Etappensieg für den Detailhandel

Der Regierungsrat schlägt vor, die Öffnungszeiten am Samstag bis um 18 Uhr zu verlängern. Die Gewerkschaften kündigen bereits ein Referendum an.

An Samstagen sollen die Läden im ganzen Kanton Bern bis um 18 Uhr geöffnet haben können. Bild: Daniel Christen

An Samstagen sollen die Läden im ganzen Kanton Bern bis um 18 Uhr geöffnet haben können. Bild: Daniel Christen

Benjamin Bitoun

Lange Zeit galt die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten im Kanton Bern als chancenlos. Nun fasst sich der Berner Regierungsrat ein Herz und nimmt einen Anlauf. Am Freitag hat er eine entsprechende Revision des Handels- und Gewerbegesetzes in die Vernehmlassung geschickt. Diese sieht einerseits vor, die Ladenöffnungszeiten am Samstag um eine Stunde bis 18 Uhr zu verlängern.

Andererseits soll der vom Bundesrecht vorgegebene gesetzliche Rahmen von insgesamt vier bewilligungsfreien Sonntagsverkäufen künftig voll ausgeschöpft werden. Aktuell lässt das Berner Gewerbegesetz nur deren zwei zu.

Auf den ersten Blick scheint der Zeitpunkt für die angekündigte Ausweitung der Ladenöffnungszeiten überraschend. Denn damit greift der Regierungsrat einer Motion der Berner FDP vor, die dasselbe forderte und noch gar nicht im Grossen Rat behandelt worden ist. Den Anlass dafür habe ein anderer politischer Vorstoss geboten, sagt der Berner Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP).

Die vom Kantonsparlament geforderte gesetzliche Gleichbehandlung von E-Zigaretten und anderen Rauchwaren mache sowieso eine Revision des Gesetzes über Handel und Gewerbe nötig. «Da macht es aus Effizienzgründen Sinn, die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten gleichzeitig anzupacken und nicht zu warten, bis die Motion mit der gleichen Forderung im Rat diskutiert wird», so Ammann.

Detailhändler erfreut

Die IG Detailhandel begrüsst die geplante Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten. Die Anpassung des geltenden kantonalen Handels- und Gewerbegesetzes trage den veränderten Konsumgewohnheiten Rechnung und verbessere die Rahmenbedingungen für den stationären Detailhandel in einem schwierigen Marktumfeld, schreibt die Interessengemeinschaft auf Anfrage.

Bei der Migros Aare sieht man darin zumindest einen Schritt in die richtige Richtung, der jedoch Raum nach oben lässt, wie Sprecherin Daniela Lüpold mitteilt: «Für uns wäre es noch hilfreicher, wenn wir die Geschäfte in unserem ganzen Wirtschaftsgebiet von Montag bis Samstag bis 20 Uhr offen halten könnten.»

Ebenfalls erfreut reagierte Bern City, die Vereinigung der Berner Innenstadtgeschäfte, auf die geplante Gesetzesänderung. Gerade die Verlängerung um eine Stunde am Samstag entspreche dem veränderten Einkaufsverhalten, sagt Direktor Sven Gubler. «Es handelt sich dabei um eine moderate Änderung, die den Geschäften jedoch viel Nutzen bringen könnte.»

Zu den vier Sonntagen sagt Gubler: «Viele Nachbarkantone haben bereits jetzt die Möglichkeit, an vier Sonntagen zu öffnen. Das hat besonders in der für den Berner Detailhandel wichtigen Weihnachtszeit spürbare negative Folgen. Deshalb wäre es höchste Zeit, dass der Kanton Bern hier nachzieht», sagt Sven Gubler.

Referendum angekündigt

Anders tönt es bei den Gewerkschaften. Die Unia spricht von «einem grossen Affront gegenüber dem Verkaufspersonal und einem Kniefall vor dem Detailhandel». In Umfragen hätten sich die Beschäftigten klar gegen eine weitere Flexibilisierung ausgesprochen. Sie werde falls nötig die Vorlage mit einem Referendum bekämpfen.

Regierungsrat Christoph Ammann verweist dagegen auf den Wettbewerbsnachteil des Detailhandels gegenüber dem Onlinehandel, den Tankstellenshops sowie den Bahnhofsgeschäften. Diesen wolle die Regierung verringern.

Berner Zeitung

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