Kanton streicht Freistunden für seine Angestellten

Bislang erhält das Kantonspersonal in Bern, Thun und Burgdorf an Zibelemärit, Ausschiesset und Solätte zwei Stunden frei. Damit ist es bald vorbei.

Am Zibelemärit erhält das Kantonspersonal in der Stadt Bern nur noch dieses Jahr zwei freie Stunden.

Am Zibelemärit erhält das Kantonspersonal in der Stadt Bern nur noch dieses Jahr zwei freie Stunden.

(Bild: Beat Mathys)

Sandra Rutschi

Es gibt Feste, an denen das rest­liche Leben in einer Stadt so gut wie stillsteht. Zum Beispiel am Zibelemärit in Bern, am Ausschiesset mit dem Fulehung in Thun und an der Solätte in Burgdorf.

An diesen drei traditionellen Anlässen von regionaler Bedeutung darf sich das Kantonspersonal am jeweiligen Standort etwas zurücklehnen: 1997 beschloss die Regierung, die Sollarbeitszeit für einen 100-Prozent-Angestellten um jeweils zwei Stunden zu reduzieren. Doch nun ist damit Schluss: Gemäss der Personalzeitung der Kantonsverwaltung fallen die beiden Freistunden ab 2019 weg.

Auslöser für den Entscheid ist ein parlamentarischer Vorstoss, der jedoch das Gegenteil der Streichung im Sinn hatte: 2016 fragte der damalige bernjurassische EVP-Grossrat Patrick Gsteiger (Eschert) nach, ob die Regierung auch den Chaindon-Markt in Reconvilier als traditionelles Fest anerkennen und folglich allen Kantonsangestellten im Berner Jura die beiden Freistunden gewähren würde.

Der Chaindon-Markt findet immer am ersten Montag im September statt und war lange Zeit der grösste Pferdemarkt Europas. Auch heuer sind über 500 Händler und Schausteller aus aller Welt sowie rund 50 000 Besucher vor Ort.

«Ein alter Zopf»

Nach Gsteigers Vorstoss diskutierte die Regierung mit den Personalverbänden über eine Lösung, mit der all diese Anlässe gleich behandelt würden. Und kam zum Schluss, dass die bisherige Regelung als «alter Zopf» bezeichnet werden muss, sagt Beat Zimmermann, stellvertretender Leiter des Personalamts. Bereits in der Antwort auf Gsteigers Vorstoss hielt die Regierung fest, dass sie noch aus einer Zeit mit un­flexiblen Arbeitszeitmodellen stammt.

Mit dem heute geltenden Jahresarbeitszeitmodell hätten die Angestellten die nötige Flexibilität, um an den Anlässen teilnehmen zu können. Wie viel Geld der Kanton Bern mit dieser Massnahme einspart, hat er nicht beziffert. «Allfällige Einsparungen dürften jedoch gering sein», so Zimmermann.

Für die Gewerkschaft VPOD sind die beiden gestrichenen Stunden an den drei Festen «nicht matchentscheidend», wie Gewerkschaftssekretärin und SP-Grossrätin Béatrice Stucki sagt. «Mit der aktuellen Regelung gibt es zudem immer Verlierer und Verliererinnen. Etwa Mitarbeitende im Schalterdienst», so Stucki.

Dennoch macht sich der VPOD für eine Kompensation der beiden Stunden an einem jener Tage stark, an denen alle Kantonsangestellten etwas davon hätten, nicht nur jene mit Arbeitsplatz in den betroffenen Städten. Etwa mit zwei Stunden mehr frei am Gründonnerstag oder dem Freitag vor Pfingsten. «Oder am 1. Mai, dem Tag der Arbeit.» Die Angestellten der Stadt Bern sowie alle Arbeiter in den Kantonen Zürich und Basel-Stadt haben dann den ganzen Tag frei.

Zwei freie Vormittage

Allerdings haben die Kantonsangestellten heuer punkto Arbeitszeit auch Grund zur Freude: Denn die Regierung hat die beiden Montagvormittage vom 24. und 31. Dezember als arbeitsfrei erklärt. Der eine Halbtag geht zulasten des Arbeitgebers, den anderen kompensieren die Angestellten. «Es ist wenig sinnvoll, den gesamten Betrieb in der Verwaltung zu Wochenbeginn für ­jeweils nur einen halben Tag aufzunehmen, um ihn dann bereits nach wenigen Stunden wieder für zweieinhalb Tage zu schliessen», sagt Zimmermann.

Es sei aus ökologischen und ökonomischen Gründen unverhältnismässig, für nur je einen halben Tag in den Verwaltungsgebäuden die Heizleistungen zu erhöhen. Zudem sei zu erwarten, dass an den öffentlichen Schaltern kaum Publikumsverkehr herrschen werde.

Auch hier schätzt Zimmermann die Kosten eines halben Tages bezahlten Urlaubs als gering ein, ohne sie beziffern zu können. Zudem stünden diesen Kosten die erwähnten Einsparungen unter anderem bei den Heizkosten gegenüber.

Berner Zeitung

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