«Es bringt nicht viel, so sein zu wollen wie die anderen»

Der bernjurassische Unternehmer Daniel Bloch ist vom Engagement des Kantons für bestehende Firmen beeindruckt. Er wünscht Bern mehr Dynamik. Und sieht in einer bürgerlichen Mehrheit eine Chance zur Veränderung.

Daniel Bloch: «Es ist besser, sich auf seine Stärken zu besinnen.»

Daniel Bloch: «Es ist besser, sich auf seine Stärken zu besinnen.»

(Bild: Andreas Blatter)

Herr Bloch, was ist im Kanton Bern top?
Daniel Bloch: Wir haben Anfang 2015 ein grosses Bauprojekt lanciert, welches zwei Teilprojekte umfasst: einerseits einen sub­stanziellen Ausbau von Produktion und Logistik und anderseits einen Neubau, der Büros und ein Besucherzentrum inklusive Shop und Bistro beinhaltet. Die Zusammenarbeit im Rahmen dieses Grossprojektes mit allen Behörden, lokal und kantonal, hat uns sehr positiv beeindruckt. Wir haben das Engagement des Kantons gespürt, nicht nur neue Unternehmen nach Bern holen zu wollen, sondern auch bestehende zu unterstützen.

Was ist im Kanton Bern schlecht?
Während sich die Welt immer schneller dreht, geht hier alles ­etwas gemächlicher zu und her. In einigen Bereichen wäre etwas mehr Dynamik wünschenswert. Ein Beispiel: Bei den Unternehmenssteuern war der Kanton Bern einmal attraktiv. Inzwischen haben sich andere Kantone verbessert, und Bern ist deutlich ins Hintertreffen geraten.

Wie lässt sich dies verbessern?
Es bringt nicht viel, so sein zu wollen wie die anderen. Viel zielführender ist es, sich auf die ei­genen Stärken zu besinnen und diese weiter zu entwickeln. Ich mache gerne den Vergleich ­zwischen Manhattan und Brooklyn: Früher stand Brooklyn im Schatten Manhattans und wurde kaum wahrgenommen. Heute ist Brooklyn frischer, dynamischer und cooler als das satte und etwas schwerfällig gewordene Man­hattan. Auf das Beispiel von vorher übertragen heisst dies: Ein unternehmensfreundliches Umfeld bringt automatisch eine neue Dynamik, aus der sich viel Neues entwickeln kann.

Was macht eine gute Regierung aus?
Entscheidend ist, dass alle am gleichen Strick ziehen und gemeinsame Visionen haben. Dies bedingt, dass man sich auf übergeordnete Ziele einigen kann. Die Regierung strebt eine nachhaltige Entwicklung an. Das Rückgrat dafür ist ­jedoch ein ebenso nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum. Es ist wichtig, dies nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht auf Nebenschauplätzen zu verlieren.

Braucht der Kanton die bürgerliche Wende?
Der Kanton Bern verfügt zwar über einen starken Industriesektor, ist aber dennoch im interkantonalen Vergleich wirtschaftlich schwach und hat Mühe, aus dieser Position herauszukommen. Aus Sicht der Wirtschaft ist es wünschenswert, dass der Kanton sein Potenzial steigern kann. Dies gelingt mit den passenden Rahmenbedingungen in Bezug auf Steuern, Ausbildung, Infrastruktur etc. In diesem Sinne ist eine Veränderung immer auch eine Chance für einen Schritt nach vorne.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Berner Zeitung

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