte auf Kritik von Lehrern und Eltern. Das Lehrmittel habe keine Struktur und die Grammatik sowie der Alltagswortschatz kämen zu kurz, hiess es.

Die notwendigen Anpassungen waren anscheinend aufwendiger als angenommen. «Die Zeit hat nicht gereicht, die Lehrmittel bis zum Beginn des neuen Schuljahres fertig zu überarbeiten», sagt Projektleiter Peter Uhr. Deshalb habe sich der Schulverlag für eine «Ausnahmelösung» mit zwei Tranchen entschieden.

Ende Jahr würden neben den restlichen Teilen auch die leeren Seiten im «Revue»-Heft nachgeliefert und könnten eingeklebt werden. Auf den Unterricht habe das alles keine Auswirkungen, sagt Uhr. «Die fehlenden Materialien werden erst im neuen Jahr benötigt.» Auch finanzielle Konsequenzen für die Gemeinden, die für die Beschaffung der Lehrmittel zuständig sind, gebe es nicht. «Die Nachlieferung ist kostenlos.»

Keine Freude an der Verzögerung hat man bei der Erziehungsdirektion. «Die Situation ist tatsächlich etwas unschön», sagt Erwin Sommer, Vorsteher des Amtes für Kindergarten, Volksschule und Beratung. Der Kanton könne aber nur zwischen zwei Übeln das geringere wählen. Entweder lasse sich der Verlag länger Zeit mit der Überarbeitung und liefere die komplette neue Version erst in ein oder zwei Jahren.

«Oder wir nehmen die tranchenweise Lieferung in Kauf und haben dafür ­bereits in diesem Schuljahr eine überarbeitete Ausgabe», sagt Sommer. Aufgrund der Kritik sei ihm die zweite Lösung lieber. Die Anpassungen kosten den Kanton nichts. «Das geht zulasten des Schulverlages.» Gesamthaft hat die Entwicklung der neuen Französischlehrmittel den Verlag 10 Millionen Franken gekostet.

Französisch im Grossen Rat

Unzufrieden mit der Situation ist auch Franziska Schwab, Leiterin Pädagogik von Bildung Bern. Der Lehrerverband habe seit Beginn des Frühfranzösischprojekts kritisiert, dass die Lehrmittel jeweils erst kurz vor Schuljahresanfang fertiggestellt würden. «Durch die notwendige Überarbeitung hat sich diese Problematik noch verschärft», sagt Schwab. Trotzdem ist sie froh, dass der Verlag die Kritik ernst genommen und reagiert habe.

Die Französischlehrmittel beschäftigen auch bereits wieder die Politik. So will Grossrat Samuel Krähenbühl (SVP, Unterlangenegg ) in einer Anfrage wissen, welche Folgen die noch nicht fertiggestellte Überarbeitung von «Clin d’œil» für den Kanton und den Schulverlag hat. Zudem werden in der Septembersession des Grossen Rates zwei Vorstösse von Donat Schneider (SVP, Diessbach) und Hans-Peter Kohler (FDP, Köniz) behandelt, welche die Didaktik des Lehrmittels betreffen.

Berner Zeitung

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