«Firmen nehmen Bern als Schlusslicht wahr»

Eine Senkung der Unternehmenssteuern stärkt den Kanton Bern als Wirtschaftsstandort: Mit diesem Argument wirbt der Regierungsrat für die Steuergesetzrevision 2019.

Daumen hoch vom Regierungsrat für die Steuergesetzrevision: Das letzte Wort hat am 25. November das Berner Stimmvolk.

Daumen hoch vom Regierungsrat für die Steuergesetzrevision: Das letzte Wort hat am 25. November das Berner Stimmvolk.

(Bild: Adrian Moser)

Philippe Müller

Ende November stimmt der Kanton Bern über eine Senkung der Gewinnsteuern für Unternehmen ab. Der Regierungsrat betont, dass der Steuersatz für Firmen wichtig sei und der Kanton zunehmend unter Druck gerate.

Man dürfe sich keine Illusionen machen: Bern werde in der Rangliste aller Kantone möglicherweise auch dann noch am Ende positioniert sein, wenn die Stimmbevölkerung am 25. November Ja zur Gewinnsteuersenkung für Unternehmen sage. «Trotzdem gibt es gute Gründe, diese Steuergesetzänderung anzunehmen», sagte die kantonale Finanzdirektorin Beatrice Simon (BDP) am Montag vor den Medien. Einer der wichtigeren: «Der Kanton Bern kann sich die Senkung der Gewinnsteuern von 21,64 auf 18,71 Prozent leisten.»

Killerargument Steuersatz

Für die Gemeinden, die bei einer Steuersenkung 2019 Mindereinnahmen von 22,5 Millionen Franken, ab 2020 von insgesamt 51,5 Millionen pro Jahr verkraften müssten, hatte Simon auch eine gute Nachricht: Sollte auf Bundesebene die Steuervorlage 17 angenommen werden, würde der Kanton Bern ein Drittel dieser Mehreinnahmen an die Gemeinden verteilen. Nach heutigem Kenntnisstand wären das ab 2021 jährlich rund 23 Millionen Franken. Davon profitieren würden jene Gemeinden, die von der nun diskutierten kantonalen Gewinnsteuersenkung betroffen wären. Gemeinden ohne betroffene Firmen bekämen keinen Zustupf.

Der Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) ist im Gegensatz zu seiner Partei ein klarer Befürworter der Vorlage. «Die Unternehmer, mit denen wir sprechen, nehmen Bern in der Steuerfrage als Schlusslicht wahr.» Es könne negative psychologische Effekte nach sich ziehen, wenn Firmenchefs die Standortfrage diskutierten. Ammann betonte – ohne konkrete Namen und Zahlen zu nennen –, dass der Kanton Bern wegen der hohen Steuerbelastung hier ansässige Firmen verloren habe, unter anderem letztes Jahr. Zudem habe sich ein grosses internationales Unternehmen in einem anderen Kanton angesiedelt, weil der heutige Steuersatz von über 20 Prozent ein Killerargument gewesen sei.

Der Leiter der kantonalen Standortförderung, Sebastian Friess, gab Ammann recht. «Die mehr als hundert Firmen, mit denen wir jedes Jahr in Kontakt stehen, diskutieren mit uns häufiger als früher über die Steuerbelastung.» Der Steuersatz sei zwar nicht der einzige entscheidende Standortfaktor. «Aber er ist wichtig», so Friess.

Berner Zeitung

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